30 Jahre Opel Calibra

Böser Blick zu guten Preisen

Opel Calibra Foto: Opel 11 Bilder

Mit dem Calibra brachte Opel vor 30 Jahren ein ebenso schickes wie erschwingliches Coupé auf den Markt. Rekordverdächtige Verkaufszahlen zogen zahlreiche Nachahmer bei der Konkurrenz nach sich. Alles zum Klassiker!

„Wahnsinn, dieser Weltmeister aus dem Windkanal“, schrieb die Fachpresse zur Premiere des neuen Sportcoupés Opel Calibra auf der IAA Frankfurt 1989. Enthüllt wurde der Manta-Nachfolger durch die Tennis-Königin Steffi Graf, die mit den Worten zitiert wurde: „Das schönste Auto überhaupt“. Vielleicht eine spontane Referenz an Wayne K. Cherry und Erhard Schnell, die Designer des neuen sportlichen Imageträgers von Opel. Immerhin hatte Schnell als Schöpfer des legendären Opel GT und stilistischer Vater des Opel Manta bereits zweimal bewiesen, in welchen Linien Publikumslieblinge mit Bestsellerpotential gezeichnet werden müssen. Und genau diese Faszination vermittelten auch die flachen, direkt aus dem Windkanal kommenden Formen des Opel Calibra, der mit dem cw-Bestwert 0,26 beeindruckte.

Erschwingliche Vierzylinder genügten dem viersitzigen Stromlinien-Sportler bereits für Fahrleistungen auf Oberklasse-Niveau, beste Voraussetzungen um männliche Coupé-Fans und junge Familien zu begeistern. Tatsächlich überstieg die Calibra-Nachfrage rasch die Rüsselsheimer Produktionskapazität und so musste Valmet in Finnland aushelfen. Als dann auch noch zuteilungsreife Kaufverträge für den Calibra auf dem Schwarzmarkt mit Aufpreisen gehandelt wurden, reagierte die Konkurrenz rasch. So konterte Ford mit dem eilig aus USA geholten Coupé Probe während der altgediente VW Scirocco länger als geplant parallel zum Corrado im Programm blieb. Dennoch blieb es ein kurzer Hype, den der Calibra entfachte: Als der Opel 1997 in den Ruhestand fuhr, bekam ein Calibra II keine Chance.

Wie sich die Zeiten wandeln: Automobile Lifestyleattribute mit Nutzwert für Familie und Freizeitaktivitäten, das sind heute vor allem kompakte Crossover. Vor 30 Jahren gelang es dagegen der Coupé-Fraktion ein letztes Mal, die Massen zu begeistern. Fast schien es als würde der heiße Spätsommer 1989 eine Neuauflage des langjährigen Duells Opel Manta versus Ford Capri erfahren – nur dass die Protagonisten nun andere Namen trugen. Der Opel Manta mutierte zum Calibra, ein vom populären Modellnamen-Entwickler Manfred Gotta kreiertes Kunstwort, aber der leere Platz des längst verblichenen Ford Capri wurde zunächst durch andere Marken ausgefüllt wie VW Corrado, Audi Coupé sowie viele Asiaten von Honda Prelude über Nissan 200 SX bis zum Toyota Celica.

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Am 9. Juni 1990 erlebt der Calibra seinen Verkaufsstart in Deutschland mit zwei Motoren und Antriebskonzepten.

Absoluter Superstar in dieser neuen Sportschau blieb jedoch der 4,49 Meter lange Opel Calibra, ein Hingucker mit klassischen Zutaten wie gestreckter Motorhaube, niedriger Dachlinie und schnell aussehendem Schrägheck. Inklusive 110 kW/150 PS leistendem und 223 km/h schnellem Basis-Vierzylinder für die kleinere Geldbörse oder als kostspieligerer Porsche-Herausforderer mit Turbo, Allrad und schließlich sogar V6. Auch die Nachhaltigkeit – neues Thema in den 1980ern - wurde großgeschrieben und deshalb gab es den Calibra fürs grüne Gewissen serienmäßig mit geregeltem Katalysator und vor allem mit mehr Recyclingwerkstoffen als bei der Konkurrenz.

Die Türen der Opel-Händler rannten die Calibra-Fans freilich wegen der flotten Form und dem Turbo-Image des Coupés fast ein. Die lange Wartezeit vom IAA-Debüt bis zum Marktstart im Frühsommer 1990 hatte zu einem Ansturm geführt, wie er heute um limitierte Hypersportwagen tobt. Im Rückblick klingt es fast unglaublich: Die Massenmarke Opel entfaltete damals eine Zugkraft, die Konkurrenten neidisch werden ließ, weshalb die Kölner Capri-Erfinder nun flink den im US-Werk Flat Rock produzierten dreitürigen Probe importierten. Allerdings fehlte es diesem US-Ford mit Mazda-Turbomotor an Charisma, um gegen den Calibra zu bestehen. Nicht einmal das 1994 von Pininfarina spektakulär gezeichnete Coupé Fiat konnte dem Calibra kontra geben, der seine Klasse in Europa über Jahre unangefochten dominierte und andere dynamische Zweitürer nachzog wie Mazda MX-3 und MX-6, Hyundai S-Coupé oder Rover 200 Coupé.

Mit fast 240.000 verkauften Einheiten übertraf der erfolgsverwöhnte Heckklappen-Opel das Volumen des VW Corrado um mehr als das Doppelte und die Zahlen des Coupé Fiat sogar um das Dreifache. Die Stückzahlen seines legendären Vorbilds Manta konnte der Calibra trotzdem nicht wiederholen. Tatsächlich neigte sich die Ära der Familiencoupés in den 1990er Jahren dem Ende entgegen, der als Turbo fast 250 km/h schnelle Calibra zündete das Abschlussfeuerwerk. Außerhalb Europas gelang das übrigens schon weniger gut, denn mit Holden-Logo in Australien, Chevrolet-Signet in Südafrika oder als Vauxhall fand sich das Opel-Coupé nur in der Rolle des Statisten auf einem Sportplatz, der nun vor allem schnelle Limousinen mit bösem Blick anzog. Auch diese Lichtleisten, kalt, klar und strahlend hell, hatte der Calibra mit seinen schmalen Scheinwerferschlitzen etabliert – und zugleich die Totenglocke geläutet für die bis dahin verbreiteten Klappscheinwerfer als dramatische Insignie schneller Sportwagen.

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Der Calibra begeisterte männliche Coupé-Fans und junge Familien.

Bereits bei seinem Debüt stahl der technisch vom Mittelklassemodell Vectra abgeleitete Calibra dem ersten deutschen V12-Coupé der Nachkriegszeit die Show. Allerdings nicht, weil der BMW 850i noch Klappscheinwerfer trug, sondern weil der preiswerte Calibra dem elitären Zwölfzylinder aus einigen Perspektiven überraschend ähnelte.

Für Furore sorgte der Calibra auch in den Schauräumen der Opel Händler, denn dort überraschte der Volkssportler mit einer Fülle an Antrieben, die in dieser Vielfalt bei keinem anderen Coupé zur Wahl standen. Gab es die meisten Calibra-Rivalen nur mit ein oder zwei Motorisierungen, stand das Rüsselsheimer Coupé mit fünf verschiedenen Vier- und Sechszylindern und wahlweise sogar mit 4x4-Antrieb im Angebot. Hinzu kam eine regelmäßig erneuerte Palette limitierter Sondermodelle, die den Dynamiker im Gespräch halten sollten.

Nur ein von Cabriospezialist Valmet in Finnland umgesetzter offener Calibra schaffte es nicht in die Serienfertigung. Gleiches galt 1997 für den Calibra II, der die Nachfolge des cw-Weltmeisters antreten sollte, aber im Opel Museums verschwand. Die Zeit der Mittelklasse-Coupés war vorüber, befand Opel – und lancierte die kleinen, glanzloseren Typen Tigra und Astra Coupé.

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Manuel Reuter fuhr im 500 PS starken Calibra V6 4x4 beim Rennen in Donington Park einen bemerkenswerten Sieg ein.
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