E-Lieferwagen gegen Feinstaub

Mann + Hummel bauen Streetscooter mit Filtersystem

StreetScooter Filtersystem Mann + Hummel Feinstaub Foto: Mann + Hummel

Der Automobilzulieferer Mann + Hummel hat ehrgeizige Ziele. Mit einem neuen Filtersystem sagt er dem Feinstaub selbst bei den E-Lieferwagen von Streetscooter den Kampf an.

Der Verkehr nimmt zu und nimmt zu – und mit ihm der Ausstoß von gesundheitsgefährdenden Feinstaubpartikeln. Der Automobilzulieferer Mann + Hummel will dieser Entwicklung entgegentreten – und hat eigens dafür ein neues, geradezu revolutionäres Filtersystem für Fahrzeuge entwickelt. In Zusammenarbeit mit Streetscooter stellte das Unternehmen den Filter und das "völlig emissionsfreie" Auto am Stammsitz in Ludwigsburg vor. Mit dem Streetscooter samt Filtersystem "ist etwa ein emissionsfreies Zustellen von Sendungen in Ballungsräumen möglich", sagte Mann + Hummel-Vorstandschef Alfred Weber anlässlich der Präsentation des entsprechend ausgerüsteten E-Lieferwagens.

Unterboden-Filter sammelt Feinstaub

Der Oberbürgermeister von Ludwigsburg, Werner Spec, machte deutlich, wie wichtig den Städten das Klima und die Luftqualität inzwischen ist. Kommunen würden überlegen, in der Zukunft nur die Anbieter bevorzugt in die Städte zu lassen, die entsprechend umweltfreundliche Lösungen einsetzen. Mann + Hummel kommt da mit seinem Feinstaubfresser-Projekt wie gerufen: Über die neue Technologieplattform soll es möglich sein, den Feinstaub einzufangen, der bei jedem Fahrzeug – auch bei solchen mit Elektroantrieb – durch Reifen-, Brems- und Straßenabrieb entsteht, erklärte Projektleiter Eric Raschke. Der Unterboden-Filter etwa sammelt dabei nicht nur den Feinstaub des fahrenden Fahrzeugs, sondern filtert im Stehen auch die feinstaubhaltige Umgebungsluft. Dafür sorgen Ventilatoren hinter dem Filtersystem, die dem Filter die Umgebungsluft zuführen. Das Wechselintervall gibt der Zulieferer mit 20.000 Kilometern an.

StreetScooter Filtersystem Mann + Hummel Feinstaub Foto: Mann + Hummel
Im Falle des Streetscooter ist der Feinstaub-filter auf Höhe der Hinterachse angebracht. Er kann aber auch auf dem Dach oder am Heck von Fahrzeugen montiert werden.

Sensoren sorgen in Verbindung mit einer Webapplikation dafür, dass die Effizienz des Systems jederzeit geprüft werden kann: Informationen zur Filtrationsleistung, der gereinigten Luftmenge, der Feinstaubkonzentration sowie Wetterdaten können so erfasst und in einer Cloud für eine weitere Analyse zusammengefasst werden. Fünf Streetscooter sind inzwischen für den Testbetrieb am Unterboden auf der Höhe der Hinterachse mit dem Filtersystem ausgestattet und auf deutschen Straßen unterwegs. Erprobt werden soll unter anderem, wie winterliche Straßenverhältnisse die Effizienz der Filter beeinflussen, etwa wenn der Vorabscheider vor dem Filter mit Schneematsch in Berührung kommt. Verläuft der Test erfolgreich, will Mann + Hummel das System zur Serienreife bringen. "Wir können das Bauteil in wirklich jedem Bauraum integrieren", sagte Raschke, auch eine Nachrüstlösung sei möglich. Die drei Pkw, die Mann + Hummel in der Region Stuttgart als "Feinstaubfresser" ebenfalls testweise auf die Straße geschickt hat, haben beispielsweise ein Filtersystem auf dem Dach, bei Bussen ist demnach auch eine Heckapplikation möglich.

Andere Fahrzeughersteller bereits im Gespräch

Streetscooter-CEO Prof. Achim Kampker kündigte an, das System noch in diesem Jahr zur Standardausstattung zu machen. Um den Energiebedarf der Filter von rund 300 Kilowatt zu decken, sollen die Streetscooter mit Solarmodulen bestückt werden. Bisher stammt die Energie noch aus der Fahrzeugbatterie. Bei einer geplanten Zahl von bald 20.000 Streetscootern wäre das für Mann + Hummel in jedem Fall eine interessante Größe. "Mit dem Einsatz von Feinstaubfiltern können wir die hervorragende Ökobilanz unserer Streescooter sogar noch einmal verbessern", sagte Kampker. Bezogen auf die Gesamtbilanz im Fahrbetrieb ist das Fahrzeug demnach vollständig emissionsneutral – kein Kohlendioxid (CO2), keine Stickoxide (NOX), kein Lärm, kein Feinstaub.

StreetScooter Filtersystem Mann + Hummel Feinstaub Foto: Mann + Hummel
Hinter dem Filter angebrachte Ventilatoren führen ihm die Umgebungsluft zu.

Den Vorteil des Feinstaubfilters sollen aber auch andere Fahrzeughersteller genießen dürfen: Mann + Hummel-Chef Weber sagte, man sei "mit Elementen davon schon bei OE-Herstellern im Gespräch". Für den Zulieferer, der neben der Automobilbranche auch die Industrie zu seinen Kunden zählt und Lösungen für saubere Innenräume anbietet, soll das Thema Feinstaubreduzierung durch Filtration künftig ein wichtiger Teil des Unternehmensgeschäfts werden.

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