App für E-Auto-Interessenten

Bereit fürs Elektro-Auto?

BMW i3 Ladesäule Foto: Joel Micah Miller

Eine App von EnBW soll Mitarbeitern die Reichweitenangst nehmen. Sie zeigt, ob sie ihre Strecken auch mit einem E-Auto bewältigen ­können. firmenauto macht den Selbstversuch.

Sollen sie oder sollen sie nicht? Viele Mitarbeiter sind verunsichert, ob sie sich ein Elektroauto als Geschäftswagen anschaffen sollen. Denn nicht nur Preis, Ausstattung und Design beeinflussen die Entscheidung. Vor allem stellt sich die Frage, ob sich ein E-Auto für den Weg zur Arbeit, für Dienstreisen und Privatfahrten überhaupt eignet. Jetzt kann ihnen eine App bei der Entscheidung helfen. Das Fahrsimulationstool EnBW Mobility+ soll Fuhrparkleiter dabei unterstützen, Mitarbeitern die Reichweitenangst zu nehmen.

Wir ließen die App von vier Kollegen testen, die alle noch mit Diesel oder Benzinern unterwegs sind. Sie sollten herausfinden, ob auch für sie ein E-Auto infrage kommt, sowohl auf Langstrecke als auch den kürzeren Wegen zur Arbeit. Dazu zeichnet die App per GPS alle Strecken auf. Aber sie berücksichtigt auch die Privatsphäre: Der Nutzer kann die Aufzeichnung jederzeit unterbrechen. Eine Halterung braucht man nicht, das Telefon bleibt in der Jackentasche.

Alle E-Autos in Datenbank

Doch vorher muss der Nutzer ein Wunschmodell aus der integrierten Datenbank auswählen. Dort sind alle E-Autos hinterlegt. Nachdem die Fahrt erfasst ist, wertet die App alle Fahrdaten aus: Datum, Fahrtdauer und zurückgelegte Strecke. Außerdem zeigt sie Statistiken über Reichweite, Füllstand, Tempo und Energieverbrauch. Und sie überprüft, ob das ausgewählte E-Auto zum eigenen Streckenprofil passt.

Der Abgleich ist allerdings nicht auf ein einzelnes E-Auto beschränkt. Die Tester können die Statistiken mit allen Elektroautos in der Datenbank abgleichen. So sehen sie, welches Modell prozentual am besten ihrem Fahrprofil entspricht. Zusätzlich können die Kollegen nach den Kategorien Umwelt, Zeit und Kosten sortieren.

enBW Mobility App Foto: enBW
Die App EnBW Mobility+ gibt es kostenlos für iOS und für Google Android.

Das Ergebnis überrascht nicht. Alle Kollegen könnten problemlos umsteigen. Kollege Jan Grobosch beispielsweise pendelt jeden Tag 60 Kilometer zur Arbeit. Dass er im Verlagsgebäude nicht laden kann, ist kein Problem. Die Strecke schafft jedes E-Auto, selbst im Winter, wenn die Heizung kräftig Strom zieht. Matthias Rathmann wiederum fühlt sich nur bestätigt. Er hatte längst beschlossen: Sein nächstes Auto fährt elektrisch. Dass er sich dann tatsächlich für seinen Traumwagen entscheidet, ist zwar eher unwahrscheinlich. Der Tesla Model X kostet mindestens 75.000 Euro. Aber Tesla hat mit dem Model 3 bereits eine bezahlbare Alternative angekündigt.

Die App richtet sich auch an jeden, der bereits ein E-Auto besitzt. "Man kann damit über 16.000 Ladepunkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden", sagt Christoph Ulusoy, Leiter digitale E-Mobilitätsprodukte bei EnBW. Zusätzlich zu den Stromtankstellen der EnBW sind auf der interaktiven Ladestationskarte auch die Tankstellen der Roaming-Partner eingetragen. "Bald funktioniert die Ladestation-Suche genauso in Belgien, Luxemburg, Tschechien und Frankreich", verspricht Ulusoy.

Der Nutzer kann die Suche nicht nur nach Steckertyp und Ladeleistung filtern. Der Ladestation-Finder liefert gleichfalls Infos zu Öffnungszeiten sowie zu aktuellen Preisen. Kennt man sich in der Umgebung nicht aus, navigiert die App den Nutzer zum Stromanschluss. Oft genutzte Ladestationen kann man als Favoriten abspeichern.

Die neueste Funktion der Anwendung: Ladevorgänge via App bezahlen. Dabei ist zukünftig keine Ladekarte mehr nötig. Nach der Registrierung löst der Nutzer entweder einen Guthaben-Code ein oder er bezahlt per Kreditkarte. "Zukünftig möchten wir unseren Kunden anbieten, Ladeguthaben beim Einzelhändler zu kaufen. Mit einem Code auf dem Kassenbon kann das Guthaben nach dem Einkauf eingelöst werden", sagt Ulusoy.

Die Meinungen der Tester

Jana Bronsch-Chassard GF-Redakteurin:

"Für mein Streckenprofil würden sich fast alle Fahrzeuge der Datenbank eignen. Den BMW i8 finde ich sensationell. Allerdings wäre der BMW i3 die realistischere Alternative als Stadtflitzer. Der hohe Anschaffungspreis und die fehlende Lademöglichkeit in unserer Sammelgarage halten mich aber immer noch vom Kauf ab."

Jan Grobosch Produktman. digitale Medien:

"Ich weiß jetzt, dass ich meine Fahrten auch mit einem Elektroauto meistern könnte. Die App empfiehlt mir Fahrzeuge von Tesla oder Mercedes und trifft damit genau meinen Geschmack. Ich wäre sofort bereit ­umzusteigen. Allerdings sind mir die Autos immer noch viel zu teuer."

Frank Haug Leiter Medienproduktion:

"Der Fahrsimulator zeigt mir, dass sogar mehrere Elektro­autos zu meinem Fahrprofil ­passen. Ein schnittiger Jaguar würde mir gut gefallen. Trotzdem bin ich noch nicht bereit, aufs E-Auto umzu­stei­gen. Die Anschaffungskosten sind zu hoch und die Lademöglichkeiten noch zu eingeschränkt."

Matthias Rathmann Chefredakteur trans aktuell:

"Bereit zum Umstieg auf ein E-Auto war ich schon, bevor ich die App getestet habe. Das nächste wird ein E-Auto. Entscheidend für mich ist vor allem eine hohe Reichweite. Die App schlägt mir unter anderem einen BMW i3 vor. Der würde meine Fahrten zur Arbeit schon abdecken, ist aber nicht mein Fahrzeugtyp."

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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