50 Jahre Mini Clubman

Mini mit maxi Beladung

Mini Clubman Foto: BMW 9 Bilder

1969 machte der Clubman den Mini zum vollwertigen Firmenwagen. Mittlerweile hat sich viel getan und auch der Clubman ist nicht mehr wirklich mini.

Vor 50 Jahren feierte sich Swinging London als Epizentrum der Mode- und Popwelt der Sixties. Modemacherin Mary Quant ließ den Minirock zum Micro-Mini schrumpfen und die British Leyland Motor Corporation zeigte ihren alternden Millionenseller Mini in provozierend chrom-glänzender Couture fürs kommende Jahrzehnt. Clubman nannte sich diese neue Topversion des kultigen Cityflitzers, inszeniert wurde sie vom früheren Ford-Designer Roy D. Haynes in opulenter Form. Aber anstelle des von der Fachwelt erwarteten Fließheckmodells mit praktischer, großer Klappe blieb der Mini Clubman ein zweitüriger Saloon mit winziger Kofferraumraum-Öffnung.

Die Kasse des finanziell maladen BLMC-Konzerns gab gerade genug Geld her für einen um zwölf Zentimeter verlängerten Vorderwagen, klotzige Chromnase und aufgewertetes Interieur. So sparte sich die BLMC eine fällige Vertragsverlängerung mit dem PS-Virtuosen John Cooper. Ach ja, wer unbedingt ein Ladeabteil mit Türen wollte, fand beim Mini Clubman Estate eine Lösung - und den Vorläufer des heutigen, gleichnamigen geräumigen Lifestyle-Kombis. Kult wurde der Ur-Clubman trotzdem und zwar als Favorit für alle, denen konventionelle Minis zu beliebig und Kleinwagen wie Ford Escort zu spießig waren.

Mini Clubman Foto: BMW
Der Mini 1275 GT im Clubman-Dress war für den Herzklopf-Faktor zuständig.

Die Fans der kleinen Klasse mochten den neuen Clubman aber auch, weil er moderner war als der klassische Mini von 1959. Zehn Jahre waren seitdem vergangen, in denen sich der Mini kaum veränderte. 1969 war also erst ein Facelift gefragt und so präsentierte sich der Mini als Clubman mit selbstbewusster, langgestreckter Front in rechteckigen Konturen. Der Clubman kam als zusätzliches Modell auf den Markt, rangierte trotz identischer 1,0-Liter-Vierzylinder mit mageren 36 PS in der Hierarchie über den vertrauten Mini 1000 und war als Saloon und Estate genanntem Kombi erhältlich. Innen überraschte er mit voluminös gepolsterten Sitzen, zentral vor dem Fahrer platzierten Armaturen und komfortabler Kurbel- statt Schiebefenstern.

Betuliche 36 oder rassige 59 PS

Das BLMC-Marketing feierte den Mini Clubman als "größte Erfindung seit dem Rad", "Botschafter einer neuen Automobilkultur" und auf der Kinoleinwand als "wahren Sieger der Luftschlacht um England" (wobei ein Ford die Rolle der deutschen Feinde übernahm). Viel Lärm um nicht mehr als eine verlängerte Blechnase, meinten manche Motorjournalisten, und besonders das mangelhafte Temperament des schwereren Clubman gegenüber dem bereits betulichen Mini 1000 wurde nun offen kritisiert. Gerade einmal 117 bis 120 km/h Spitze lief der Clubman, knapp so schnell wie die Zweizylinder-Zwerge NSU Prinz oder Citroen Ami. Preislich befand sich der Mini Clubman dagegen auf einem Niveau mit größeren Modellen wie Ford Escort, Opel Kadett oder auch Fiat 128, dessen muntere 55 PS den Italiener auf flotte 140 km/h beschleunigten. Allerdings hatte auch die BLMC noch ein Ass im Ärmel, wie der Werbeslogan "You don’t need a big one to be happy" ("Du brauchst keinen Großen zum Glücklichsein") ankündigte: den Mini 1275 GT.

Mini Clubman Foto: BMW
Der verlängerte Motorraum im 1275 GT ließ dem Tuninggewerbe viel Spielraum.

Der bis zu 59 PS starke Vierzylinder aus den größeren Austin/Morris 1300 GT trieb diesen Mini GT im Clubman-Look – aber mit zusätzlichen zeitgeistigen Rallyestreifen – in knapp 14 Sekunden auf 100 km/h und überhaupt zu Fahrleistungen, die sich fast mit Giftzwergen à la Fiat-Abarth oder Mini Cooper messen konnten. Zumal der verlängerte Motorraum im 1275 GT dem Tuninggewerbe viel Spielraum ließ. Das war bitter nötig, denn ab 1971 beendete BLMC die Kooperation mit John Cooper und setzte auf neue Wettbewerbsfahrzeuge wie den Triumph Dolomite Sprint. Aber auch der Mini 1275 GT erntete noch motorsportliche Lorbeeren. Kurz vor Ende seiner Karriere – der nachfolgende Mini Metro machte sich schon startklar – bewies sich der Racing-Clubman 1978 und 1979 unter Richard Longman als unschlagbarer Champion der britischen Tourenwagen-Meisterschaft.

Statt des verwirrenden Vertriebs unter Austin-, Morris-, Riley- und Wolseley-Signets wurde Mini 1969 eine eigenständige Marke. Der richtige Schritt, um aus dem bisherigen Modellnamen Mini eine Marke von solchem Wert zu machen, dass sie sogar den Untergang zuerst des BLMC- und dann des Rover-Imperiums überlebte.

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