E-Autos und Ladeinfrastruktur

Alles aus einer Hand

VW Wallobx ID Foto: VW

Autohersteller verkaufen nicht nur E-Autos, sondern auch Dienstleistungen rund ums Laden. Doch unsere Recherche zeigt: Nicht alle Hersteller sind gleich gut aufgestellt.

Rund 500 Fahrzeuge hat der Automobilzulieferer Faurecia Deutschland in seinem Fuhrpark. Die meisten sind Dienstwagen, fast ausschließlich Diesel. Um für den Wechsel auf Elektroautos und Plug-in Hybride zu werben, hat das Unternehmen seine Dienstwagenrichtlinie überarbeitet. Wer umsteigt, erhält seit Anfang des Jahres ein höheres Leasingbudget. Laden Mitarbeiter ihr Fahrzeug zu Hause, übernimmt das Unternehmen zudem die anfallenden Stromkosten. Um die 25 Mitarbeiter sind bereits im ersten Halbjahr dem neuen Angebot gefolgt.

Wie bei Faurecia plant laut dem jüngsten DAT-Diesel-Barometer fast jeder zweite befragte Fuhrparkleiter, vermehrt Elektroautos in die Flotte zu nehmen. Dabei spielen nicht nur die steuerlichen Erleichterungen eine Rolle. Rund die Hälfte der Fuhrparkleiter erwägt demnach mit Blick auf die verschärften CO₂-Regularien für Unternehmen ab dem nächsten Jahr die Abkehr vom Diesel. "Mit lokal CO₂-freien Antrieben im Flottenpool sind die Ziele aus Unternehmenssicht schneller erreicht", sagt Sebastian Hein, Energy Transition Manager bei Groupe PSA Deutschland. Doch damit Unternehmen ihre Fuhrparks elektrifizieren, braucht es passende und komfortable Ladelösungen. Zwar wird das Netz öffentlicher Ladepunkte immer größer – allein im letzten Jahr ist die Zahl der Ladepunkte von 13.500 auf etwa 20.700 gestiegen. Handlungs­bedarf besteht aber vor allem beim Ausbau privater Ladeinfrastruktur: 85 Prozent der Ladevorgänge finden zu Hause oder am Arbeitsplatz statt, schätzt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Wo sollen Flottenautos laden?

Fuhrparkleiter stehen in Sachen Ladeinfrastruktur vor vielen Fragen: Wo sollen Flottenautos laden? Wie muss die Ladeinfrastruktur auf dem Firmenparkplatz ausgelegt sein? Wie funktioniert die Abrechnung beim Laden unterwegs? Ladesäulenhersteller, Energieversorger und Management-Plattformen-Anbieter machen das Angebot eher kleinteilig. Diese Lücke haben auch die Autohersteller erkannt, allen voran Volkswagen. "Das Aufladen eines E-Autos muss genauso einfach und selbstverständlich werden wie das Laden eines Smartphones", erklärt VW-Vorstand Thomas Ulbrich. Deshalb soll die Unternehmenstochter Elli (Electric Life) mit dem neuen ID.3-Modell, das im nächsten Jahr auf den Markt kommt, Flotten­kunden komplette Ladelösungen aus einer Hand anbieten. Dazu gehört zum Beispiel eine Wallbox für zu Hause, die neben digitalen Funktionen und serienmäßigem LTE-Modul mit einem integrierten Stromzähler ausgestattet ist. Dieser misst den gezapften Strom kilowattstundengenau und sendet die Daten dem Flottenmanagement zur Abrechnung. Am Ende der Modellpalette steht eine 22 bis 300 kW starke DC-Ladestation für den Firmenparkplatz, die über ein angebundenes Energiemanagementsystem das Auto zum Energiespeicher machen kann. Zum Paket gehört dann sogar ein konzerneigenes Ökostrom-Angebot, das das Elektroautofahren bilanziell klimaneutral macht.

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"Wir beraten unsere Kunden umfassend, damit jeder seine Entscheidungen zum Ladeinfrastrukturausbau treffen kann. Entsprechend erstellen wir selbst ein Angebot oder schlagen geeignete und verlässliche Partner vor", erklärt Elli-Vertriebsleiter Hanns-Christoph Bauer. Als Mobility-Service-Anbieter will die VW-Tochter ab dem kommenden Jahr zudem das Laden unterwegs mit digitaler Abrechnung per Ladekarte samt App einfach machen. We Charge soll europaweit den Zugang zu mehr als 100.000 öffentlichen Ladepunkten und das Bezahlen aus dem Auto heraus ermöglichen. Parallel dazu testet Volkswagen derzeit die Abrechnung dienstlich genutzten Stroms für den Dienstwagen mithilfe eines geeichten Ladekabels. "Wir planen, nach Abschluss des Tests diese Dienstleistung allen Kunden anzubieten", sagt Gerhard Künne, Leiter Mobility Unit Volkswagen Financial Services.

Autohersteller bringen sich mit Kooperationen in Stellung

Während der VW-Konzern das Geschäftsfeld der Ladeinfrastruktur besetzen will, bringen sich andere Autohersteller mit Kooperationen in Stellung. "Um unseren Großkunden mit individuellen Infrastrukturlösungen weiterhelfen zu können, sind wir derzeit in Vertragsverhandlung mit einem Partnerunternehmen", sagt Hein von der Groupe PSA. Inno2grid, ein Gemeinschaftsunternehmen von DB Energie und Schneider Electric, entwickelt standortspezifische Mobilitätslösungen. Die Ladesysteme kommen vom niederländischen Hersteller EVBox. Um Erfahrungswerte mit dem neuen Angebot zu sammeln, rüstet der Autokonzern derzeit die eigenen Unternehmensstandorte aus. "In einem Pilotprojekt mit einem Teil unserer eigenen Dienstwagenberechtigten testen wir, wie wir Ladevorgänge künftig schneller und bequemer abwickeln können", so Hein. Um beispielsweise das dienstliche Stromtanken zu Hause korrekt abzurechnen, teilt der Mitarbeiter dem Unternehmen seinen privat genutzten Stromtarif mit. Die Ladebox registriert per App oder ID-Karte, ob Strom dienstlich oder privat geladen wird, und sendet die Daten an das System des Flottenmanagers. Dieses errechnet aus dem privaten Stromtarif und dem gemeldeten Ladevolumen die Summe, die der Mitarbeiter erstattet bekommt.

Auch Daimler positioniert sich im Ladeinfrastruktur-Markt für das Fuhrparkmanagement. "Wir denken über das Fahrzeug hinaus und bieten unseren Flottenkunden durch die Kooperation mit New Motion auch gleich innovative Ladelösungen mit an", sagt Frank Kemmerer, Leiter Flottenmanagement Mercedes-Benz Pkw. Mit dem niederländischen Unternehmen, das zum Mineralölkonzern Shell gehört, hat Daimler sich den derzeit europaweit größten Ladesäulenbetreiber ins Boot geholt. Er soll künftig sowohl Mercedes-Benz-Flottenkunden als auch Leasingkunden der Daimler-Tochter Athlon rund um die Installation bis hin zum Betrieb von Ladestationen an Unternehmensstandorten beraten. Ein spezialisiertes Onlinetool verschafft dem Fuhrparkleiter volle Transparenz über das Lastmanagement samt allen Ladevorgängen und Abrechnungen – auch von Heimladestationen. Ergänzt wird das Paket durch eine Ladekarte für das Laden und Bezahlen an Ladepunkten von New Motion sowie bei 200 Roaming-Partnern. Auch der Zugriff auf Ladestationen am Arbeitsplatz und zu Hause erfolgt über die Ladekarte.

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BMW-Flottenkunden steht die Leasinggesellschaft und BMW-Tochter Alphabet zur Seite. Mit dem Kooperationspartner Digital Energy Solutions berät die Leasinggesellschaft markenübergreifend bei Fragen vom Ladeequipment inklusive eines intelligenten Lademanagements bis zur Vereinheitlichung von Schnittstellen und Bezahlsystemen. "Die Lösungen sind passgenau und richten sich nach dem individuellen Bedarf des Kunden vor Ort", sagt André Janssen-Timmen, Leiter Vertrieb an Groß- und Sonderkunden bei BMW. Zum Paket gehören auch Charge-Now-Ladekarten, die den europaweiten Zugang zu öffentlichen Ladestationen ermöglichen. Der Ladevorgang wird via Smartphone oder Ladekarte gestartet. Die Abrechnung erfolgt über ­Alphabet oder über eine direkte Verknüpfung mit dem Softwaresystem des Kunden.

Fragen Flottenkunden bei Kia Deutschland nach, erhalten sie Ladesäulen von New Motion, die von einem lokalen Elektrofachbetrieb in Abstimmung mit dem Energieversorger vor Ort installiert werden. Hyundai kooperiert bei Bedarf mit dem Energieversorger EnBW, um das volle Angebot von Beratung über Hardware bis zum Bauauftrag und Betreiben der Ladepunkte mit Abrechnungssystem anbieten zu können. Renault will seinen Flottenkunden den Elektroauto-Umstieg über den Ladesäulen-Anbieter The Mobility House und den Energieversorger Innogy erleichtern.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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