Dacia Jogger Fahrbericht Macht Sitz - macht Platz

DACIA JOGGER (RJI) Foto: Dacia 14 Bilder

Dacia ersetzt die Raumkünstler Dokker und Lodgy durch ein Crossover-Modell mit sieben Sitzen. Der günstige Dacia Jogger kommt mit Autogasantrieb statt Diesel und wird 2023 das erste Hybrid-Modell der Marke.

Die Philosophie von Renaults Günstig-Tochter ist ganz einfach. Und das im Wortsinn: Mögen die anderen nach was auch immer streben, bei Dacia zählt allein der Preis. So halten es die Rumänen auch bei ihrem Eintritt ins C-Segment. Der Jogger, ein 4,55 Meter langer Kombi im Offroad-Look, wartet ab März mit bis zu sieben Sitzplätzen auf und ersetzt sowohl den Logan MCV wie den Dokker. Ab erschwinglichen 11.756 Euro (alle Preise netto). Sage keiner, ein Firmenwagen müsse unbedingt teuer sein.

Billig heißt in diesem Fall obendrein kein bisschen bieder. Schmuck steht der Neue da: die Nase stolz hochgereckt, die Achsen weit gespreizt – und mit schwarz beplankten Backen und 20 Zentimeter Luft nach unten regelrecht abenteuerlustig. Zumindest optisch. Über Stöckchen und Steinchen reicht’s dicke, für ganz neben der Spur indes fehlt der Allradantrieb. Aus gutem Grund: Getriebene Räder wiegen halt nicht nur extra, sie kosten auch. Und zwar Geld und Sprit.

DACIA JOGGER (RJI) Foto: Dacia
Schmuck steht der Neue da.

Apropos Sprit: Diesel ist ausgelaufen, der Hybridantrieb noch nicht da. Hat auch Zeit, glaubt man bei Dacia. Es gebe nun mal einen deutlichen Unterschied zwischen dem, was die Leute in Umfragen wünschen und wieviel sie beim Händler zu zahlen bereit sind.

Die Hybridtechnik ist aus Clio und Captur verfügbar, kommen wird die Akku-Unterstützung aber erst 2023. Und eine Version mit Stecker nur, wenn die Kunden ausdrücklich danach verlangen. Oder die EU-Normen zu drückend werden. Bis dahin gilt: Gas ist fast so gut wie Strom, bloß billiger.

Und so umfasst das Motoren-Angebot für den Jogger zum Marktstart zwei zwangsbeatmete Dreizylinder mit einem Liter Hubraum. Der reine Benziner leistet als Direkteinspritzer 110 PS, die auf Flüssiggas ausgelegte Variante mit Saugrohrfüllung 101. Neben dem 50-Liter-Benzintank verfügt sie in der Reserveradmulde über ein LPG-Reservoir mit 40 Litern. In Kombination verspricht Dacia Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometer. Das ist schon eine Ansage. Auch beim Preis: Den bivalenten Jogger bietet Dacia 420 Euro unter dem Benziner an. Erhoffter Verkaufsanteil: gut ein Drittel. So kann man seine CO2-Flottenemissionen auch senken.

Die nicht nach Überfluss klingende, bei bloß 1.200 Kilo Leergewicht aber sehr auskömmliche Leistung erreicht die Vorderräder über ein bis zur fünften Welle gut gestuftes Schaltgetriebe. Der sechste Gang ist der Höchstgeschwindigkeit wegen ein bisschen sehr lang ausgefallen. Und eine Automatik als Alternative wäre selbstredend zu kostspielig. Sei’s drum: Das Rühren im Räderwerk hat wegen der exakten Wege durchaus seinen Reiz. In diesen Seilen hängt man gerne.

DACIA JOGGER (RJI) Foto: Dacia
Das Cockpit des Jogger hat Dacia vom Schwestermodell Sandero Stepway übernommen.

Trotzdem darf man in Sachen Vortrieb keine Wunder erwarten. Wer den Jogger zum Sprint zwingt, kommt dennoch in 10,5 Sekunden auf Tempo 100 und mit viel Anlauf rauf bis 183. Mit dem Normwert von 5,7 Litern ist es dann zwar Essig, 6,3 indes lassen sich bei zahmer Fahrt durchaus schaffen. Wichtig für Sparfüchse: In der LPG-Version spürt man in der Tat kaum Minderleistung. Dass der Standardspurt zwei Sekunden länger dauert, und dem Gasbrenner bei 175 die Puste ausgeht – geschenkt. Im Gegenzug gibt’s das gute Gefühl von gut zehn Prozent weniger CO2 pro Kilometer. Maximalpuls ist ohnehin nicht des Joggers Kernkompetenz.

Raum hingegen schon. Bei 4,55 Meter Länge, 2,90 Meter Radstand und 1,63 Meter Höhe finden fünf Personen komfortabel Platz. Auf Wunsch lässt sich für 672 Euro Aufpreis eine dritte Reihe mit zwei Einzelsitzen ordern. Die lässt sich klappen und mit nur zehn Kilo einem Koffer gleich rein und raus heben. Zugegeben: V, für ein paar Kilometer jedoch kommen auch Normwüchsige klar. Selbst beengt gefahren ist ja allemal besser als luftig gelaufen…

Wer lieber Lasten transportiert statt Leute: Hinter sieben Sitzen packt der Jogger noch 160 Liter weg, hinter fünfen bis zu 607, und umgeklappt hinter zweien finden gut 1,8 Kubikmeter Platz. Bei zwei Metern nicht ganz ebener Ladefläche darf’s dabei ruhig mal was Sperriges sein, auch wegen der moderaten Ladekante von 66 Zentimetern. Elastische Gurte und vier Verzurr-Ösen erlauben eine sichere Befestigung, und für Kleinkram finden sich im Innenraum verteilt weitere 24 Liter Stauraum. Allein sieben davon im abschließbaren Handschuhfach. Dazu gibt’s achtern zwei Taschenhaken sowie einen im rechten Fußraum und ab der Ausstattung Extreme ausziehbare Klapptische an den Rückseiten der vorderen Lehnen.

DACIA JOGGER (RJI) Foto: Dacia
Von kleiner Statur ist man ganz hinten deutlich im Vorteil.

Wem all der Platz hinter der breiten Heckklappe nicht reicht – über Kopf wartet der Jogger mit einer Dachreling auf, die nicht nur zum Abenteurer-Look gehört, sondern auch 80 Kilo schultert. Pfiffig: Vom Basismodell abgesehen lassen sich die demontierbaren Längsprofile mit nur vier Schrauben gleich als Querträger einsetzen.

Fahrtechnisch schafft der Jogger einen ordentlichen Kompromiss und schiebt selbst in schnellen Kurven erst sehr spät Richtung Tangente. Etwas härtere Federn ließen sich allerdings durchaus vertreten – und auch die Lenkung dürfte um die Mittelstellung gerne mehr von dem Gefühl vermitteln, dass Volant und Vorderräder miteinander zu tun haben.

Sieht gefällig aus, Umschäumtes indes sucht man im Interieur vergebens. Ein bisschen Textil gibt’s bei höherer Ausstattung – und gut. Andererseits: Für den Alltag taugt’s locker, und irgendwo muss der Kampfpreis ja herkommen. Da ist dann halt in der Grundausstattung das Lenkrad nicht längs verschiebbar und eine Klimaanlage gibt es auch erst eine Stufe höher. Immerhin stehen drei Infotainment-Lösungen zur Wahl: von der Smartphone-Stöpselung über den Acht-Zoll-Touchscreen bis hin zum integrierten Navi.

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Mit drei Motoren Sprit sparen

Überschaubar ist aus Kostengründen die Assistenz. Das Abblendlicht strahlt ab Werk in LED-Technik, im Notfall hilft der Jogger beim Bremsen und auf Wunsch späht er in tote Winkel. Das muss reichen. Wer es gerne komfortabel hat – optional lassen sich Klimaautomatik, Sitzheizung, schlüsselloser Zugang, Einparkhilfe und Rückfahrkamera ordern. Das treibt den Preis aber nicht so sehr wie die Ausstattung „Extreme“ vermuten lässt – und am Ende gibt’s für knapp 15.000 Euro erst recht jede Menge Auto fürs Geld.

Damit das Sparmobil spannend wird, heißt es warten: Im kommenden Jahr wird Dacia das Motorenangebot des Jogger um die erste Hybrid-Version der Marke erweitern. Das System spannt einen 1,6-Liter-Benziner mit zwei E-Motoren, einem Multi-Mode-Getriebe und einem 1,2 kWh-Akku zusammen. Dank hoher Rekuperation sollen im Stadtverkehr bis zu 80 Prozent aller Wege rein elektrisch möglich sein. Aber so lieb muss einem das Klima halt schon sein, dass es einem auch teuer ist.

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