Alles über Elektroautos im Praxistest
Nissan Leaf 6 Bilder Zoom
Foto: Nissan

Fahrbericht Nissan Leaf

Die Spannung steigt

Eine größere Batterie verschafft dem Nissan Leaf mehr Reichweite. FIRMENAUTO testet, wie weit das Elektroauto mit dem 30-kWh-Akku kommt.

Die Autohersteller wollen den Kunden die Reichweitenangst nehmen. BMW i3, Renault Zoe, immer mehr Modelle bekommen immer größere Batterien. Vorreiter aber war wieder mal Nissan. 25 Prozent mehr Speicherkapazität soll die Reichweite auf 250 Kilometer erhöhen. Der Leaf war ja schon das erste als reines E-Auto entwickelte Fahrzeug. Und er ist immer noch das meist verkaufte Elektroauto weltweit. Jedenfalls gibt es den Stromer für 24.590 Euro (alle Preise netto) in einer Basisversion mit 24 kWh großem Akku und für 1.680 Euro mehr jetzt mit 30-kWh-Akkupaket.

In der Realität sind die 250 Kilometer Reichweite allerdings nicht drin . Schließlich darf man’s mit den Herstellerangaben bei E-Autos genauso wie mit den Verbrauchsangaben von Benzinern und Diesel halten und sie ins Reich der Fabeln und Märchen verorten. Wer das Fahrpedal beim Leaf nur sanft streichelt, schafft im normalen Stadtverkehr höchstens 200 Kilometer. Geht’s rauf und runter und mit viel Stop-and-Go, verlangt der Stromer bereits nach 170 Kilometern nach frischem Saft. Trotzdem können wir das Kapitel der Reichweite getrost abhaken, denn auch 170 Kilometer dürften für sämtliche urbanen Einsätze genügen.

Für knapp 29.000 Euro ist alles drin, auch die größere Batterie

Ansonsten hat sich nach mittlerweile fast fünf Jahren Bauzeit nichts grundliegend geändert. Die Basisversion kann man immer noch vergessen. Sinn ergibt der Leaf erst als Acenta. Für knapp 28.900 Euro fährt das E-Auto samt Navigation, Rückfahrkamera, Tempomat, Klimaautomatik und all den Goodies vor, auf die wir auch im Stadtverkehr nicht mehr verzichten möchten.

Das Mäusekino vor dem Fahrer allerdings gehört nicht dazu. Wirkte das Cockpit seinerzeit bei der Markteinführung noch spacig und cool, so hat es sich mittlerweile einfach überlebt. Und das ständige Geblinke und Gepiepe nervt auf Dauer schon.

Dafür hat der Leaf gegenüber manchen E-Autos wie beispielsweise dem VW Golf den Vorteil, dass er von Anfang an als Elektrofahrzeug geplant und entwickelt wurde. Hier erkauft sich der Kunde keinen Kompromiss, bei dem einfach der Verbrenner samt Antriebsstrang rausgeschmissen und irgendwo eine Batterie reingequetscht wurde. Vorne wie hinten sitzt man vernünftig und in den 355 Liter fassenden Kofferraum des 4,45 Meter langen Autos passen deutlich mehr als zwei, drei Einkaufstüten.

Wer einmal elektrisch gefahren ist, will in der Stadt keinen Verbrenner mehr

Über den Fahr- beziehungsweise Geräuschkomfort von E-Autos müssen wir uns nicht weiter auslassen. Wer ein paar Tage elektrisch unterwegs war, fragt sich, worin der Fortschritt eines Verbrennungsmotors liegen soll. Im E-Auto hört man plötzlich Dinge, die vorher im Nageln des Diesels untergingen: Die tickende Uhr im Intro von Pink Floyds "Time" beispielsweise. Oder das leise Klimpern der eben gekauften Weinflaschen im Gepäckabteil, das Lust auf einen frühen Feierabend macht. Ruhe bedeutet in unserem hektischen Alltag auch ein Stückweit Lebensqualität.

Überhaupt ist der Leaf ein Auto, bei dem sich der Fahrer wenig Gedanken machen muss. Kein Kuppeln, nur Gas geben und bremsen, mehr braucht’s nicht. Wer sich aktiv mit der Motor- und Getriebesteuerung auseinander setzen will, schaltet den knubbeligen Fahrschalter beim Bergabfahren auf "B" und verstärkt die Rekuperation. Oder er lässt den Wagen im Verkehr immer wieder auf "N" mitsegeln und kitzelt so noch ein paar zusätzliche Kilometer aus der Batterie. Oder aber er hält sich einfach raus und überlässt alles dem Auto.

Zu lange Ladezeit

Was kein Fehler ist, denn über die Jahre hat der Leaf die meisten Schwächen abgelegt. Die Reichweite passt (siehe oben), das Fahrwerk wurde den europäischen Straßen angepasst und der Kofferraum gleich zu Beginn vergrößert. Anderes zeigt, dass dieser Nissan eben nicht mehr der Jüngste ist. Seine Rückfahrkamera geht bei den ersten Regentropfen auf Tauchfahrt, die Halogen-Scheinwerfer funzeln verloren durch die Dunkelheit und die Sitze fühlen sich noch immer an, als seien sie für kurzbeinige Zeitgenossen entwickelt.

Damit kann man aber leben, zumal der Wagen in Acenta-Ausstattung ja sehr anständig ausgerüstet ist. Der größte Nachteil liegt ausgerechnet im Schnellladesystem. Die von den japanischen Herstellern unterstützte Chademo-Technik mit bis zu 50 kW Leistung ist nämlich in Deutschland kaum verbreitet. Wer an öffentlichen Ladestationen oder an der Wallbox Strom zapfen will, muss also das mitgelieferte Typ-2 Kabel verwenden. Dann aber beschränkt Nissan im Leaf die Ladeleistung auf 6,6 kW. Im Klartext: Obwohl die Ladesäule mehr Power liefert, dauert es fast fünf Stunden, bis der Leaf vollgeladen ist.

Trotzdem ist dieser Nissan noch immer ein faires Angebot. Insbesondere, wenn man den Akku ab 66 Euro monatlich mietet und so den Kaufpreis des Leaf Acenta 30 kWh um über 5.000 Euro auf 23.940 Euro drückt. Zusätzlich gibt es 4.000 Euro Umweltprämie. Das sollte genügen, um jede Reichweitenangst zu überwinden.

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Datum

2. Januar 2017
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