Fahrbericht Lexus LS 500h

Der Luxus-Lexus

Lexus LS 500h Foto: Lexus 23 Bilder

Gläserne Ornamente, handgefertigte Türverkleidungen: Im Flaggschiff LS treibt die Toyota-Tochter den Luxus-Gedanken auf die Spitze. Aber reicht das, um gegen S-Klasse oder A8 zu bestehen?

S-Klasse, 7er, A8, Panamera – was anderes steht selten auf den Vorstandsparkplätzen. Dabei gibt’s doch Alternativen. Den Lexus LS etwa. Seit 30 Jahren auf dem Markt, allerdings nur in homöopathischen Stückzahlen. Zumindest in Deutschland. In den USA oder im arabischen Raum läuft die Luxus-Limousine wie geschnitten Brot. Trotzdem fährt der Exot hierzulande unbeirrt Mercedes-, BMW, Audi- und Porsche-Kunden hinterher.

Fahren wie auf Wolke sieben

Seit Januar steht sogar wieder ein neuer LS in den wenigen Showrooms, die Lexus in Deutschland betreibt. Wer die Vorgänger kennt, wird erstaunt zweimal hinschauen. Mit der fünften Generation wurde aus einer eher klobigen eine schnittig flache Limousine mit coupéhaften Zügen. Der neue LS streckt sich auf satte 5,23 Meter, da braucht man keine Langversion. Der wahre Hingucker aber ist die Front des Autos mit dem mächtigen, von 5.000 Waben durchzogenen Kühlergrill und den schlitzartigen LED-Leuchten. Ohne Frage, wer mit diesem Auto vorfährt, will auffallen. Er muss allerdings auch bereit sein, der Toyota-Tochter mindestens 78.400 Euro (ohne Mehrwertsteuer) überweisen. Und dafür gibt es lediglich die Basisversion des LS mit Hinterradantrieb (Allrad: 81.430 Euro).

Wirklich exklusiv wird der Wagen erst in den gehobenen Ausstattungslinien. Dann hebt sich die luftgefederte Karosserie um vier Zentimeter an, sobald der Fahrer die Tür entriegelt. Gleichzeitig fahren die beleuchteten Gurtschlösser um fünf Zentimeter hoch und die äußeren Seitenwangen der Sitze öffnen sich. Alles, damit die Passagiere bequemer einsteigen können.

Lexus LS 500h Foto: Lexus
Hinten rechts gibt es auf Wunsch einen elektrisch verstellbaren Komfortsitz, den man zum Liegesitz umfunktionieren kann.

Für den Chauffeur-Betrieb empfiehlt sich der LS in der gut 107.000 Euro teuren Luxury Line, mit Liegesitz hinten rechts. Dort lässt sich der vom Meeting erschöpfte Besitzer von sieben Massageprogrammen durchkneten, vom Entertainment-System berieseln oder vom Sound der 23 Lautsprecher der High-End-Musikanlage von Mark Levinson in den Schlaf wiegen. Wiegen? Der LS schwebt eher über Fahrbahnunebenheiten. Reifen- oder Windgeräusche? Gibt es praktisch nicht. Sie werden äußerst effektiv durch elektronische Gegengeräusche neutralisiert.

Dem Motor fehlt die Souveränität eines V8

So zieht sich der Begriff von Luxus durch den gesamten Fahrzeugkatalog, und wenn Liebe zum Detail als Luxus gilt, so fährt der Lexus in seinem Segment ganz vorne mit. Da wird beispielsweise meterweise offenporiges Walnussholz verlegt und für 12.700 Euro extra fertigen sogenannte Takumi-Meister Türverkleidungen mit handgeschliffenen gläsernen Applikationen und wie ein Origami gefaltete Stoffverkleidungen. Die Frage nach Spaltmaßen verbietet sich und über Geschmack muss man hier – anders als bei den Vorgängermodellen – kaum streiten. Der LS steht für diskreten Luxus wie wenige andere Autos.

Lexus LS 500h Foto: Lexus
Von hinten wirkt der LS eher dezent.

Technisch jedoch glänzt der Lexus nicht in allen Punkten. Natürlich hat er die Assistenz-Armada an Bord, die man von einem Auto dieser Preisklasse erwartet. Er beschleunigt und bremst von alleine im Stau, weicht sogar selbstständig unachtsamen Fußgängern aus, warnt den Fahrer im Head-up-Display an unübersichtlichen Kreuzungen vor Querverkehr. Aber die kleinen Bildschirme und vor allem die komplizierte Menüführung des Bediensystems wollen nicht zum Anspruch passen, den die Marke nach außen trägt. Da es kaum Knöpfe gibt, werden fast alle Funktionen über ein empfindliches Touchpad in der Mittelkonsole gesteuert. Man muss sich konzentrieren und dabei auf den mittleren Bildschirm schauen, um den richtigen Menüpunkt zu treffen. Das lenkt stark ab. Nur um die Sitzheizung zu aktivieren, sind beispielsweise drei Schritte notwendig. Ein Sonderziel in der Navi zu suchen erweist sich für Lexus-Neulinge als fast unlösbare Aufgabe und auch in Sachen Konnektivität sind die deutschen Marken weiter vorne.

Gleiches gilt für den Antrieb. Statt des souveränen, 445 PS starken V8 des Vorgängers nutzt Lexus nun einen 3.5 V6 als Basis für den Hybridmotor. Die beiden E-Motoren und der Verbrenner kommen zusammen auf 356 PS und das Zusammenspiel klappt wie immer bei Toyota und Lexus perfekt. Ob der Wagen bis 140 km/h elektrisch oder mit Verbrenner fährt, ist nicht zu spüren. Und solange man nur mit 130 bis 150 Sachen über die Autobahn säuselt, ist alles in Ordnung. Dann pendelt sich der Verbrauch bei rund neun Litern ein, was für ein Auto dieses Kalibers völlig in Ordnung geht. Aber so richtig dynamisch will es nicht vorangehen. Natürlich kann man den Wagen auch schnell fahren. Spaß macht’s nicht, der Motor wirkt gequält, wird laut, die Verbrauchsanzeige schnellt auf 14 und mehr Liter. Fans des LS wird das sicher nicht abschrecken, zumal die Vorzüge die Nachteile bei weitem überwiegen. Allen voran die Gewissheit, kein Auto wie alle anderen zu fahren.

Technische Daten
Lexus LS 500h AWD
Karosserie
Aufbau Fließheck
Zahl der Sitzplätze 5
Motor/Antrieb
Kraftstoff Super
Anzahl Zylinder 6
Hubraum 3.456 cm³
Leistung 220 kW (299 PS) bei 6.000/min
Drehmoment 350 Nm bei 5.100/min
Getriebe automatisch
Anzahl Gänge 4
Antrieb Allrad
Preis
Grundpreis ohne MwSt.Herstellerangabe 110.336 Euro
Ausstattung Luxury Line
Abmessungen/Gewichte/Reifen
AußenmaßeLänge x Breite ohne Spiegel x Höhe 5.235 x 1.900 x 1.460 mm
Radstand 3.125 mm
Leergewichtvollgetankt inkl. 75 kg Fahrer 2.380 kg
Zuladung 420 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 2.800 kg
Reifengröße vorne 245/45 RF 20
Reifengröße hinten 245/45 RF 20
Fahrleistung und Verbrauch
Beschleunigung 0-100 km/h 5,5 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
VerbrauchHerstellerangabe 7,1 l/100 km
firmenauto-Verbrauchsrunde (200 km) 8,7 l/100 km
CO2-AusstoßHerstellerangabe WLTP 158 g/km
Effizienzklasse A
 
Slnr 106445
Betriebskosten
Lexus LS 500h AWD 20.000 km/60 Monate 40.000 km/36 Monate
Basisdaten
Ausstattungsversion Luxury Line Luxury Line
Grundpreis ohne MwSt. 110.336 Euro 110.336 Euro
Teuerung während der Nutzungsdauer 17.574 Euro 10.231 Euro
Gebundenes Kapital 79.614 Euro 80.803 Euro
Feste Kosten pro Jahr
Kapitalverzinsung 6.688 Euro 6.787 Euro
Abschreibung 16.034 Euro 23.904 Euro
Kfz-Steuer 196 Euro 196 Euro
Typklasse HP/TK/VK 21/28/29 21/28/29
Haftpflichtversicherung * 1.217 Euro 1.217 Euro
Kaskoversicherung * 2.040 Euro 2.040 Euro
Unterstellung/Garage 564 Euro 564 Euro
Summe feste Kosten/Jahr 26.739 Euro 34.708 Euro
Summe feste Kosten/km 133,7 ct 86,8 ct
Variable Kosten pro km
Kraftstoff 10,5 ct 10,5 ct
Reifen 4,5 ct 4,5 ct
Wartung und Reparatur 18,5 ct 10,4 ct
Summe variable Kosten/km 33,5 ct 25,4 ct
Gesamtkosten
Gesamtkosten pro km 167,2 ct 112,2 ct
Quellenangabe Betriebskosten
Daten berechnet von Dekra Dekra
Stand 3/2018 3/2018
Versicherung * Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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