Fahrbericht Range Rover Velar

Feiner Brite fürs Grobe

Range Rover Velar 2017 Range Rover Velar 2017 Range Rover Velar 2017 Range Rover Velar 2017 10 Bilder

Weniger Gewicht und eine revolutionäre Technik lautet die Devise für den neuen Range Rover Velar. Was das schicke Midsize-SUV kann, klärt der Fahrbericht.

Mit dem neuen Range Rover Velar schließen die Briten eine Lücke im Modellprogramm. Der Midsize-SUV ist 4,80 Meter lang und reiht sich oberhalb des kompakten Evoque und unterhalb des Range Rover Sport ein. Trotzdem lässt sich der Velar nur schwer in eine Klasse einordnen. Einen direkten Gegner hat er nicht. Er liegt eher zwischen einem Audi Q5 und Q7 oder einem BMW X3 und X5. Technisch basiert der Range Rover Velar auf der weiterentwickelten Plattform des Schwestermodells Jaguar F-Pace. Die dynamisch gezeichnete Karosserie besteht zu 80 Prozent aus Aluminium. Mit einem selbstbewussten Einstiegspreis von 47.395 Euro (alle Preise netto) für den kleinsten Diesel ist der schicke Brite wohl nur was für User-Chooser aus dem gehobenen Management. Die vielen Extras sind da noch nicht mit einberechnet.

Der Velar kann auch Gelände

Sein Haupteinsatzgebiet ist die asphaltierte Straße, doch abseits befestigter Wege beweist der Allradler das technische Know-how der Engländer in Sachen Geländegängigkeit. Der Velar wühlt sich prächtig durch mittelschweres Terrain, zwei Sperrdifferentiale und viele Fahrerassistenten unterstützen hierbei den Fahrer. Angefangen beim Kamerasystem mit 360 Grad Rundumsicht, einer Lenkwinkel-Darstellung im kontrastreichen Head-up-Display oder der Bergabfahrhilfe, mit der sich der Velar an einem Hang mit konstant niedrigem Tempo herunter hangelt. Für den richtig harten Offroad-Einsatz fehlt dem SUV jedoch eine Getriebeuntersetzung. Das ist aber bewusst so gewollt. Für solche Extremfälle weisen die Briten gerne auf den großen Ranger Rover hin, der die anspruchsvollen Aufgaben über Stock und Stein wesentlich besser erledigt.

Range Rover Velar 2017 Foto: Range Rover

Man sieht es den schmalen Scheinwerfern nicht an, sie sind aber mehr als nur ein markantes Designelement. Auf Wunsch steckt in ihnen eine geballte Ladung Technik. Bei den Matrix-LED-Scheinwerfern kommen zwei zusätzliche Laser für das Fernlicht zum Einsatz, die 550 Meter weit die Fahrbahn erhellen. Auch das Entern in den Velar ist außergewöhnlich. Beim Klick auf die Fernbedienung fahren die Türöffner elektrisch heraus und ziehen sich beim Anfahren wieder bündig ins Blech zurück. Das sieht noch lässiger aus als beim Jaguar F-Pace und schindet gewiss Eindruck vor Großstadt-Cafés. Beim kritisch eingestellten Tester wirft dieses aber Fragen auf. Was passiert nach einem schweren Unfall oder im Winter bei Gefriertemperaturen? Beides, so beruhigen die Briten, sei überhaupt kein Anlass zur Sorge. Nach einem Crash schießen die Griffe zusammen mit den Airbags pyrotechnisch hervor, so dass Rettungskräfte den Velar von außen öffnen können. Und bei bisherigen Winter-Tests sind solche Probleme nicht aufgetaucht. Die Türen sollen sich selbst bei eisigen Minusgraden noch mühelos öffnen lassen.

Revolution oder britisches Understatement?

Mit verschwenderisch viel Leder und einem aufs Wichtigste reduzierten Cockpit geht es im Innenraum edel zu. Die Verarbeitung ist bis in die kleinste Naht penibel und sauber. Die analogen Instrumente lassen sich im Velar auf Wunsch gegen ein hochauflösendes virtuelles Cockpit austauschen. Wer will, kann sich die Kartenansicht des Navis über die gesamte Breite des Instrumenten-Displays – ähnlich wie bei Audi – formatfüllend anzeigen lassen. Wenn dann noch der Navi-Bildschirm aus seiner Ruheposition herausschert, um sich dezent und leise in die Blickrichtung des Fahrers zu positionieren, klappt einem spätestens jetzt die Kinnlade herunter.

Allerdings ist dies nur der Beginn einer großen Show. Die geht weiter, wenn die glänzend-schwarze Mittelkonsole per Starterknopf zu einem zweiten, 10,2 Zoll großen Farb-Touchscreen erwacht. Über den berührungsempfindlichen Monitor, der den kompletten unteren Teil der Konsole einnimmt, lassen sich die Klimaautomatik, die beheizbaren Sitze samt diverser Massageeinstellungen oder die Audio- und Telefonfunktionen vornehmen.

Range Rover Velar 2017 Foto: Range Rover

Durchs Programm klicken und wischen, ist genauso einfach wie bei einem Smartphone. Da unterhalb des Displays nur noch sehr wenige Schalter übrig geblieben sind, übernehmen zwei analoge Drehregler die weiteren Fahrzeugeinstellungen. Und zwar mit jeweils unterschiedlicher Zuordnung. Je nachdem ob gerade die vielzähligen Allradoptionen oder die höhenverstellbare Luftfederung angeklickt wurde. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. An die logische Menüstruktur gewöhnt man sich schnell und möchte sie nicht mehr missen. Über kurz oder lang werden wir dieses Bedienkonzept bestimmt bald in ähnlicher Form auch bei anderen Premium-Herstellern vorfinden.

Recycling-Textilien zum Aufpreis von Leder

Das Raumangebot fällt um einiges größer aus als im Evoque. Vorne wie hinten stellt der Velar ein ordentliches Platzangebot bereit und packt in seinen Kofferraum mit 673 bis maximal 1.731 Litern ordentlich viel Gepäck rein. Wahlweise kann der Kunde anstelle von handschuhweichem Leder für das Interieur nun ebenso nachhaltige Textil-Materialien bekommen. Bei den Sitzpolstern im Flaggendesign des Union Jack erhalten beispielsweise alte Plastik-Getränkeflaschen eine neue Aufgabe und ein weiteres Leben.

Range Rover Velar 2017 Foto: Range Rover

Dass es sich um recyclte PET-Behälter handelt, sieht man den Velours-Sitzflächen nicht an. Gleiches gilt für die nachhaltigen Materialien an Cockpit, Armlehnen und den Türverkleidungen. Die extravaganten Stoffe in dezent gehaltenem Grau (Dapple-Grey) entwickelten die Briten zusammen mit den dänischen Textil-Designern von Kvadrat. Allerdings ist das extravagante Öko-Material nicht gerade günstig und liegt auf dem gleich hohen Preis-Level von allerfeinstem Windsor-Leder: In der Basisausführung sind dafür fast 2.600 Euro netto fällig.

Umfangreiche Motorenpalette

Drei Benziner und drei Diesel stehen für das Allrad-SUV zur Wahl. Alternative Antriebe wie einen Hybriden bietet Range Rover erst ab 2019 an. Dafür sind die Selbstzünder mit einer Leistung von 180, 240 und 300 PS so sauber wie es derzeit nur möglich ist und haben zur Senkung der Stickoxide eine Abgasnachbehandlung mit AdBlue und NOx-Speicherkat an Bord.

Der gefahrene Sechszylinder-Topdiesel gefällt mit einem seidenweichen Klang und bleibt auch unter Last angenehm leise. Vor allem aber sorgt der laufruhige Motor mit 300 PS und gewaltigen 700 Nm an Drehmoment für souveräne Fahrleistungen. Schon aus dem Drehzahlkeller geht der Velar D300 äußerst kraftvoll zur Sache. Bei Bedarf spurtet er in 6,5 Sekunden auf die 100er-Marke und rennt 241 km/h schnell. Doch bei all dem Fahrspaß dürfte der Normverbrauch von 6,4 Litern nur schwer zu schaffen sein. Nach unserer ausgiebigen Runde mit dem V6 quittierte der Bordcomputer eine Acht vor dem Komma.

Aber auch sonst überzeugt der Brite. Die Lenkung spricht präzise an und die Achtstufen-Automatik hat immer die passende Fahrstufe parat. Das adaptive Luftfahrwerk bietet mit seinen Verstellmöglichkeiten von Komfort bis Sport einen guten Kompromiss aus Federungssystem und Handlichkeit. Sensible Gemüter sollten jedoch die breiten 22-Zöller meiden. Mit den ausladend  großen Reifen spricht der Velar ziemlich steif auf derbe Unebenheiten an – aber nur dann. Wesentlich besser sind dagegen die kaum kleineren Aluräder im 21er-Format. Sie bringen spürbar mehr Geschmeidigkeit und Ruhe ins Auto.

Wo wir schon bei den Extras sind. Ob exquisites Soundsystem, Panorama-Glasschiebedach oder adaptiver Tempomat mit Frontkollisionswarner: Der Range Rover Velar lässt sich umfangreich sowie individuell gestalten. Der gefahrene Topdiesel D300 beginnt bei 55.798 Euro. In der Grundversion ist das Leder oder gar die Recycling-Polsterung noch nicht inbegriffen. Hinzu kommen fünf Ausstattungslinien. Sie merken, zum hohen Grundpreis gesellen sich noch viele verlockende Details, die den Preis weiter in die Höhe treiben. Aber das ist bei den deutschen Premium-Herstellern wiederum nicht anders.

Technische Daten
Range Rover Velar P380 Range Rover Velar D240 Range Rover Velar P250 Range Rover Velar D180 Range Rover Velar D300
Karosserie
Aufbau SUV SUV SUV SUV SUV
Zahl der Sitzplätze 5 5 5 5 5
Motor/Antrieb
Kraftstoff Super Diesel Super Diesel Diesel
Anzahl Zylinder 6 4 4 4 6
Hubraum 2.995 cm³ 1.999 cm³ 1.997 cm³ 1.999 cm³ 2.993 cm³
Leistung 280 kW (380 PS) bei 6.500/min 177 kW (240 PS) bei 4.000/min 184 kW (250 PS) bei 5.500/min 132 kW (180 PS) bei 4.000/min 221 kW (300 PS) bei 4.000/min
Drehmoment 450 Nm bei 3.500/min 500 Nm bei 1.500/min 365 Nm bei 1.200/min 430 Nm bei 1.500/min 700 Nm bei 1.500/min
Getriebe automatisch automatisch automatisch automatisch automatisch
Anzahl Gänge 8 8 8 8 8
Antrieb Allrad Allrad Allrad Allrad Allrad
Preis
Grundpreis ohne MwSt.Herstellerangabe 56.387 Euro 50.924 Euro 47.395 Euro 47.395 Euro 55.798 Euro
Ausstattung Velar Velar Velar Velar Velar
Abmessungen/Gewichte/Reifen
AußenmaßeLänge x Breite ohne Spiegel x Höhe 4.803 x 1.933 x 1.665 mm 4.803 x 1.933 x 1.665 mm 4.803 x 1.933 x 2.032 mm 4.803 x 1.933 x 1.665 mm 4.803 x 1.933 x 2.032 mm
Radstand 2.874 mm 2.874 mm 2.874 mm 2.874 mm 2.874 mm
Leergewichtvollgetankt inkl. 75 kg Fahrer 1.884 kg 1.841 kg 1.804 kg 1.829 kg 1.959 kg
Zuladung 656 kg 669 kg 666 kg 661 kg 651 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 2.540 kg 2.510 kg 2.470 kg 2.490 kg 2.610 kg
Reifengröße vorne 235/65 R 18 235/65 R 18 235/65 R 18 235/65 R 18 235/65 R 18
Reifengröße hinten 235/65 R 18 235/65 R 18 235/65 R 18 235/65 R 18 235/65 R 18
Fahrleistung und Verbrauch
Beschleunigung 0-100 km/h 5,7 s 7,3 s 6,7 s 8,9 s 6,5 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 217 km/h 217 km/h 209 km/h 241 km/h
VerbrauchHerstellerangabe 9,4 l/100 km 5,8 l/100 km 7,6 l/100 km 5,4 l/100 km 6,4 l/100 km
CO2-AusstoßHerstellerangabe WLTP 214 g/km 154 g/km 173 g/km 142 g/km 167 g/km
Effizienzklasse E B C A B
 
Slnr 105070 105067 105069 105066 105068
Betriebskosten
Range Rover Velar D180 Range Rover Velar D300 Range Rover Velar P250 Range Rover Velar D240 Range Rover Velar P380
Basisdaten
Ausstattungsversion Velar Velar Velar Velar Velar
Grundpreis ohne MwSt. 47.395 Euro 55.798 Euro 47.395 Euro 50.924 Euro 56.387 Euro
Teuerung während der Nutzungsdauer 7.549 Euro 8.887 Euro 7.549 Euro 8.111 Euro 8.981 Euro
Gebundenes Kapital 36.038 Euro 42.636 Euro 36.593 Euro 38.663 Euro 43.255 Euro
Feste Kosten pro Jahr
Kapitalverzinsung 3.027 Euro 3.581 Euro 3.074 Euro 3.248 Euro 3.633 Euro
Abschreibung 6.307 Euro 7.331 Euro 6.122 Euro 6.793 Euro 7.380 Euro
Kfz-Steuer 284 Euro 429 Euro 196 Euro 308 Euro 298 Euro
Typklasse HP/TK/VK 22/28/28 22/28/28 22/28/28 22/28/28 22/28/28
Haftpflichtversicherung * 2.617 Euro 2.617 Euro 2.617 Euro 2.617 Euro 2.617 Euro
Kaskoversicherung * 3.435 Euro 3.435 Euro 3.435 Euro 3.435 Euro 3.435 Euro
Unterstellung/Garage 559 Euro 559 Euro 559 Euro 559 Euro 559 Euro
Summe feste Kosten/Jahr 16.229 Euro 17.952 Euro 16.003 Euro 16.960 Euro 17.922 Euro
Summe feste Kosten/km 81,2 ct 89,8 ct 80,0 ct 84,8 ct 89,6 ct
Variable Kosten pro km
Kraftstoff 7,6 ct 9,1 ct 14,0 ct 8,1 ct 16,1 ct
Reifen 2,9 ct 2,9 ct 2,9 ct 2,9 ct 2,9 ct
Wartung und Reparatur 13,6 ct 14,6 ct 13,6 ct 13,9 ct 14,5 ct
Summe variable Kosten/km 24,1 ct 26,6 ct 30,6 ct 24,9 ct 33,6 ct
Gesamtkosten
Gesamtkosten pro km 105,3 ct 116,4 ct 110,6 ct 109,7 ct 123,2 ct
Quellenangabe Betriebskosten
Daten berechnet von Dekra Dekra Dekra Dekra Dekra
Stand 8/2017 8/2017 8/2017 8/2017 8/2017
Versicherung * Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
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