Werkstatt, VMF Service Plus Zoom

Werkstatt: Freie oder Vertragswerkstatt?

Günstigen Preisen von freien Werkstätten stehen attraktive Pauschalangebote der Vertragswerkstätten gegenüber. Doch was kommt am Ende günstiger und worauf muss man achten?

Eigentlich paradox: Auf der einen Seite müssen Autos dank längerer Wartungsintervalle nicht mehr so häufig in die Werkstatt, trotzdem steigen in vielen Fällen die Kosten. Zumindest bei den vier im Flottenalltag gängigen Modellen, für die FIRMENAUTO von Audacon die Wartungs- und Verschleißkosten berechnen ließ. Das Unternehmen verglich die aktuelle Modellgeneration von VW Passat, Ford Focus, Citroën C4 und Opel Astra mit dem jeweiligen Vorgängermodell.

Ergebnis: Nur beim neuen VW Passat haben sich die Service- und Verschleißkosten gegenüber dem Vorgängermodell nicht verändert. Bei den übrigen drei kommen auf den Halter höhere Werkstattkosten zu. "Ein wichtiger Grund sind sicherlich die gestiegenen Teilepreise", sagt Gerald L. Caneva, Abteilungsleiter Sales von Audacon. Auch hätten manche Hersteller im Bereich der Servicekostensenkung schon bei den Vorgängermodellen die Kosten erheblich minimiert.

 DAT-Report 2011 bestätigt  Trend zu steigenden Kosten

Erstaunliches dagegen ergeben die Berechnungen beim Kia Sportage. Trotz unverändert kurzen Serviceintervallen sinken die Service- und Verschleißkosten hier im Alt-gegen-Neu-Vergleich um 73  Prozent. Sind längere Serviceintervalle also Augenwischerei oder haben sich die Koreaner auf die Fahnen geschrieben, einfach nur in Sachen Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit aufzuschließen? Der DAT-Report 2011 jedenfalls bestätigt den Trend zu steigenden Kosten. 2010, so der Bericht, wendeten die Fahrzeughalter pro Auto durchschnittlich 201 Euro für die Reparatur von Verschleißschäden auf. Macht bei einer durchschnittlichen Jahreslaufleistung von 14.800 Kilometern 1,4 Cent pro Kilometer. Dieser Wert lag im Vergleich dazu 2009 bei 1,2 Cent, allerdings lag die Jahresfahrleistung im Durchschnitt bei 14.260 Kilometern. Auch künftig sei aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung eher mit leicht steigendem Aufwand für Verschleißreparaturen zu rechnen.

Dass die Halter immer tiefer in die Tasche greifen müssen, kann jedenfalls nicht daran liegen, dass es zu wenige Werkstätten in Deutschland gibt. 38.050 Kfz-Betriebe waren im letzten Jahr gemeldet, davon 18.100 Betriebe fabrikatsgebundene und 19.950 freie Werkstätten. Trotzdem gibt es deutlich weniger Betriebe als noch fünf Jahre zuvor. Da hielt sich die Anzahl der fabrikatsgebundenen Betriebe mit 20.600 und die der freien mit 20.200 Unternehmen fast die Waage.

Einsparpotenzial von gut 20 Prozent bei freien Werkstätten

Allerdings machen die freien Werkstätten ihr Geld vorwiegend mit Privatkunden. Fuhrparkbetreiber dagegen scheuen sich häufig davor, ihre Fahrzeuge in freie Betriebe zu geben. Dabei können diese zu deutlich niedrigeren Stundensätzen arbeiten als ihre markengebundenen Kollegen und sind oft besser als ihr Ruf . "Bei Wartungs- und Verschleißreparaturen liegt ein Einsparpotenzial von gut 20 Prozent vor", sagt Caneva von Audacon. In der Praxis liegt das Einsparpotenzial sogar oft noch deutlich höher: "Wir besitzen Kostenvoranschläge von Vertragshändlern für Karosserie-Reparaturen, die teilweise unglaubliche 400 Prozent über dem Rechnungsbetrag unserer freien Partner liegen", sagt Bernd Kullmann, der als Fuhrparkchef über 1.000 Fahrzeuge der Ideal Versicherung betreut.

Doch statt diese Einsparungen mitzunehmen, gehen die meisten seiner Kollegen immer noch in die Vertragswerkstätten. Das hat mehrere Gründe. Oft dominiert die Angst vor Problemen bei Garantie- und Gewährleistungsansprüchen. Dabei sind die freien Werkstätten nach der Kfz-Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) 2010 den markengebundenen gleichgestellt. So sind die Hersteller verpflichtet, den freien Werkstätten genau die gleichen Informationen zukommen zu lassen wie ihren offiziellen Vertragspartnern. Eine Umfrage der Marktforscher der Berliner LDB-Gruppe unter 890 freien und gebundenen Werkstätten zeigt jedoch, dass die Praxis anders aussieht und viele Betriebe keinen Zugang zu diesen Daten hatten.

After-Sales-Bereich ist der Renditebringer der Kfz-Hersteller

Da die Gewinnmargen im Verkauf gegen null tendieren, sind die Hersteller eifrig bemüht, das Servicegeschäft an sich und die Autohäuser ihrer Marken zu binden. Schließlich ist der After-Sales-Bereich der Renditebringer im Kfz-Gewerbe schlechthin. Auch deshalb schnüren die Hersteller oder Importeure für Flotten attraktive Servicepakete. Ford beispielsweise arbeitet mit einer Flatrate. Gewerbetreibende mit kleinen und mittleren Betrieben sollen dabei durch attraktive Leasingkonditionen und Full-Service-Angebote Kosten sparen. Das Paket beinhaltet unter anderem alle Wartungs- und Inspektionsarbeiten sowie Reparaturarbeiten, ausgenommen von Unfallschäden. Auch Verschleißreparaturen sind inkludiert. Vertragspartner für dieses Ford-Produkt ist ALD Auto Leasing. Und auch der VW Konzern, BMW und Mercedes arbeiten mit Pauschalen.

Opel dagegen offeriert Groß- und Gewerbekunden eine Anschlussgarantie. Sie deckt Schäden an kostenintensiven Bauteilen wie Motor, Getriebe, Bremsen, Abgasanlage oder Klimaanlage ab. Die Anschlussgarantie ist fahrzeug- und nicht haltergebunden. Vor Abschluss einer solchen Garantie legt der Halter fest, für welche Kilometerleistung sie gelten soll.

Vorsicht ist geboten: Nicht immer kommen Servicepauschalen billiger

Aber Vorsicht: Nicht immer sind Servicepakete tatsächlich günstiger. "Es gibt auch Fälle, in denen die Kosten der anfallenden Standardwartung überschritten werden", warnt Caneva von Audacon. Wichtig sei, bei diesen Pauschalen genau den Umfang der Pakete zu kennen: Welche Leistungen sind im Servicepaket enthalten und welche Zusatzleistungen müssen noch erbracht werden?

Fuhrparkleiter Kullmann jedenfalls hat das Kleingedruckte genau gelesen: "Wir nutzen die Pauschale Service-Rate mit Verschleißteileregelung nur für Pkw und Transporter mit Laufleistungen von 20.000 bis 30.000 km pro Jahr." Ein wesentlicher Vorteil sei die fixe Kostenstruktur bei der jährlichen Budgetierung und administrative Einsparungen durch den Wegfall der Rechnungsprüfung und -bezahlung. Der Praktiker hat allerdings erhebliche Differenzen bei den Servicepauschalen für baugleiche Fahrzeuge bei gleichen Parametern festgestellt. "Hier ergeben sich Unterschiede von teilweise 60 Prozent."

Was unterm Strich wieder jede Menge Arbeit für die Flottenabteilung bedeutet. Und was ärgerlich ist, denn Werkstattaufenthalte binden Zeit und Kapital. Vor allem, wenn sie außerplanmäßig anfallen. Wer bringt das Auto in die Werkstatt, wer holt es ab? Offeriert die Werkstatt einen Hol-/Bringservice, gibt es einen Ersatzwagen? Diese weichen Kriterien sind oft ausschlaggebender für die Entscheidungsfindung als der letzte Cent hinterm Komma. Die Ideal Lebensversicherung beispielsweise hat sich seit Gründung des Konzernfuhrparks 2004 von diversen Werkstätten getrennt. Dabei handelte es sich sowohl um freie Werkstätten als auch um Vertragshändler oder Niederlassungen der Hersteller. "Alles steht und fällt nun einmal mit dem persönlichen Engagement", sagt Kullmann.

Professionelle Rechnungsprüfung

Stimmen die Ersatzteilpreise? Ist es nötig, das Teil auszutauschen oder kann man es reparieren? Ist der neue Zahnriemen nach 90.000 oder doch erst nach 120.000 Kilometern fällig? Sind beim Ölwechsel vier oder fünf Liter Öl fällig? Flottenchefs tun gut daran, jede Rechnung und jeden Kostenvoranschlag sorgfältig zu prüfen. Wer das Know-how dazu nicht hat, kann sich professionelle Hilfe einkaufen - sowohl bei großen Leasinggesellschaften also auch bei freien Dienstleistern wie Aral Fleet Management.

Streit mit der Werkstatt?

Nicht jeder Zwist mit der Werkstatt oder dem Autohaus lässt sich gütlich beilegen. Bei Differenzen mit ihrem Kfz-Betrieb können Kunden die Schiedsstelle des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes anrufen. Bundesweit gingen im vergangenen Jahr bei den 130 Kfz-Schiedsstellen fast 13.300 Anträge ein. 88 Prozent und damit 11.270 Anträge wurden bereits im Vorverfahren geregelt. Bei den meisten Streitigkeiten ging es um die Höhe der Rechnung, um vermuteten Pfusch um nicht in Auftrag gegebene Arbeiten. Bei den Gebrauchtwagen-Schiedsanträgen standen technische Mängel mit Abstand an der Spitze der Beanstandungen. Für den Mitgliedsbetrieb der Kfz-Innung ist der Schiedsspruch bindend, dem Kunden bleibt dann immer noch der Weg zum Gericht. Die Inanspruchnahme der Schiedsstelle ist übrigens für den Verbraucher kostenfrei.

Garantie oder Gewährleistung?

Gewährleistung, Mängelhaftung oder Mängelbürgschaft bestimmen die Rechtsfolgen und Ansprüche, die dem Käufer im Rahmen eines Kaufvertrags zustehen. Fällt plakativ gesprochen zum Beispiel der Auspuff ab, greift die Gewährleistung. "Weil es eben nicht der Sollbeschaffung entspricht, wenn der Auspuff bereits nach kurzer Zeit abfällt", sagt Rechtsanwalt Christian Krumrey von der Kanzlei Fleet Advokat. Bei Fahrzeugen hat der Gesetzgeber die Gewährleistungsfrist auf zwei Jahre festgelegt. Von der gesetzlich vorgeschriebenen Gewährleistung ist wiederum die Garantie zu unterscheiden. Diese ist insofern freiwillig, als es keine gesetzliche Verpflichtung zur Abgabe eines Garantieversprechens gibt.

Doch um sich gegenüber den Wettbewerbern abzugrenzen, machen sie eben Versprechungen, wie beispielsweise sechs Jahre Garantie gegen Durchrostung. Fängt das Fahrzeug dann tatsächlich an zu rosten, fangen oft auch die Diskussionen mit den Herstellern an. Denn nicht jeder bringt sein Fahrzeug in eine Herstellerwerkstatt, sondern vertraut stattdessen auf die Dienste einer freien Werkstatt. Viele Hersteller verweigern die Regulierung mit dem Argument, dass das Fahrzeug diesen Schaden nicht hätte, wenn es in einer Vertragswerkstatt gewartet worden wäre. Nicht selten treffen sich die Parteien dann vor Gericht wieder.

Datum

24. Oktober 2011
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