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Kaufberatung VW T6: Volles Programm

Multivan, Caravelle, Transporter-Bus: Der VW T6 eignet sich als Shuttle ebenso wie als Familientransporter. Mit welchem Wagen Sie am besten fahren, zeigt die Kaufberatung.

Der erste VW Bus hieß Bulli. Der hatte hinten entweder einen Laderaum oder Sitze. So einfach, so gut. Die Vielfalt des aktuellen T6 dagegen macht so manchem Flottenmanager zu schaffen, hört er doch auf mehrere Namen: California, Transporter, Multivan und Caravelle. Alle sehen sich verdammt ähnlich und bringen alle ellenlange Preislisten mit, die nur im Kleingedruckten voneinander abweichen. Was genau die Modelle unterscheidet, weiß daher kaum jemand.

Auftrag für diesen Modellcheck: Wir suchen den optimalen Shuttle-Bus für Ihren Fuhrpark. Immerhin können wir gleich einen aus der Runde streichen: Der California ist die Camper-Version des T6, mit kleiner Einbauküche und Aufstelldach zum Schlafen. Die restlichen drei VW-Modelle kommen allerdings alle auch für den Personentransport infrage. Wobei VW in jeder Broschüre den Caravelle als ideale Shuttle-Lösung anpreist. Doch die entscheidenden Variablen sind Einsatzzweck und Budget. Denn umso stärker sich Kunden nach einem Kleinbus in den unteren oder oberen Preisregionen umschauen, also nach einer rustikalen oder exklusiven Lösung, drängen sich Transporter und Multivan auf.

Transporter: preiswertes Shuttleauto für den Handwerker

Ein Beispiel: Sie suchen einen Kleinbus für die Baustelle, damit Ihre Handwerker von A nach B kommen? Da bietet sich der Caravelle in der Einstiegsversion Trendline ab 30.555 Euro (2.0 TDI mit 84 PS) an. Viel Schnickschnack brauchen die Kollegen für diese Fahrten nicht. Solch einen rustikalen Bus bekommen Sie bei VW aber auch günstiger, nämlich mit dem Transporter. Den Kastenwagen gibt’s nicht nur mit verblechtem Laderaum, sondern auch als Kleinbus, also mit Sitzen und Fenstern. Gleich motorisiert liegt der aber satte 4.000 Euro unter dem Basis-Caravelle.

Die Unterschiede von Caravelle und Transporter sind marginal. Beide fahren mit Stahlfelgen und grauen Kunststoffstoßfängern im Discount-Look vor. Was dem Serien-Transporter im Vergleich zum Caravelle Nennenswertes fehlt, sind Sitze im Fond (7-Sitzer ab 1.310 Euro), ein Gummiboden (205 Euro) und die separat regelbare Heizung für den Fahrgastraum (270 Euro). Unterm Strich bleibt dennoch ein Preisvorteil von rund 2.500 Euro stehen. Und nur die Transporter-Variante ist zudem mit einem Mittelhochdach zu haben, sogar ohne Aufpreis. Zusätzlicher Stauraum unterm Dach für Helme, Jacken und Taschen also

Multivan: der Bus für Gespräche

Machen wir einen harten Cut und switchen von dem Handwerker-Shuttle zum luxuriösen VIP-Bus. Hier gibt nun der Multivan eine deutlich bessere Figur ab als der Caravelle. Bekannte Szenarien könnten für Sie beispielsweise sein: Ihre Geschäftsleitung fährt mit Gästen zum Abend­essen. Genauso: Ihre Abteilungsleiter besprechen auf dem Weg zu einem Geschäftspartner wichtige Details. Wäre es hier nicht sinnvoll, dass sich die Personen im Bus gegenübersitzen, für eine angenehme Unterhaltung? Eine sogenannte Konferenz- oder Vis-à-vis-Sitzanordnung, bei der die zweite Sitzreihe hinter dem Fahrer entgegen der Fahrtrichtung aufgestellt ist. Dummerweise kann das der Caravelle nicht.

Dabei führt VW stolze 21 Sitzkonfigurationen in der Preisliste auf. Vom Viersitzer mit ordentlich Platz im Laderaum über den Siebensitzer mit besserer Einstiegsfreiheit bis hin zum Neunsitzer mit langem Radstand und vier Sitzreihen lässt sich der Fahrgastraum des Caravelle flexibel gestalten. Allerdings schauen alle Passagiere immer in Fahrtrichtung. Außerdem gibt es nur die härter gepolsterten Zweier- und Dreier-Sitzbänke, auf denen es generell kuschelig zugeht. Und wenn Einzelsitze, dann nur die schlanken, die dann zu dritt in einer Reihe aufgereiht wiederum eine geringfügig flexiblere Dreierbank bilden.

Warum auch immer, aber die bequemeren, dicken Einzelsessel mit Armlehnen links und rechts tauchen nur in der Sonderausstattungsliste des Multivan auf. Mit einem Handgriff lassen sich diese um 360 Grad drehen. So kann der Shuttle-Service im Multivan vor jeder Fahrt festlegen, ob sich die Personen gegenübersitzen oder alle in Fahrtrichtung schauen. Ein weiterer Vorteil des Multivan sind die Sitzschienen. Je nach Platzbedarf rutschen die Sitze im Handumdrehen ein paar Zentimeter vor oder zurück.

Im Caravelle sind solche spontane Raum­ände­run­gen hingegen nicht vorgesehen. Die starren Sitzreihen sind zwar schnell entriegelt, dafür sperrig und schwer. Hier braucht man immer jemanden, der hilft, die Bänke aus dem Wagen zu wuchten.

Ausstattungsbereinigt liegen Multivan und Caravelle auf einem Preisniveau. Den drei Ausstattungslinien des Caravelle stehen neun des Multivan gegenüber. Ein Auto vernünftig zu konfigurieren ging schon mal leichter. Varianten wie der exklusive Multivan Business tauchen beim Caravelle gar nicht erst auf. Der kostet knapp 80.000 Euro und bringt von der Minibar über die Echtholzvertäfelung bis zu WLAN alles mit, was VW in der Bus-Klasse zu bieten hat.

Ein Detail scheint den VW-Ingenieuren allerdings gänzlich durchgegangen zu sein: Wer sich gegenübersitzt, der möchte den Gesprächspartner durchaus auch sehen. Ambientelichtleisten für eine Grundhelligkeit im Fahrzeug, beispielsweise an den Seitenverkleidungen, fehlen leider. Wer spricht, muss die Leselampe am Dachhimmel anknipsen und sitzt buchstäblich im grellen Scheinwerfer-Spot

Das VW-Trio teilt sich ein Cockpit

Bei der Kommandozentrale macht VW dann keine Unterschiede: Transporter, Multivan und Caravelle teilen sich ein Cockpit. Die Version des Transporters mit Hartplastik sieht etwas rustikaler aus. In Verbindung mit schickem schwarzem Klavierlack jedoch wirkt alles überaus vornehm. Ganz egal, ob einfach und nutzwertorientiert oder anspruchsvoll und höherwertig: VW gelingt an dieser Stelle ein guter Spagat.

Das VW-Erfolgsrezept sind die vielen Pkw-Bauteile, welche die sechste Bus-Generation mit auf den Weg bekam. Für das Transportgewerbe hinterlässt der VW-Bus dadurch generell einen stilvollen Eindruck. Multimediaeinheit samt Touchscreen, Instrumententafel, Lenkrad, Tasten, Knöpfe und vieles mehr wurde schließlich bereits von kritischeren VW-Autofahrern abgenickt. Beruhigend wirkt der geradlinige Aufbau des Armaturenträgers, die Bedientasten sind VW-typisch angeordnet, quasi selbsterklärend.

Nur wenige Fuhrparkleiter werden bei der Fahrzeug-Konfiguration so freien Spielraum haben, dass sie auf der 35 Seiten umfassenden Sonderausstattungsliste nach Herzenslust ihre Kreuze setzen dürfen. An ein paar wenigen Extras sollten Sie allerdings nicht sparen. Standheizung (985 Euro): Zeit ist Geld, und wenn Ihre Fahrer nicht kratzen müssen, dann fahren sie schon.

Sitze: Gönnen Sie Ihren Kollegen den Komfort-Fahrersitz mit elektrischer 12-Wege-Einstellung, Sitzheizung, Armlehnen und Lendenwirbelstütze (1.130 Euro). Glauben Sie uns, kombiniert mit der adaptiven Geschwindigkeitsregelung (610 Euro) und LED-Scheinwerfern (1.220 Euro) sind die wöchentlich Tausende an Kilometern einfacher zu ertragen.

Multimedia: Anstelle des bis zu 2.195 Euro teuren fest eingebauten Navis tut’s auch das Einstiegsradio mit gleich dimensioniertem 6,3-Zoll-Touchscreen (ab 455 Euro) inklusive Smartphone-Anschluss (145 Euro). Dann können Sie Apps wie Google-Navi aufs Display spiegeln. Rüsten Sie mit dem Restgeld lieber Ihre Fahrer mit vernünftigen Smart­phones aus. Dann erreichen Sie diese auch außerhalb des Wagens.

Motor und Getriebe

Der T6 ist zwar mehr ein überarbeitetes Modell als ganz neuer Van. An dem Fahrkomfort hat VW gleichwohl intensiv gearbeitet. Der Bus gleitet behutsam über Bodenwellen hinweg, bleibt in Kurven aufrecht und macht so die Fahrt hinten wie vorne angenehm. Für eine elektro­mecha­ni­sche Lenkung hat es beim T6 allerdings nicht gereicht – wie gesagt, er baut auf der alten Plattform auf –, die leichtgängige Servo­tronic vermittelt dennoch das Gefühl, einen wendigen Klein­wagen durch den engen Stadtverkehr zu manövrieren.

Unsere erste Wahl fällt auf den 150 PS starken Diesel. Der hat Power in jeder Drehzahllage, bleibt schön leise und säuft nicht zu viel. Am besten kombinieren Sie den Motor mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Das schaltet flüssig und schnell, der Fahrkomfort steigt dadurch erheblich. Allrad nur für die, die ihn wirklich brauchen, 3.000 ­Euro Aufpreis sind ganz schön happig.

Plus

Sparsamer und kultivierter Motor, komfortable Federung, sicheres Fahrverhalten, leichtgängige Lenkung, gute Rundumsicht, niedriges Geräuschniveau, gutes Raumangebot, leichte Bedienung, gute Verarbeitung, bequemer Fahrersitz, umfangreiche Fahrerassistenten, Smartphone lässt sich auf Bildschirm spiegeln.

Minus

Sitze der 2. Reihe lassen sich nicht gegen Fahrtrichtung positionieren, nur schmale Einzelsitze im Fahrgastraum, keine Ambientebeleuchtung, teurer Allradantrieb, nur zwei Jahre Garantie.

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

2. März 2017
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