Assistenzsysteme in Autos Regelmäßige Kontrolle ist nötig

BAS Foto: Achim Hartmann Achim Hartmann

Eine Studie zeigt: Assistenzsysteme müssen regelmäßig gewartet und überprüft werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass sie zuverlässig funktionieren.

Ohne Fahrerassistenten scheint Autofahren heute kaum noch denkbar. Ob als Lichtassistent, als Abstandsregler, Hilfe beim Spurhalten oder -wechseln, als Parkassistent oder Müdigkeitswarner – es gibt einige elektronische Systeme, die den Fahrer bei seinen Aufgaben im Auto unterstützen und die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen. Experten sind sich sicher, dass Fahrerassistenzsysteme die Verkehrssicherheit erhöhen und sogar Leben retten können – vorausgesetzt, die Funktionsfähigkeit bleibt während ihrer gesamten Lebensdauer uneingeschränkt bestehen. Ob das jedoch tatsächlich der Fall ist, muss noch geklärt werden. Denn Experten wissen noch zu wenig darüber, wie Unfälle, fehlerhafte Reparaturen oder Verschleiß die Funktion der Assistenten beeinflussen.

Erste Erkenntnisse liefert eine Studie des TÜV Rheinland und des privaten Beratungs- und Forschungsunternehmens Transport Research Laboratory (TRL). Gemeinsam untersuchten sie am Beispiel von Spurhalteassistenzsystemen, wie sich Verschleiß, Schäden der Windschutzscheibe im Bereich der Kamera, Unfälle und eine fehlende Kalibrierung der Kameras beim Austausch von Windschutzscheiben auf das System auswirken. Die Untersuchung bestand einerseits aus einem Praxistest, für den ein präpariertes Fahrzeug auf eine Teststrecke in Ungarn geschickt wurde. Andererseits stellten die Prüfer für die Studie aktuelle Erkenntnisse von Fachleuten zusammen.

Skoda Superb 2020 Foto: -
Moderne Autos wie der Skoda Superb scannen per Radar und Kamera ihre Umgebung. Wenn die Systeme richtig kalibriert sind und einwandfrei funktionieren, können sie im Notfall Leben retten.

Die Experten von TÜV und TRL wollten wissen, wie sich der modifizierte Wagen in Kurven und auf Geraden verhält, und simulierten hierfür verschiedene Szenarien – beispielsweise Steinschläge in der Windschutzscheibe oder eine Unterbrechung der Datenleitung des Fahrzeugs während der Fahrt. Bei Ersterem schaltete sich der Assistent entweder ohne Vorwarnung ab oder aber der Pkw überfuhr eine Fahrbahnmarkierung, ohne den Fahrer zu warnen. Wurde die Datenleitung im Auto unterbrochen, deaktivierte sich der Assistent sofort und das Lenkrad bewegte sich abrupt zurück – eine Situation, die den Fahrer überraschen und sehr irritieren kann. "Die zunehmende Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen führt dazu, dass wir uns immer mehr auf sie verlassen. Das passiert unbewusst – auch wenn uns die Systeme eigentlich nur entlasten sollen und die Verantwortung immer bei uns als Fahrerin oder Fahrer verbleibt", sagt Rico Barth, globaler Leiter des Kompetenzbereichs vernetztes und automatisiertes Fahren beim TÜV Rheinland. Dr. Matthias Schubert, Executive Vice President Mobilität beim TÜV Rheinland, ergänzt: "Wir wissen nun, unter welchen Umständen Spurhaltesysteme möglicherweise nur noch eingeschränkt funktionieren und welche Folgen das für die Sicherheit auf den Straßen haben kann."

EU Vorschriften 2024 Foto: TRL (Schätzung)/etm

Solche Systemfehler, die zu schlechteren Leistungen führen, definiert der TÜV als sogenanntes Risikoereignis. Ein solches kann unter anderem auftreten, wenn wie in diesem Fall ein gealtertes Spurhalteassistenzsystem nicht mehr richtig funktioniert und sich abschaltet, weil die Windschutzscheibe beschädigt und damit die Kamera des Assistenten defekt ist. Die Prüfer haben ermittelt, dass durch Fehlfunktionen der Assistenzsysteme jährlich bis zu 2,3 Millionen Risiko­ereignisse auftreten können. Verhindern könnten dies nur regelmäßige technische Kontrollen und Wartungen der Assistenten. Nur so könnten Fehlfunktionen rechtzeitig erkannt und behoben werden.

Auch Dekra sieht technische Kontrollen von Fahrerassistenten als unerlässlich an, insbesondere nach Unfällen. "Es ist auf jeden Fall wichtig, im Zuge der Instandsetzung von Unfallschäden die Funktion der relevanten Systeme zu überprüfen beziehungsweise die Sensorik zu rekalibrieren. Ansonsten besteht tatsächlich die Gefahr, dass die Systeme ihren Zweck nicht mehr erfüllen können", sagt Wolfgang Sigloch, Pressesprecher Automobil.

Grundsätzlich hätten Assistenzsysteme aus Sicht von Dekra großes Potenzial, die Verkehrssicherheit zu verbessern. "Es überwiegen bei Weitem die Risiken, die etwa durch Fehlbedienung oder Überforderung entstehen können. Um dieses Sicherheitspotenzial auszuschöpfen, müssen die Systeme aber natürlich über den gesamten Nutzungszyklus des Fahrzeugs hinweg zuverlässig funktionieren. Dies muss im Rahmen der Hauptuntersuchung geprüft werden können", sagt Sigloch. Gemeinsam mit der Fahrzeug-Systemdaten GmbH, die unter anderem für die Weiterentwicklung von Prüfmethoden gegründet wurde, arbeitet Dekra daran, das für die Zukunft möglich zu machen.

Werkstatt 2021 Foto: Carglass
Solche Steinschläge können problemlos repariert werden. Sobald sie jedoch im Sichtfeld der Kamera für Assistenzsysteme entstehen, ist ein Austausch der Scheibe notwendig.

Im eigenen Technology Center am Standort Klettwitz in der Nähe von Cottbus prüft das Unternehmen automatisierte und vernetzte Fahrzeugtechnologien. Eigene Versuche vergleichbarer Art, wie sie der TÜV nun durchgeführt hat, haben die Experten vor Ort zwar nicht gemacht. Grundsätzlich sei es aber keine Überraschung, "dass Assistenzsysteme, wenn sie verändert oder manipuliert werden, nicht mehr so funktionieren, wie sie sollen", berichtet Sigloch. Beim Thema Steinschlag verweist der Sprecher auf zwei Aspekte: Einerseits könne ein Steinschlag im Bereich des Kamerasystems die Funktion verschiedener Assistenten beeinträchtigen. Andererseits sei es unerlässlich, dass etwa nach dem Wechsel einer Windschutzscheibe das Kamerasystem neu kalibriert werde.

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Nach Ansicht von Dekra sollten sich Autofahrer auch unbedingt dessen bewusst sein, dass es sich bei Assistenzsystemen – wie der Name schon sagt – um Hilfsmittel handelt. Sigloch: "Assistenzsysteme unterstützen beim Fahren, indem sie warnen und je nach System gegebenenfalls auch aktiv eingreifen." Dennoch seien die Systeme heute noch nicht so weit, dass Fahrer sich blind auf sie verlassen könnten – auch wenn einzelne Hersteller einen anderen Eindruck erweckten.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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