Elektrotaxis im Test

Grüne Fahrt voraus

Mercedes B-Klasse Electric Drive E-Taxi Elektrotaxi Foto: Karl-Heinz Augustin

Die Abschlussbilanz des Forschungsprojekts Guest zeigt: E-Taxis kommen bei den Fahrgästen gut an, wirtschaftlich rechnen sie sich aber noch nicht.

Zwischen September 2014 und Dezember 2015 waren vier Elektrotaxis im Raum Stuttgart unterwegs und legten dabei insgesamt rund 140.000 Kilometer zurück. Die Beteiligten des Gemeinschaftsprojekts Nutzungsuntersuchungen von Elektrotaxis in Stuttgart (Guest) ziehen nun Bilanz: Bei fast allen der rund 14.000 Kundenfahrten blieben die Taxis in einem Zehn-Kilometer-Umkreis ums Rathaus. Längere Fahrten nach Reutlingen, Göppingen oder Nagold blieben die Ausnahme.

Geringe Reichweiten und Ladeinfrastruktur sind problematisch

Die beteiligten Taxiunternehmer bemängeln die geringe Reichweite. Zwischen 80 und 120 Kilometer leisteten die eingesetzten Autos am Stück. Für einen Regel-Taxibetrieb sei das zu wenig. Die Unternehmer wünschen sich eine Mindestreichweite von rund 300 Kilometern. Auch die Ladeinfrastruktur lasse zu wünschen übrig. "Wir laden an den Car2go-Stationen, die oft von anderen E-Autos oder Falschparkern belegt sind", sagt Taxiunternehmer Günther Mannschreck. Für die Fahrer bedeute das Stress, zumal sich die Ladestationen nicht in unmittelbarer Nähe von Taxiständen befinden. Ideal sind laut der Projektpartner Schnell-Ladesäulen an Taxiständen, die ein effektives Zwischenladen ermöglichen und damit die Tagesreichweiten steigern. Die Partner fordern zudem wettbewerbsfähige Stromtarife, ansonsten könnten sich E-Autos in Zeiten ständig fallender Spritpreise nicht behaupten.

Zufriedene Fahrgäste

Positive Reaktionen vermeldeten die Taxiunternehmen von den Fahrgästen. Das Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (Zirius) der Universität Stuttgart befragte die Kunden per Tablet während der Fahrt. "Etwa 90 Prozent der Fahrgäste waren äußerst zufrieden", sagt Zirius-Projektleiter Rüdiger Goldschmidt. Der Einsatz der Taxis habe einen positiven Eindruck von E-Mobilität vermitteln können.

Die Fahrzeuge, drei Mercedes B-Klassen und ein Mercedes Vito, seien auch nach Ablauf der Projektphase in einem guten Zustand und werden weiterhin genutzt. Die Prüforganisation Dekra untersuchte die Autos alle drei Monate und konnte keine besonderen Mängel feststellen.

Vorbild für andere Regionen

Die Beteiligten wollen mithilfe der neu gewonnenen Erfahrungen das Konzept der Elektrotaxis vorantreiben und das Stuttgarter Modell als Vorbild für andere Regionen ausbauen. Allerdings brauche es einen zentralen Koordinator, der alle Aspekte des Themas im Blick hat. An dem Forschungsprojekt waren neben der Uni Stuttgart und Dekra Automotive noch das Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS), die Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart, Bosch und als Leasingpartner Daimler beteiligt.

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