Dienstwagen-Klassiker Peugeot 305

Monsieur Biedermann

Peugeot 305 Foto: Peugeot 3 Bilder

Autos, die jeder kennt. Fahrzeuge der Kindheit, erstes eigenes Auto, unvergessener Dienstwagen: Peugeot 305

Wer französischen Autobauern einen Hang zur Extravaganz nachsagte, wurde 1977 eines Besseren belehrt. Fließende Hecks waren längst angesagt, als Peugeot dem 305 eine geradezu provozierend konservative Karosse überstülpte. Hausdesigner Pininfarina liebte solche Formen, die in Frankreich Trois Volumes heißen. Dreiraumkörper – was im Grunde bedeutet: vorne ist gleich hinten und dazwischen sitzt der Fahrer. Gerne mit Hut, wie Spötter angesichts des biederen Auftritts des 305 mutmaßten. Konkurrenten wie der Alfasud oder der VW Passat wirkten da schon frischer, auch unter der Haube.

Die frühen 305 erhielten die 60-PS-Motoren aus dem Vorgänger 304. Mit der Besonderheit, dass sich Maschine und Getriebe die Ölwanne teilten. Und mit der Eigenheit, dass sich ein Überholvorgang in die Länge zog. In 17 Sekunden von 0 auf 100 – selbst die letzten Käfer aus Deutschland brauchten dafür nur drei Sekunden mehr.

Trotzdem fuhren die Kunden gut mit dem 305, im wahrsten Wortsinn. Frontantrieb, einzeln aufgehängte Räder, lange Federwege und hintere Längslenker sorgten für ein exzellentes Fahrverhalten. Der 305 war einer der ersten seiner Klasse, der ein vollständig verkleidetes, blechfreies Interieur bot.

Top-Behördenwagen im Saarland

Allerdings auch ein Tohuwabohu in Sachen Ausstattungslinien: GL, GLS, GR, SR, GT, GTX, GLD, GRD und SRD – das Studium einer Preisliste war eine tagesfüllende Aufgabe. Manche hatten die Zeit dafür von Amts wegen. Der 305 war der Behördenbrummer im Saarland der 80er-Jahre schlechthin, auch mit Blaulicht. Im übrigen Bundesgebiet legten vor allem die dieselnden 1,9-Liter-Motoren eine bemerkenswerte Karriere hin. Sogar im Kombi verbrauchte der Selbstzünder weniger als sechs Liter.

So ließ sich drüber hinwegsehen, dass man schon über dem Prospekt des unspektakulärsten aller Peugeots einzuschlafen drohte. Die Bilanz des 305 entlarvt die Spötter ohnehin als Banausen. Fast zwei Millionen Käufer bis 1989. Wir lernen: Bieder ist nicht gleich blöd.

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