Dienstwagenklassiker Volvo P 1800

Durchblick

Volvo P 1800 Foto: Archiv 4 Bilder

Der Volvo P 1800 ES war ein Fahrzeug für echte Individualisten. Fans gaben dem kleinen Schweden einen ganz besonderen Spitznamen.

Automobile Vergleiche mit Badewannen, Enten oder Käfern haben Tradition in Deutschland. Der Name Schneewittchensarg gilt als besonders hübsche Ausprägung dieser Vorliebe. Dieses Synonym trägt der Volvo P 1800 ES bis heute. Seine 1971 präsentierte Heckscheibe aus Glas und das wahrscheinlich sieben Zwergen Platz bietende Konzept eines Sportkombis hatten zu dieser Wortschöpfung animiert. Dabei war die Nummer Achtzehn-Null-Null schon durch, besagter Kombi nur der Versuch, eine in die Jahre gekommene Baureihe aufzufrischen.

Die Blechhülle mit vielen Sicken und Flügeln

Zehn Jahre zuvor schon hatte Volvo den P 1800 Coupé zunächst in England unter herben Qualitätsverlusten bauen lassen, ehe der Konzern die Produktion 1963 nach Schweden heimholte. Es folgte mit knapp 40.000 verkauften Einheiten eine durchaus erfolgreiche Karriere. Die Blechhülle mit vielen Sicken und Flügeln, entworfen von Pietro Frua, wirkte Ende der 60er-Jahre allerdings leicht angestaubt. Etwas Neues sollte her, nur kosten durfte es nichts. Ein bis heute gern gewählter Ansatz in der Automobilindustrie.

Jedenfalls arbeiteten die Ingenieure ausschließlich am Heck des Wagens, das aber gründlich. Neben der üppigen Verglasung sorgte die Möglichkeit, durch Umlegen der Rückbank einen ebenen Ladeboden zu zaubern, für Aufsehen. Ungewöhnlich auch das Cockpit mit vermeintlichen Holzapplikationen. Was aussah, wie frisch aus der Nordmanntanne geschnitzt, war nicht etwa Folie, sondern handgemalt.

Der Sportkombi für besser verdienenden Individualisten

Der Sportkombi jedenfalls bot besser verdienenden Individualisten echte Imagevorteile. Zum Beispiel Golfspielern: 14 Schläger nehmen die pro Runde mit. Sie passten auf Werbefotos natürlich allesamt in den Volvo. Viel wichtiger war natürlich, dass jeder von außen sehen konnte, dass man diesem Sport nachging. Und hatte die deutsche Presse nicht obendrein angemerkt, dass der Wagen mit Preisen um 25.000 Mark teurer sei als ein 250er Mercedes-Coupé. In Göteborg war man jedenfalls begeistert. Genau das – so das Kalkül der Schweden – werde für viele zum Grund, sich einen Volvo zu kaufen.

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