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Winterreifen Zoom

Winterreifentest: Die besten Reifen für Transporter

Acht Winterreifen der Größe 225/70 R 15 C treten bei eisigen Temperaturen am Polarkreis zum Vergleichstest an. Welcher ist der beste für Vans und Transporter?

Harter Einsatz für den Fiat Ducato mit 15-Zoll-Fahrwerk. Er dient als Test­wagen für den Winterreifenversuch. Im Test: Reifen der Größe 225/70 R 15 C. Die Auswahl ist groß in diesem Reifensegment. Neben den bekannten Markenherstellern finden sich zunehmend und zu attraktiven Preisen Angebote aus Osteuropa und Asien im Portfolio der Reifenhändler.

Fünf Markenreifen gegen drei Billighersteller

Fünf Markenfabrikate treten gegen drei preisgünstigere Wettbewerber wie den 4 Winter Comm von Marangoni aus Italien oder den thailändischen Maxxis MA-W an. Mit dabei ist auch der Testsieger des Vorjahres, der ­bewährte Goodyear Cargo Ultra Grip-2: Als Einziger im Testfeld verfügt er über ein laufrichtungsgebundenes Profil, das für gute Wasserableitung beim Aquaplaning sorgen soll. Seine intelligent angeordneten Profilblöcke versprechen zudem besonders leisen Lauf.

Zuerst steht die Winterprüfung auf dem Programm: Besonders sicherheitsrelevant ist das Bremsen auf Schnee. Hier bieten Conti, Marangoni, Michelin und Pirelli hervor­ragende Verzögerungswerte. In Sachen Seitenführung kann auch der Firestone mit ­diesem Spitzentrio mithalten. Doch allein damit ist es nicht getan. Auch Traktions- und Handlingversuche müssen absolviert werden. Am Ende des Tages setzt sich der Conti als ausgemachter Winterprofi mit ausgewogenem Fahrverhalten und bestem Grip an die Spitze, gefolgt von Michelin ­Agilis, Firestone Winterhawk und Marangoni 4 Winter Comm.

Im Bremsen ist auch der neue Pirelli vorne mit dabei. Doch da er keine längs laufenden Greifkanten hat, fehlt es ihm spürbar an Seitenführung. Schnelle Handlingzeiten liefert trotz schwacher Seitenführung und Traktion auch der Westlake SW 612. Der Grund: ­seine dezente Übersteuerneigung. Was auf der Straße gefährlich werden kann, hilft auf ab­gesperrter Piste, Kurven schneller zu umrunden. Punkte gibt es dafür aber keine. Szenenwechsel: Aus dem kalten schwedischen Winter geht es nun ins italienische Vizzola. In den künstlich bewässerten Aquaplaning-Becken des Pirelli-Testgeländes bieten die tief profilierten Winterspezialisten reichlich Reserven: Bestwerte in Sachen Wasserverdrängung erreichen Conti, Firestone, Marangoni, Maxxis und der neue Pirelli. Aquaplaningvorsorge ist aber nicht alles. Für optimale Sicherheit und damit auch für das Reifenlabel relevant ist der Nassgriff beim Bremsen. Top-Werte bei Bremswegen zwischen 35 und 37 Metern aus 80 km/h liefern hier lediglich Goodyear, Michelin und Pirelli. Erst eine ganze Wagenlänge später, bei 41 Metern, kommt der Maxxis-bereifte Ducato zum Stillstand. Das ist eindeutig zu lang, Profiltiefe ist nicht allein entscheidend.

Auch der subjektive Fahreindruck zählt

Neben diesen objektiv messbaren Reifeneigenschaften zählt auch der Eindruck des Fahrers bei der Jagd nach Rundenzeiten auf dem künstlich und konstant bewässerten Nasshandlingkurs. Wie beim Handling auf Schnee ist Geschwindigkeit hier nicht alles. Ein leicht kontrollierbares, überraschungsfreies Fahrverhalten sichert einem Reifen weitere Pluspunkte. Plötzliche Lastwechselreaktionen, etwa ein bei spontaner Gaswegnahme in Kurven unerwartet ausbrechendes Heck, kann trotz guter Rundenzeiten zur ­Abwertung führen.

Sicherheit, Ausgewogenheit und Dynamik bei bestem Feedback liefert der Goodyear Cargo Ultra Grip-2: Nässe ist eben die Paradedisziplin des Vorjahres-Testsiegers. Es gibt nur einen, der das noch besser kann: Der neue Pirelli verschiebt all diese Tugenden mit überzeugendem Nassgriff eine Stufe nach oben. Mit in diesem Spitzenfeld bewegt sich noch der Michelin Agilis alpin. Er hält den Anschluss mit einer ausgezeichneten Balance. Lediglich im Grenzbereich gibt er einen Tick weniger Rückmeldung, wann der Wagen auszubrechen droht. Ebenso empfehlenswert: die Reifen von Marangoni und Westlake. Sie liegen mit guter Beherrschbarkeit gleichauf mit dem Conti Vanco. Der Hannoveraner enttäuscht hier ­etwas: Wie auch auf Schnee fehlt’s ein wenig an Seitenführung.

Trockener Asphalt ist nicht die Domäne von Winterreifen. Gewaltige Kräfte zerren hier an den flexiblen, lamellierten Profilblöcken. Auch die weiche Mischung schiebt sportlicher Dynamik einen Riegel vor. Im Vergleich zu Sommerreifen sind die Bremswege deutlich länger. Mit rund 47 Metern bremsen nur Goodyear und Firestone vorbildlich. Auch der Conti hält den Anschluss an die Spitzengruppe. Maxxis und Westlake aber bremsen sich mit rund 52 Metern ins Aus. Keine Klagen gibt’s im Handling auf trockener Straße: Transporter-Winterreifen sind zwar im Fahrverhalten generell schwammiger und träger im Anlenken, doch schnelle Spurwechsel lassen sich auch ohne ESP-Hilfe mit allen Kandidaten sicher fahren.

Conti am besten auf Schnee und Eis

Unterschiede finden sich primär in Lenkspontaneität, Lenkpräzision sowie in der Stabilität des Hecks bei plötzlichen Spurwechseln. Besonders gut gefällt hier der neue Pirelli. Sein hohes Seitenführungspotenzial, der breite Grenzbereich und das stabile Heck legen die Latte hoch. Mit trägerem Ansprechen, aber guter Balance ist auch Conti vorne dabei. Sieger auf Schnee und Eis? Klar, der ­Continental. Mit ausgezeichneter Winter­performance und guter Sicherheit auf trockener und nasser Bahn schrammt er nur wegen seiner Defizite im Nassbremsen knapp am "sehr gut" vorbei.

Wer sicher unter widrigsten Verhältnissen in alpinen Regionen durchkommen will, findet zum traktionsstarken Hannoveraner kaum eine Alternative. Mehr Fokus auf nasses, kaltes Wetter legten die Entwickler von Michelin, Pirelli und Goodyear. Würde der Winterreifentest allein nach der Nässewertung entschieden, hätte eindeutig der neue Pirelli die Nase vorn. Das Trio Pirelli, Michelin und Goodyear stellt den Umrüst-Tipp für urbane Regionen. Wer sparen will, findet auch bei günstigen Marken wie Marangoni oder Westlake in vielen Fahrsituationen akzeptable Reifeneigenschaften. Generalisten, Reifen mit besten Fähigkeiten bei allen Untergründen, sind für kleines Geld heute offensichtlich nicht zu haben.

Getestet und benotet: acht Winterreifen der Größe 225/70 R 15C

Continental Vanco Winter 2

Wintereignung im Flachland: Punkte 8,7
Alpine Wintereignung: Punkte 8,9
Allwettereignung: Punkte 8,6
Ecowertung: Punkte 8,9
Gesamturteil: Punkte 8,8 (gut)
+ Sehr gute und ausgewogene Fahreigenschaften auf winterlichen Strecken. Sehr gute Traktion und reichlich Reserven bei Aquaplaning. Ein echter Winterprofi auf Schnee, Matsch und Eis, ohne Sicherheits­defizit bei trockener Bahn.
– Schwächen nur beim Bremsen auf nasser Straße.
€ 124

Firestone Vanhawk Winter

Wintereignung im Flachland: Punkte 7,7
Alpine Wintereignung: Punkte 7,6
Allwettereignung: Punkte 7,6
Ecowertung: Punkte 7,4
Gesamturteil: Punkte 7,6 (befriedigend)
+ Solider Winterpneu mit überwiegend guten Allroundeigenschaften. Gute Aquaplaningvorsorge, Stärken auf trockenen Straßen.
– Wenig Grip auf nasser Fahrbahn. Bei Bremsen, Seitenführung und Lastwech­selempfindlichkeit besteht Nachbesserungsbedarf. Wenig Komfort.
€ 107

Goodyear Cargo Ultra Grip-2

Wintereignung im Flachland: Punkte 8,3
Alpine Wintereignung: Punkte 8,2
Allwettereignung: Punkte 8,5
Ecowertung: Punkte 8,4
Gesamturteil: Punkte 8,3 (gut)
+ Sehr hohes Gripniveau bei Nässe, damit beste Nassbrems- und Seitenführungwerte. Sehr sicher und harmonisch auch auf trockener Fahrbahn, ausgewogene Wintereigenschaften.
– Schwächen lediglich in den Aquaplaningdisziplinen und in Traktion auf Schnee.
€ 120

Marangoni 4 Winter Comm

Wintereignung im Flachland: Punkte 7,6
Alpine Wintereignung: Punkte 7,7
Allwettereignung: Punkte 7,4
Ecowertung: Punkte 7,2
Gesamturteil: Punkte 7,6 (befriedigend)
+ Der Marangoni kann auf Schnee den meist teu­reren Marken-Wettbewerbern Paroli bieten. Bei Regen bietet der bis an den Grenzbereich harmonische Italiener ausgezeichnete Aquaplaningvor­sorge. Guter Abrollkomfort.
- Bremswege bei trockener und nasser Straße könnten besser sein.
€ 92

Maxxis MA-W2

Wintereignung im Flachland: Punkte 5,8
Alpine Wintereignung: Punkte 5,5
Allwettereignung: Punkte 5,8
Ecowertung: Punkte 5,3
Gesamturteil: Punkte 5,7 (mangelhaft)
+ Gute Aquaplaningvorsorge durch offenes Profildesign und große Profiltiefe.
– Lange Bremswege, schneller Traktions- und Seitenführungsabriss auf Schnee und Nässe. Anfällig für Lastwechselreaktionen. Wenig harmonischer Reifen mit deutlichen Sicherheitslücken.
€ 93

Michelin Agilis Alpin

Wintereignung im Flachland: Punkte 8,6
Alpine Wintereignung: Punkte 8,8
Allwettereignung: Punkte 8,5
Ecowertung: Punkte 8,7
Gesamturteil: Punkte 8,7 (gut)
+ Sehr feinfühlig reagierender und harmonischer Reifen auf Schnee und Nässe. Beste Interaktion mit dem Fahrdynamik-Regelsystem des Ducato. Gute Bremswerte bei allen Fahrbahnzuständen. Guter Komfort.
– Leichte Schwäche im Längsaquaplaning.
€ 130

Pirelli Carrier Winter

Wintereignung im Flachland: Punkte 8,4
Alpine Wintereignung: Punkte 8,3
Allwettereignung: Punkte 8,5
Ecowertung: Punkte 8,3
Gesamturteil: Punkte 8,4 (gut)
+ Der Nässespezialist: Mit kleinen Einschränkungen bei der Schnee-Performance leistet sich der neue Pirelli in keiner sicherheitsrelevanten Disziplin Schwächen.
– Der Bremsweg auf trockener Straße könnte kürzer sein.
€ ca. 111

Westlake SW 612

Wintereignung im Flachland: Punkte 6,7
Alpine Wintereignung: Punkte 6,9
Allwettereignung: Punkte 6,9
Ecowertung: Punkte 7,2
Gesamturteil: Punkte 6,8 (ausreichend)
+ Auf Schnee und Nässe gut ausbalancierter Reifen auf niedrigem Gripniveau. Gute ­Aquaplaningvorsorge.
– Lange Bremswege sowie Lastwechselempfindlichkeit auf schneebedeckter Bahn. Wenig Seitenführungspotenzial auf trockener Straße, wenig Komfort.
€ 72

Autor

Foto

Thiemo Fleck

Datum

13. November 2013
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