Alles über Reifentest
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Winterreifentest: Die Besten Winterreifen für kompakte SUV

Mit welchen Reifen kommen SUV wie Opel Mokka, Audi Q3 oder BMW X3 am besten durch den Winter? Im Test: Winterreifen der Größe 215/60 R 17, vom teuren Continental bis zum billigen Westlake.

Im Grunde sind die meisten Winter­reifen für SUV von Standard-Pkw-Winterprofilen abgeleitet. Nachdem bei SUV kaum Offroadqualitäten, dafür eher Dynamik auf nassem und trockenem Asphalt, Laufruhe und geringer Roll­widerstand zählen, machen grobe Blöcke wenig Sinn. Überhaupt ist der Klima­wandel beim Reifen angekommen. Waren Winterreifen vor Jahren nur bester Traktion auf Schnee und Eis verschrieben, treten sie heute als Zehnkämpfer bei allen winterlichen Straßenverhältnissen an: bei kalter Nässe, auf Schnee und Matsch, aber auch auf trockenen Fahrbahnen mit hohem Tempo. Dazu sollen sie auf dem Firmenwagen leise abrollen und dafür sorgen, dass der Dienstwagen wenig Kraftstoff verbraucht.

Vor dem Verladen auf den 40-Tonner-Sattelzug absolvieren die vielen Test­reifen ein umfangreiches Einfahr­programm. So muss beispielsweise ihre Lauffläche durch zurückhaltendes  ­Fahren auf trockenen Straßen angeraut werden. Das entfernt mögliche Trenn­mittelreste, die bei der Produktion einiger Reifen zum Lösen aus der Heizform nötig sind. Diese Gleitmittel könnten nämlich nicht nur auf Schnee für rutschige Überraschungen sorgen. Bis alle Räder eingefahren sind, hat jeder der beiden Opel Mokka bereits 1.200 Kilo­meter mehr auf dem Zähler.

100 Räder müssen nach Nordschweden geschafft werden

Was eine Woche später und 2.400 Kilometer weiter nördlich auf Schnee und Eis folgt, ist ein Knochenjob für Mann und Mokka: beschleunigen, bremsen, Seitenkräfte. Parallel dazu wird Handling gefahren: Auf der kurvigen Berg-und-Tal-Bahn der Teststrecke zählen Rundenzeit und Fahrsicherheit.

Das Resultat: Top auf Schnee sind Bridgestone, Conti und Goodyear; Hankook, Dunlop und Nokian liegen dicht dahinter. Auch GT Radial und Westlake sind mit geringen Einschränkungen empfehlenswert. Mit einem deutlichen Missverhältnis der übertragbaren Längs- und Querkräfte hingegen kann der Vredestein die Tester nicht überzeugen: Bei ordentlichem Bremsen und guter Traktion rutscht der Reifen in Kurven unerwartet nach außen, das Verhältnis von Längs- zu Querrillen sollte hier dringend überdacht werden. Keine Empfehlung bei winterlichen Fahrbahnen gibt es für den günstigen Star Performer.

Wieder 2.300 Kilometer weiter südlich geht es weiter mit den Tests auf nassen Pisten. Neben den Qualitäten auf Schnee müssen sich gute Winterreifen auch hier beweisen: Conti, Dunlop, Goodyear und Nokian liegen dabei mit Abstand in Führung. Während die drei Erstgenannten ihre Punkte mit kurzen Bremswegen, bester Seitenführung und sicherem Handling sammeln, kontert der Nokian, bei kleinen Eingeständnissen beim
Bremsen und in der Seitenführung, mit überragender Aquaplaningsicherheit. Akzeptabel pflügen Vredestein, Hankook, GT Radial und Westlake durchs Wasser, den Mischungen von Bridgestone und Star Performer fehlt der Biss.

Die Tests auf trockenen Strecken  – in der Gesamtnote wie Schnee und Nässe zu je einem Drittel gewichtet  – runden das Ergebnis ab: Mit kürzesten Brems­wegen und sehr sicherem Fahrverhalten dominiert Nokian die Trockenwertung, Vredestein und Conti folgen. Auch der Star Performer trumpft auf und zeigt zusammen mit den Winterpneus von Goodyear, Dunlop und Hankook ein recht überzeugendes Leistungsniveau. Mit Detailschwächen in einzelnen Disziplinen können Bridgestone, GT Radial und Westlake die Pace der Spitzengruppe nicht ganz halten.

Welcher Reifen macht am Ende das Rennen? Natürlich der mit der besten Overall-Performance. Von dieser Ausgewogenheit auf allen Untergründen sind einige noch ein gutes Stück entfernt. Die Außenseiter von gestern, Westlake oder GT Radial, können sich allerdings langsam an ein empfehlenswertes Level im Mittelfeld heranarbeiten: Der im Winter bislang oft nicht überzeugende Hankook kommt zusammen mit Bridgestone und Vredestein bereits recht dicht an die Spitzengruppe heran.

Ganz vorn aber ist die Luft dünn und die Leistungsdichte hoch: Nur jeweils drei Zehntel trennen Good­year und Dunlop vom Testsieger, Nokian kommt sogar bis auf zwei Zehntel an den Führenden heran. Nach über 10.000 Test- und Transportkilometern steht mit sehr
ausgewogenen Leistungen vorn: der Continental TS 850 P SUV

So wurde getestet - Tests werden mehrfach gefahren

Zur Sicherung der Testergebnisse werden, soweit möglich, sämtliche Versuche mehrfach durchgeführt. Der beste Reifen eines Versuchs erhält maximal zehn Punkte. Beim Handling auf schneebedeckter, nasser oder trockener Bahn führt ein ausgewogenes, sicheres Fahrverhalten zu einer Optimalbenotung. Der Rollwiderstand wird von zwei voneinander unabhängigen Rollenprüfständen nach EU-Regularien ermittelt. Grundsätzlich werden die getesteten Produkte mit Reifen auch aus nachgelagerten Testkäufen in stichprobenartigen Nachtests verglichen. Signifikante Abweichungen zum Testmuster führen zum Testausschluss, verbunden mit entsprechender Berichterstattung. Sollten Produkte nicht rechtzeitig zur Überprüfung am Markt sein, können die Bewertungen nur unter Vorbehalt vergeben werden.

235/40 R 18: für Sportwagen - Conti gewinnt auch hier

Wenn  auf Schnee und bei Nässe 250 PS und noch mehr Newtonmeter Drehmoment gebändigt werden sollen, braucht es echte Hochleistungsreifen. Unsere Kollegen von »Sport Auto« haben sechs Reifen der Dimension 235/40 R 18 getestet, passend für sportliche Autos wie Ford Focus ST, aber auch für Modelle wie Mercedes E-Klasse Coupé, Volvo S/V60 oder Ford C-Max. Am Start: Conti TS 850 P, Dunlop SP
Winter Sport 5, Goodyear Ultra Grip Performance Gen-1, GT Radial Champiro Winter Pro HP, Pirelli Sottozero 3 und Vredestein Wintrac Extreme S.  Klarer Testsieger: Conti TS 850 P. Er bietet über­ragende Haftung bei Nässe, agile und direkte Lenkeigenschaften auf trockener Straße, sichere Performance auf Schnee. Auf verschneiter Piste läuft ihm lediglich der Pirelli Sottozero den Rang ab, der fast in allen Schneedisziplinen im Testfeld vorneweg fährt. Die rote Laterne geht an den Vredestein, vor allem wegen der schwachen Nässeperformance. Das breite Feld der Testreifen kostet zwischen 150 und 170 Euro. Am günstigsten ist der GT Radial: Der in Indonesien produzierte Champiro Winter Pro HP kostet knapp über 100 Euro und fährt auf trockener Straße durchaus gute Ergebnisse ein. Auf Schnee und bei Nässe allerdings vergeben die Testfahrer nur mäßig gute Noten. Unterm Strich reicht es aber trotzdem für ein »befriedigend«, was für einen Billigreifen in diesem Segment schon ganz passabel ist

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Motor Presse Stuttgart

Datum

13. Oktober 2016
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