Datenschutz auf Geschäftsreise

Feind hört mit

It Sicherheit Foto: Adobe Stock

Quasselnde Kollegen, ungesicherte Laptops: Auf Dienstreisen können sensible Daten schnell in falsche Hände gelangen. So schützen Sie sich.

Der Speisewagen des ICE von Stuttgart nach Frankfurt ist voll. Jede Menge Herren zwischen 25 und 60 Jahren in grauen und blauen Anzügen, offensichtlich Geschäftsleute, die eine bequeme Bahnfahrt dem Firmenwagen vorziehen. Man frühstückt, plaudert oder arbeitet noch schnell am Laptop an der Präsentation. Wer die Ohren spitzt und die Augen aufmacht, hört und sieht Vertrauliches. So unterhalten sich zwei Mitarbeiter eines Automobil­zulieferers über technische Probleme eines neuen Bauteils, in der Ecke zieht ein Geschäftsmann am Telefon lautstark über eine Kollegin her.

"Das größte Risiko für Unternehmen ist fehlende Achtsamkeit der Mitarbeiter auf Reisen", sagt ­Marcus Beyer, Experte für Informationssicherheit bei dem IT-Beratungsunternehmen DXC. "Es ist erschreckend, welche Interna man als Mitreisender oft mitbekommt."

So werde beispielsweise häufig allzu leichtfertig am Laptop gearbeitet. Wer das ohne Blickschutzfilter macht, lädt seine Nachbarn zum "Shoulder­surfing" ein. Einige Reisende lassen ihr Gerät sogar geöffnet, wenn sie zur Toilette gehen. Mails, Kalkulationen oder Präsentationen sind dann wie ein offenes Buch für jedermann einsehbar. Das macht es Konkurrenten, Hackern und Cyberdieben sehr leicht, Daten abzugreifen. Beyer: "Ich kenne keinen Geschäftsmann, der seinen Firmenwagen unverschlossen auf der Straße abstellt. Also sollte das auch mit der IT funktionieren, mit sensiblen Daten und vertraulichen Infos. Die sind oft noch mehr wert als das Auto."

Laut aktuellen Statistiken verschwinden auf den acht größten Flughäfen Europas jedes Jahr rund 175.000 Laptops. Nicht immer sind Diebe verantwortlich. Oft rutscht ein tragbarer Rechner oder ein Smartphone unbemerkt aus der Tasche, bleibt auf der Sitzbank oder der Straße liegen, bis jemand das Gerät findet und mitnimmt. Ehrliche Finder tragen es zur Polizei oder zum Fundbüro. Aber eben nicht jeder. Auf Ferntouren drohen noch ganz andere Gefahren. In China und Russland beispielsweise werden Telefonate abgehört, massenhaft Daten geklaut.

"Die Sicherheitsrisiken auf Reisen sind riesig", warnt Alexander Schellong von Infodas, einem Unternehmen für Cybersicherheitsberatung und IT-Hochsicherheitsprodukte. Er weiß, wovon er spricht, war selbst beruflich schon in den entlegensten Gegenden der Erde unterwegs. "IT-Mobilität und Vernetzung spielen Cyberkriminellen in die Karten." Schellong lässt seine Mobilgeräte niemals unbeaufsichtigt, empfiehlt Blickschutzfilter gegen allzu Neugierige und Passwörter auf allen Geräten. Außerdem rät er: "Deaktivieren Sie die WLAN-Schnittstelle Ihres Geräts und nutzen Sie bei Bedenken zu der Verbindung ins Internet Ihr Smartphone!"

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Unterwegs übers Geschäft diskutieren? Schon, aber bitte so, dass keiner mithört.

Vorsicht vor Datensticks, die man auf dem Firmenparkplatz oder vor dem Hotelzimmer gefunden hat

Auf dem Bahnhof, am Flughafen in der Lounge oder im Hotel: Überall locken kostenlose Netzwerke zum Einloggen. Aber dort können Hacker spielend eindringen. Deshalb sollte man entweder seinen Router sichern, was schon mit wenigen Klicks geht, oder das öffentliche WLAN ganz meiden. Monetäre Gründe, sie zu nutzen, gibt es sowieso kaum noch. Selbst große Datenmengen, die man sich bei seinem Provider besorgt, kosten kaum noch etwas. Ebenfalls vorsichtig sollte man unterwegs sein, wenn man öffentliche Rechner nutzt, etwa auf einer Konferenz, im Hotel oder Internetcafé. Hier gilt: keine Passwörter von wichtigen Accounts eingeben, nie auf vertrauliche Daten zugreifen. Auf den Rechnern könnte Schadsoftware installiert sein, die Daten oder Passwörter aufzeichnet. Und bevor man einen öffentlichen Rechner wieder verlässt, sollte man den Browserverlauf und Cookies löschen, alle Programme schließen und sich ausloggen.

Ein Ratschlag, den man von Fachleuten für IT-Sicherheit immer wieder hört: Vorsicht vor Datensticks, die man auf dem Firmenparkplatz oder vor dem Hotelzimmer gefunden hat. Auch wenn man sie von jemandem überreicht bekommt, den man nicht bestens kennt, sollte man sie nie ungeprüft in den Rechner stecken.

Bei Reisen nach China empfiehlt Schellong sogar, Einmal-Laptops zu benutzen. Muss unbedingt ein firmeneigener Rechner mitgenommen werden, sollte er von unterwegs keinen oder nur beschränkten Zugriff auf Firmenressourcen wie Datenbanken haben.

Bevor das Gerät zu Hause wieder ans Unternehmensnetz geht, sollte es vom IT-Spezialisten auf Viren und Malware untersucht werden, empfiehlt der Leiter für das Infodas-Auslandsgeschäft. "In China und anderen Ländern gab es Fälle, bei denen Unbefugte die Laptops und Mobiltelefone von Reisenden mit Spyware infizierten." Übrigens: Die Möglichkeit, von seinem Mobiltelefon oder Laptop einen sicheren VPN-Tunnel (Virtual ­Private Network) zu nutzen, wird derzeit durch die Great Firewall of China behindert.

IT-Sicherheits- und -Beratungsfirmen bieten gezielte Trainings zur Datensicherheit auf Reisen an. Marcus Beyer appelliert an die Unternehmen, ihre Belegschaft hinsichtlich der Risiken zu sensibilisieren. "Das muss in Abstimmung mit der jeweiligen Firmenkultur geschehen. So sollten sich Unternehmen überlegen, ob es wirklich wünschenswert ist, dass ihre Manager und Mitarbeiter sieben Tage die Woche vierundzwanzig Stunden erreichbar sind, und ob der Leistungsdruck nicht dazu führt, dass Aspekte der Informationssicherheit auf Reisen vernachlässigt werden", betont er. Beyers Empfehlung: "Statt auf Reisen unentwegt zu arbeiten, lesen Sie doch lieber mal wieder ein gutes Buch!"

So schützen Sie Ihre Daten:

  • Halten Sie Virenschutzsoftware und Firewall auf dem aktuellen Stand.
  • Schützen Sie mobile Geräte mit Passwort, ebenso alle Apps und Daten.
  • Geben Sie keine vertraulichen Daten an öffentlich zugänglichen Computern ein. Verzichten Sie auf Onlinebanking und Onlineeinkäufe in Internetcafés und an öffentlichen Computern.
  • Wenn Sie auf fremden Geräten wichtige Dateien bearbeiten, speichern Sie diese öfter auf externen Datenträgern wie USB-Sticks.
  • Löschen Sie alle Informationen, die Sie auf öffentlich zugänglichen Computern zwischengespeichert haben. Loggen Sie sich aus und löschen Sie den Browserverlauf.
  • Geben Sie Internetadressen immer manuell ein. Oder verwenden Sie ein Lese­zeichen, bei dem Sie sicher sind, dass die Adresse korrekt geschrieben ist. Online­kriminelle betreiben gern ähnlich aussehende Seiten unter Adressen, die einen typischen Rechtschreibfehler oder einen Bindestrich mehr oder weniger enthalten.
  • Meiden Sie öffentliche WLAN-Verbindungen. Bauen Sie lieber einen Hotspot über das Smartphone auf, um ins Internet zu gehen.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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