30 Jahre VW Transporter T4

Bulli reloaded

VW T4 Foto: VW 11 Bilder

Frontmotor, Allradantrieb, viel Temperament und Nutzwert: Mit dem T4 erfand Volkswagen den Bulli neu.

Der vor 30 Jahren vorgestellte VW T4 brach mit allem, was Firmen, Familien und Aktivisten am populärsten deutschen Transporter der Nachkriegszeit liebten. Selbst VW-Konzernchef Carl Hahn fiel die Abkehr vom legendären Heckmotor schwer. Aber der Wettbewerb besonders durch Ford Transit und die Mercedes Vans verlangte ein Umdenken. Heraus kam das Konzept mit Frontmotor und Vorderradantrieb, zwei Radständen, drei Nutzlastklassen, Vier- bis Sechszylindermotoren, optionalem Allrad und über 20 Karosseriekonzepten. Rund zwei Millionen Volkswagen T4 später war klar: Die Idee kam an.

Der T4 ist die weltweit beliebte deutsche Ikone unter den Kleintransportern, denn der liebevoll Bulli genannte Volkswagen Transporter brachte ab 1950 zuerst Behörden, Handwerk und Familien in der Bundesrepublik in Fahrt und dann alle fünf Kontinente. Nicht zu vergessen seine Rolle als Vorreiter der Freizeitfahrzeuge und als populäres Symbol der Hippie- und Flowerpower-Generation.

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Der California war als Reise- und Abenteuermobil beliebt.

Das alles als käferbasierte Konstruktion und bis zur dritten Generation mit dem Sound der Boxermotoren. Aber 1990 drängten Ford, Mercedes, Fiat, Renault, Peugeot und Citroen mit immer breiteren Transporter-Programmen auf den Markt. Mit dem T4 hielt VW dagegen. Mit Innovationen wie Einzelradaufhängung rundum, erhöhter passiver Sicherheit dank längerem Vorderwagen, kräftigen Motoren und einem konkurrenzlos dichtem Geflecht von Karosserie- und Ausstattungsvarianten bis zur Klimaanlage.

Während sich Bundeskanzler Helmut Kohl über das vermeintliche Phänomen der Freizeitgesellschaft erregte und als Dienstwagen eine Mercedes-Benz S-Klasse präferierte, erfand Volkswagen den California neu als frisches Universalgenie für Fernwehsüchtige und den Caravelle für Firmenbosse, die Luxus ohne Stern goutierten. Vor allem die ab Modelljahr 1996 verfügbaren temperamentvollen Fünfzylinder-TDI-Diesel-Direkteinspritzer und ein bis zu 204 aufbietender VR6-Benziner mit 204 PS sicherten dem bis dahin eher betulichen Bulli die Überholspur. Als erster europäischer Transporter kratzte der T4 an der 200-km/h-Schallmauer, damals ein von Vmax-Fetischisten beachteter Bestwert.

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Auch Allradantrieb ist im T4 zu haben.

Als agiler und komfortabler Caravelle VR6 deklassierte der VW in Vergleichstests sogar neu entwickelte Vans wie die 1996 lancierte Mercedes V-Klasse. Aber es ging noch mehr, wie das lederausgekleidete Büromobil VW Caravelle Business zeigte, das inklusive moderner Kommunikationseinrichtungen und Komfortfeatures knapp 120.000 Mark brutto kostete und damit auf Mercedes S-Klasse-Niveau unterwegs war. Auch das motorisierte Ferienapartment California konnte auf Wunsch als luxuriöser Zweitwohnsitz ausstaffiert werden, dies wie andere T4 optional mit langem Radstand und Allradantrieb. Insgesamt lieferte Westfalia bis 2003 rund 39.000 California aus, mit variablem Aufstelldach oder feudalem Hochdach inklusive Alkoven, mit bravem "Berliner" Grundriss – also Küche und Schrankblock gegenüber der Schiebetür – oder als kultiges Sondermodell – lange Lebenserwartung immer inklusive. Davon zeugen die vielen bis heute überlebenden California, die nun die Chance auf Zuteilung eines amtlichen H-Kennzeichens für mindestens 30 Jahr alte Fahrzeuge bekommen.

40 Jahre VW Transporter T3
Beliebter Allrounder fürs harte Gewerbe

Aber auch die Reisemobile von Karmann und das rare Konferenzmobil Kamei ClubVan festigten den Nimbus des T4, nicht zu vergessen der familienfreundliche Multivan, der als Sondermodell "Last Edition" im Modelljahr 2003 das Ende dieser Bulli-Generation einleiten durfte. Das Hauptgeschäft machten aber auch beim T4 die Nutzfahrzeugvarianten aus. Ob bei Polizei, Bundeswehr oder auf Baustellen und Wochenmärkten, bei Kurierdiensten oder Handwerksbetrieben, der T4 verrichtete in fast zahllosen Spezifikationen seinen Dienst. Schließlich gab es ihn vom geschlossenen Kasten für kleines Geld bis zur geräumigen Doka als Kipper oder als Fahrgestell mit Kabine und Platz für maßgefertigte Aufbauten. Inklusive eines sogenannten Happy Face, das den VW ab 1996 schmückte. Gemeint war ein Kühlergrill, dessen untere Ecken sich nach oben heben sollten wie die Mundwinkel eines glücklichen Menschen. Tatsächlich ließ der erfolgreiche vierte Bulli den ernsten Kühlergesichtern des Wettbewerbs keine Gelegenheit zum Grinsen, weshalb er auch stolze 14 Jahre in Produktion blieb, länger als alle anderen VW-Transporter. Nur eins gelang dem neu gedachten T4 nicht: den Kultstatus seiner Vorgänger zu toppen.

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Bye bye Bulli
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