Alles über Autonomes Fahren
Zoom

Volvo DriveMe: Im Feldversuch parkt das Auto selbständig

Autonomes Parken iet ein elementarer Bestandteil des  wegweisende Projekts "DriveMe“ in Göteborg vom Fahrzeughersteller Volvo.

Innovative Start-Ups mit modernen Büros in durchgestylten Glaspalästen, visionäre Brain-Pools und Think-Tanks, coole Cafés, große Grünflächen und hunderte Menschen beim Sonnenbad entlang der Kaimauern – der neue Lindholmen Science Park im Hafen von Göteborg hat so ziemlich alles, was ein trendiges Szeneviertel braucht. Außer Parkplätze. Denn obwohl hier bald mehrere Tausend Menschen Arbeiten und Wohnen sollen und sogar der Autohersteller Volvo viele seiner Büros dorthin verlagert hat, ist in dem Quartier für Autos erschreckend wenig Platz. "Und das ist gut so", sagt Mikael Thor. "Denn wir können die begrenzten Flächen in unseren Städten wahrlich sinnvoller nutzen als für Stellplätze."

Stehende Autos raus aus der City

Diese Ansicht ist zwar nicht neu. Aber Thor ist kein Öko oder ein militanter Radfahrer, sondern ist sogar Mitarbeiter von Volvo und damit per se ein Freund des Automobils. Doch der junge Mann ist Teil eines Projektes, das zumindest den ruhenden Verkehr aus den Innenstädten verbannen möchte. Denn wenn in Göteborg 2017/2018 der Flottenversuch "DriveMe" startet, sollen die ersten 100 Autos in Kundenhand nicht nur autonom durch die Heimat von Volvo fahren. Sondern sie sollen auch selbständig einparken – und zwar für den Besitzer völlig stressfrei und am besten außer Sichtweite.

"Es kann doch nicht sein, dass ein romantischer Abend hier am Wasser erst mit der nervigen Parkplatzsuche beginnt und dann mit einem Bummel zwischen abgestellten Autos weitergeht," klagt Thor und zeigt, wie sich die DriveMe-Strategen die schöne neue Welt des Parkens in Lindholmen stattdessen vorstellen: Vorfahren, das Auto in der zweiten Reihe auf einen entsprechend markierten Übergabeplatz stellen und einfach aussteigen – mehr braucht es in Thors Vision nicht, um vom Autofahrer zum Fußgänger zu werden. 

Startschuss per Handy-App

Denn danach zückt der Mann sein Handy, startet die Volvo Park-App und schickt das Auto mit einem Fingertipp in die Pause. Während Thor schon mit seiner Freundin im Arm die Kaimauer entlang ins Restaurant schlendert, wird der Volvo zum Geisterfahrer, kreuzt führerlos über das Areal, rangiert sauber in die nächste freie Lücke quittiert mit einer kurzen Nachricht, wenn er sein Plätzchen gefunden, den Motor ausgestellt und die Türen verriegelt hat. Wenn’s gut läuft, sitzen Thor und seine Begleitung da schon beim Aperitif.

Spätestens wenn nach dem Essen der Espresso kommt, holt Thor mit einem weiteren Tipp auf die Park-App auch sein Auto aus der Pause, das Spiel geht mit umgekehrten Vorzeichen von vorne los und sobald der Entwickler vor die Tür tritt, steht auch sein Wagen wieder in der Übergabe-Box: Parkst du noch oder lebst Du schon, könnte man dieses Szenario frei nach der zweiten großen Schwedenmarke Ikea überschreiben.

Dichter packen im Parkhaus, mehr Platz für Grünflächen

Wenn man die Idee vom autonomen Parken so weit spinnt wie die Entwickler bei Volvo, ist der Rangier-Roboter nicht mehr allein ein Komfortgewinn für den Fahrer. Auch Immobilienbesitzer und Stadtplaner bekommen leuchtende Augen: Die einen können plötzlich mehr Autos in ihre Parkhäuser oder Tiefgaragen lassen, weil der Computer die Reihenfolge sortiert und die Elektronik keinen Sicherheitsabstand mehr zwischen Kotflügeln und Stoßstangen einhalten muss. Und die anderen gewinnen neuen Freiraum für Grünanlagen, Spielplätze oder zur Not auch noch mehr Häuser, wenn sie weniger Stellfläche fürs Auto reservieren müssen oder die Parkhäuser gleich ganz nach draußen vor die Stadtgrenzen verbannen können. "Denn wer sagt denn, dass ein autonomes Auto nicht ein paar Kilometer alleine fahren kann, bis es irgendwo in einem Industriegebiet in einem großen Parksilo verschwindet", skizziert Thor die neuen Möglichkeiten.

Das könnte nicht nur in Wohn- und Geschäftsvierteln helfen, sondern zum Beispiel auch das sündhaft teure Parken am Flughafen endlich wieder erschwinglich machen, träumt der Volvo-Entwickler weiter. Denn plötzlich müssten Autos nicht mehr unmittelbar am Airport abgestellt werden, wo die Grundstückspreise und mit ihnen die Parkgebühren entsprechend hoch sind: "Sie könnten führerlos bis dorthin rollen, wo Parken weniger kostet und sich auf den Rückweg machen, sobald der Fahrer sie nach der Landung mit der App wieder anfordert."

Technik ist da, Rechtsgrundlage fehlt

Technisch ist das kein Hexenwerk mehr. Die Sensoren für das autonome Einparken sind fast alle bereits an Bord. Während Thor noch mit einem Prototypen aus der Forschungsabteilung experimentiert, bereiten sie deshalb zum Beispiel bei Audi und Mercedes noch für dieses Jahrzehnt die ersten Serienmodelle vor, die zumindest im Beisein des Fahrers völlig selbständig in eine zuvor ausgewählte Lücke rangieren. Und den elektrischen BMW i3 kann man heute schon von außen einparken, wenn man nur neben dem Auto stehen bleibt und einen Knopf auf dem Funkschlüssel gedrückt lässt.

Was Thors Vision noch entgegensteht, sind deshalb nicht die Programmierung der Software, sondern eher die Paragraphen: "Die Rechtslage für so ein Projekt ist noch völlig ungeklärt", sagt der Entwickler und klingt irgendwie ziemlich enttäuscht. Dass ein Auto auf dem eigenen Grundstück autonom in die Garage rollt, das kann auch er sich schon relativ bald vorstellen. Doch schon den Autopiloten für ein öffentliches Parkhaus hält er deshalb für Jahre entfernt. Und die führerlosen Fernfahrten zum Vorstadtparkhaus sind wohl noch weiter weg, räumt er ein.

Vorerst nur ein Versuchsparkplatz

Zwar ist Thor guter Dinge, dass sich all diese Fragen irgendwann lösen lassen. Zumal er die Verkehrsbehörden und Stadtplaner nach den Erfahrungen bei der Vorbereitung von DriveMe mit im Boot weiß. Doch fürs erste muss er bei seiner Schwärmerei vom Parken der Zukunft auf die Vorstellungskraft seiner Zuhörer bauen. Denn die Demonstration des technisch Möglichen hat bis auf weiteres noch ihre Tücken: Bei "DriveMe" werde es erst mal nur einen Parkplatz und später vielleicht eine Tiefgarage geben, räumt der Entwickler ein. Und bis dahin muss ein improvisierter Parkplatz an der Kaimauer in Lindholmen zur Demonstration genügen.

Das ist doppelt ungeschickt: Erstens, weil die Testwagen dort nur auf programmierten Routen rangieren, lediglich so tun, als könnten sie autonom einparken und von jedem unvorhergesehenen Hindernis unweigerlich gestoppt werden. Und zweitens, weil diese vorübergehende Installation mit Absperrgittern und eiligst dahingepinselten Fahrbahnmarkierungen so gar nicht in die durchgestylte Gegend passen will. Wer soll denn da jetzt noch am Kai spazieren gehen?

Autor

Foto

Volvo

Datum

6. Juni 2014
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • Branche
  • Auto
  • Management
  • ecoFleet
  • Recht/Steuer
  • Service
  • Firmenauto des Jahres