Elektrotaxis im Test

Durchwachsene Zwischenbilanz

Mercedes B-Klasse Electric Drive E-Taxi Elektrotaxi Foto: Karl-Heinz Augustin

Seit September 2014 sind in Stuttgart vier Elektro-Taxis unterwegs: drei Mercedes B-Klassen und ein Mercedes Vito. Nach gut einem halben Jahr die lautet die erste Zwischenbilanz: verbesserungswürdig.

Noch bis Ende 2015 läuft der Test. Doch bereits bei der Halbzeit zeigt sich, dass E-Taxis bei den Kunden gut ankommen. 90 Prozent der rund 5.000 Fahrgästen waren positiv überrascht von ihren Erfahrungen. Die Meinungen wurden über Fragebögen oder über in den Taxis eingebauten Tablets gesammelt. 70 Prozent der Fahrgäste wären bereit, anderen Menschen von ihren positiven Erfahrungen zu berichten. 41,8 Prozent der Gäste würden sogar das nächste Mal gezielt ein E-Taxi anfordern.

Deutlich mehr zu kritisieren haben die Taxiunternehmer. Vor allem die geringe Reichweite bereitet ihnen wirtschaftliche Probleme. Mit ihren geleasten Stromern konnten die Unternehmer nur rund 70 Prozent ihres normalen Umsatzes einfahren. „Ein Mehrschichtbetrieb wie mit Diesel-Fahrzeugen ist mit diesen Autos nicht machbar“, sagt Taxiunternehmer Günther Mannschreck. Denn in der Regel legt ein Taxi im Großraum Stuttgart 150 und mehr Kilometer pro Tag zurück. Die B-Klassen schaffen aber nur rund 110, der Vito sogar nur 60 bis 80 Kilometer, bevor sie wieder an die Steckdose müssen, um dort bis zu sechs Stunden lang zu laden.

Keine Ladestationen an den Taxiständen

Außerdem finden sich Ladepunkte selbst in der Elektro-Schaufensterregion Stuttgart nicht unbedingt dort, wo sie der Taxifahrer gerne hätte. Zwar hat die EnBW gut 250 Ladepunkte in Stuttgart aufgestellt. Damit verfügt Baden-Württembergs Landeshauptstadt über die beste öffentliche Ladeinfrastruktur Deutschlands. Aber eben nicht an den Taxiständen. Und selbst wenn eine Ladestation in Sichtweite eines Taxiplatzes steht, sind die Diskussionen unter den Taxler programmiert. Darf der Fahrer sich einreihen, wenn er fertig geladen hat, oder muss er hinten anstehen? Ein Lösungsansatz wären kabelloses, induktives Laden über im Boden verlegte Ladematten.

„Das Projekt zeigt deutlich die Grenzen der Technik“, sagt Manfred Hülsmann von der Taxi-Zentrale Stuttgart. Die Taxiunternehmer wünschen sich kürzere Ladezeiten, größere Reichweiten. Doch die Taxifahrer, die alle für den Umgang mit E-Autos geschult wurden, sehen auch die positiven Seiten der E-Autos. Das leise und vibrationsfreie Fahren und das Beschleunigen ohne Antriebsruckeln empfinden sie als positiv.

Das Taxi-Test läuft noch bis Ende 2015, als eines von 40 Projekten im baden-württembergischen Schaufenster Elektromobilität Living Lab BW e-mobil. Rund 50.000 Kilometer haben die vier Autos bisher problemlos und störungsfrei zurückgelegt. Dabei wurden sie regelmäßig von Dekra-Ingenieuren untersucht. Der Test sollte nämlich auch zeigen, ob die Hochvolt-Bauteile und verschleißrelevanten Baugruppen wie Bremsen oder Reifen bei relativ hoher Fahrleistung sich schneller abnutzen. Zumindest hier ist alles im grünen Bereich.

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