Fahrbericht Mercedes A 180 d

Digital Overkill

Mercedes A 180 d 2018 Foto: Daimler 23 Bilder

Mit Mercedes-Benz Experience (MBUX) fährt Daimler in der A-Klasse die ganze Multimedia-Welt auf. Der Wagen hört aufs Wort und soll zeigen, wohin die Marke künftig steuert. Doch manche Fahrer dürfte das überfordern.

Alexa steuert unser Zuhause, Siri bedient unser iPhone und in der A-Klasse soll die Mercedes-Benz User Experience (kurz: MBUX) dem Fahrer alle Wünsche von den Lippen ablesen. Na ja, nicht ganz, reden muss er schon, aber zumindest zählt die A-Klasse zu den derzeit wohl am besten vernetzten Autos. Wer zuhause nicht weiß, ob der Tank für die Geschäftsreise am nächsten Tag reicht oder wo er das Auto gestern abgestellt hat, schaut einfach auf seine Mercedes-Me-App. Die A-Klasse ist jederzeit online, zeigt aktuelle Verkehrs- oder Parkplatzinfos auf ihren brillanten Displays und verknüpft Mail- und Smartphone-Account des Fahrers mit dem Bordsystem. Ein Auto passend für die Generation der Digital Natives.

Herzstück des MBUX ist die Sprachsteuerung, die der Fahrer mit "Hey Mercedes" aktiviert. Wobei der gerne zitierten Befehl "Mir ist kalt" samt der prompten Reaktion der Klimaanlage eher zu den banalen Sprachbefehlen gehört. Ob man nicht schneller selbst zum Temperaturregler greift? Geschenkt, schon wegen des Wow-Effekts bei den Mitfahrern.

Der Wagen hört auf "Hey Mercedes"

Vielfahrer jedenfalls freuen sich über alles, was ihnen die Bedienung des Autos erleichtert. Die Sprachsteuerung von Mercedes gehört mit Sicherheit dazu, und sie arbeitete schon in früheren Modellen nahezu perfekt. Doch nie war es in einem Mercedes leichter, ein Fahrziel einzugeben als in der A-Klasse. Sie versteht "Fahr mich zum Marktplatz in Dijon in Frankreich" genauso wie "Zum Kadewe nach Berlin" und aktiviert die Routenführung sekundenschnell. Selbst "Ich habe Hunger auf Pizza" versteht sie und sucht den nächsten Italiener. Dass sie auch für den Autofahrer eher unnötige Pizza-Lieferdienste auflistet, liegt eher an der Datenbasis und nicht am System. Lernfähig soll sie zudem sein, und tatsächlich kapituliert sie auch nicht vor dem schwäbischen Dialekt des Autors.

Andererseits kommt das System schnell an seine Grenzen. "Radio einschalten" oder "Ich möchte Deutschlandfunk hören" geht noch klar, "Schalte bitte Internetradio ein" beantwortet die A-Klasse, indem sie hilflos durchs DAB-Radioprogramm zappt. Auch beim Wunsch, die Innenraumbeleuchtung zu dimmen, muss das System passen. Und angesichts der unendlich vielen Einstellmöglichkeiten einer voll ausgestatteten A-Klasse täten die Programmierer gut daran, das MBUX mit den Tiefen der Bedienungsanleitung vertraut zu machen.

Ohne Einweisung geht nichts

So muss sich der A-Klasse-Neuling einlesen, um das Head-up-Display oder das zweiteilige Display einzurichten, das sich bis zur Mittelkonsole ausbreitet. Blaue oder rot-gelbe Instrumente? Navikarte klein direkt im Blick oder groß weiter rechts? Radioinfos links, Verbrauchshistorie rechts? Zusätzlich lässt sich der Innenraum in 64 Farben ausleuchten, auf Wunsch bunt changierend. All das wird entweder übers Menü auf dem großen Glasbildschirm gesteuert, durch das sich der Fahrer wie auf einem Tablet wischt, oder über kleine Touchpads links und rechts auf dem Lenkrad. Irgendwann klappt das sogar intuitiv. Die Frage ist nur: Brauchen wir das? Will sich wirklich jemand das ganze Verbrauchs- und Ecofahrweisen-Gedöns aufs Display spielen?

Mercedes A 180 d 2018 Foto: Daimler
Auch die Sitze lassen sich übers Display einstellen.

Gewollt wirkt auch der Menüpunkt "Komfort". Dort lassen sich die elektrisch verstellbaren Frontsitze für Lang-, Mittel- und Kurzstrecke konditionieren. Dann ruckeln die Lehnen im Minutenabstand ein paar Millimeter vor oder zurück. Ist das eine Massagefunktion für Knauserige – oder eher der Versuch, das Menü aufzublasen, damit es voller aussieht?

Drei Anzeigen für die gleiche Info

Und sobald sich der Wagen einem Kreisverkehr nähert, schaltet sich die Frontkamera ein und spielt auf den großen Bildschirm das Bild, das der Fahrer auch durch die Windschutzscheibe sieht: die Straße vor dem Auto. Auf dem Monitor zeigen ihm zusätzlich kleine Pfeile, in welche Richtung er abbiegen muss. Das aber erkennt er ebenso im Head-up-Display. Oder, falls aktiviert, auf der Navi in den Instrumenten. Statt Informationen zu kanalisieren, wird das Auto zur fahrenden Multimedia-Show, die mehr ablenkt als für Sicherheit zu sorgen.

Die ganze Multimedia-Online-Bedien-und Anzeigewelt ist jedenfalls nicht dazu geeignet, sich mal eben darin zurechtzufinden. Wer die A-Klasse als Geschäftswagen übernimmt, sollte sich vor dem Start in Ruhe damit beschäftigen und seine bevorzugten Einstellungen abspeichern. Ansonsten besteht Gefahr, dass sich der Blick in all den Spielereien des Bordsystems verliert und der Straßenverkehr zur Nebensache wird.

Obwohl die A-Klasse einiges im Repertoire hat, um den Fahrer trotzdem sicher ans Ziel zu bringen. So warnt das Auto beispielsweise sehr effektiv vor Fußgängern, die auf die Straße treten könnten, und im Gegensatz zu vielen anderen Autos meldet sich der Müdigkeitswarner tatsächlich erst, wenn dem Fahrer die Augen zuklappen.

Mercedes A 180 d 2018 Foto: Daimler
Das Fahrwerk ist komfortabler abgestimmt als beim Vorgänger, lässt aber auch eine sportliche Fahrweise zu.

Harsche Bremseingriffe des Spurhalters

Die vielen Assistenzsysteme arbeiten in der Regel unauffällig und ohne den Fahrer zu bevormunden. Abgesehen vom Spurhalter, der das Auto ungewöhnlich harsch abbremst und auf Spur bringt. Das fühlt sich nicht nur unangenehm an, sondern hat unangenehme Folgen. Wenn man beispielsweise plötzlich ohne zu blinken einem Radfahrer über eine durchgezogene Linie ausweicht und der nachfolgende Wagen in die Eisen gehen muss. Oder wenn das System in einer Baustelle die provisorischen orangen Linien nicht erkennt und unvermittelt abbremst.

Mit Hilfe von Bordkamera, Radarsensoren und Tempomat fährt die A-Klasse zudem teilautonom. Sie übernimmt Tempolimits, beschleunigt nach dem Ortsschild auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit, bremst vor Kurven ab – der Fahrer muss nur noch lenken. Das klappt gut, hat aber nichts mit der allgemein üblichen Fahrweise zu tun. Denn dann wird der Eco- zum Schleichmodus, bremst den Wagen vor Kurven auf Schneckentempo herunter und macht ihn zum Verkehrshindernis. Nur in der Sporteinstellung pfeilt die A-Klasse einigermaßen zügig ums Eck, was der Motor ständig mit hohen Drehzahlen bejubelt.

Mercedes A 180 d 2018 Foto: Daimler
Auf Wunsch gibt es adaptive Dämpfer.
Technische Daten
Mercedes A 180 d
Karosserie
Typ Fließheck
Motor und Kraftübertragung
Zylinderzahl / Motorbauart 4-Zylinder Reihenmotor
Hubraum 1461 cm³
Leistung 116 PS (85 kW) bei 4000 U/min.
max. Drehmoment 260 Nm bei 1750 U/min.
Antriebsart Vorderrad
Getriebe 7-Gang Automatik
Schadstoffeinstufung Euro 6d-Temp
CO2-Ausstoß 108 g/km
Kraftstoff Diesel
Preis
Nettopreis 26.385,- €
Abmessungen und Gewichte
Radstand 2729 mm
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4419 × 1796 × 1440 mm
Kofferraumvolumen 370 l
Leergewicht gemessen 1445 kg
Zuladung 490 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 1935 kg
Testwagenbereifung
Reifen (vorne/hinten) 205/60 R 16 / 205/60 R 16
Verbrauch
Verbrauch 4,10 l/100 km
Betriebskosten
20.000 km/60 Monate 40.000 km/36 Monate
Basisdaten
Preis ohne Mehrwertsteuer 27.405,- € 27.405,- €
Betriebsnotwendiges Kapital 20.795,- € 20.461,- €
Teuerung Fahrzeugpreis 4.365,- € 2.541,- €
Feste Kosten (€/Jahr)
Kapitalverzinsung 1.747 1.719
Abschreibung 1.747 1.719
Kfz-Steuer 169 169
Typklasse HP/VK/TK 19/22/22 19/22/22
Haftpflichtversicherung 1.110 1.110
Kaskoversicherung 992 992
Unterstellung/Garage 564 564
Summe feste Kosten (€/Jahr) 8.209 10.370
Summe feste Kosten (ct/km) 41,0 25,9
Variable Kosten (ct/km)
Kraftstoff 4,7 4,7
Reifen 2,1 2,1
Wartung/Reparatur/Pflege 11,4 6,4
Summe variable Kosten 18,1 13,2
Gesamtkosten
Gesamtkosten (ct/km) 59,2 39,1
Quellenangabe Betriebskosten
Quellenangabe Dekra Dekra
Zeitpunkt der Datenberechnung 9/2018 9/2018
Versicherungshinweis Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
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