Fahrdienst Rocvin

Im Jaguar I-Pace durch Berlin

Thomas Mohnke Rocvin Foto: Werner Popp info@photo-pop

Thomas Mohnke ist überzeugt von Elektroautos. Jetzt chauffiert sein Fahrdienst Rocvin Politiker im neuen Jaguar I-Pace durch Berlin.

Schwarz, groß und leise schleicht sich der Wagen an. Es hat fast etwas Raubkatzenhaftes, auch wenn keinerlei Bedrohung von den neuesten Autos des Limousinenservice Rocvin ausgeht. Die zehn Jaguar sind die neueste Errungenschaft im Fuhrpark Rocvin, dem Unternehmen, das noch bis vor einem Jahr die Fahrbereitschaft des Bundestags stellte. Üblicherweise fahren die Chauffeure hier mit Anzug und Krawatte in einer Mercedes E- oder S-Klasse vor, für besonders zahlungskräftige Kunden stehen ein Maybach und ein Bentley bereit.

Elektroautos waren bisher keine adäquate Alternative. In einem Nissan Leaf oder Hyundai Ioniq ist schlicht zu wenig Platz, von einem Smart EQ ganz zu schweigen. So beließ es Geschäftsführer Thomas Mohnke bei Plug-in Hybriden, um wenigstens teilweise im städtischen Betrieb auf den Verbrenner verzichten zu können. Zu kurze Reichweiten machten diesem Modell aber schnell einen Strich durch die Rechnung. Wortwörtlich: Die Kosten lagen höher als bei den sparsamen Dieselmodellen.

Zur Übergabe kam sogar JLR-Chef Rolf Speth

Als Jaguar dieses Jahr den neuen I-Pace einführte, war Mohnke sofort Feuer und Flamme: »Weil der I-Pace von vornherein als Elektroauto konstruiert wurde, hat er hinten so viel Platz wie eine Luxus­limousine.« Zur Übergabe der zehn schwarzen Autos kam sogar der Vorstandsvorsitzende von Jaguar Land Rover, Ralf Speth. Mit 90 kWh im Akku schafft der britische SUV laut WLTP-Norm 480 Kilometer. Genug für einen Tag im Fahrservice?

Das müsse sich erst noch zeigen, meint Mohnke. Rocvin hat die Autos zwar über einen Rahmenvertrag gekauft, aber eine einjährige Buy-back-Option herausgehandelt. Denn bisher gibt es noch keine Erfahrungswerte für Elektroautos im Chauffeur­geschäft. Die Fahrer sind immer 15 Minuten vor der vereinbarten Zeit am Treffpunkt und warten auch zwischen zwei Fahrten oft auf den Kunden. Währenddessen laufen Klimaanlage, Heizung und Radio und ziehen Strom aus dem Akku. Damit die Autos dennoch jeden Tag einsatzfähig sind, muss die Stromversorgung sichergestellt sein. Am zentral gelegenen Unternehmenssitz in Berlin-Mitte stellte Rocvin daher acht Ladesäulen mit 16 Anschlüssen auf. Dort können die Elektroautos nach Schichtende mit 22 Kilowatt Strom zapfen.

Nach wie vor gehören viele Politiker zum Kundenstamm. Manche lassen sich auch mal längere Strecken chauffieren. Dafür müssen dann doch die herkömmlich angetriebenen Autos herhalten. Insgesamt hat Safe Driver etwa 155 Autos im Einsatz. Nicht alle für den Limousinenfahrdienst Rocvin. Gut die Hälfte ist für das Tochterunternehmen Enno im Einsatz. Diese Toyota Auris Sports Tourer Hybrid laufen jährlich gut 70.000 Kilometer im Mietwagenbetrieb und sind über eine eigene App buchbar. Auch für diesen Unternehmenszweig plant Mohnke den Einsatz von E-Autos. Ein Nissan Leaf fährt schon, auf andere wie den Hyundai Ioniq Elektro wartet das Unternehmen wegen der langen Lieferzeiten noch.

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Um deren sicheren Betrieb zu garantieren, kooperiert Safe Driver in Düsseldorf mit den Stadtwerken beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur. Zudem werden die Elektroautos nur schrittweise eingeführt. Damit einher geht ein neues Beschaffungsmodell: Bisher kaufte Safe Driver fast alle Fahrzeuge. Nach einer Haltedauer von sechs bis zwölf Monaten wurden die gut gepflegten Autos über eine eigene Gebrauchtwagenplattform abgestoßen. Inzwischen stellt das Unternehmen aber auf Leasing um, um das Verkaufsrisiko nicht tragen zu müssen.

Die rund 400 Mitarbeiter sind aber dennoch nicht alle als Fahrer angestellt. So kümmert sich eine eigene Disposition um den Einsatz der Fahrzeuge. Die Organisation läuft über eine Pool-Struktur, jedes Fahrzeug ist täglich im Fünfschichtbetrieb unterwegs. Mit ständig wechselnden Fahrern. Damit Sauberkeit und Zustand nicht auf der Strecke bleiben, gibt es einen eigenen Werkstattbereich sowie eine eigene App. Über die muss jeder Fahrer den Zustand des Autos dokumentieren. So will das Unternehmen sicherstellen, dass auch die Jaguar I-Pace in einem Jahr im neuwertigen Zustand an den Hersteller zurückgehen. Und wenn die Anfangsbegeisterung anhält, ist den Briten ein.Folgeauftrag sicher. Künftig schleichen dann also noch mehr schwarze Limousinen lautlos über Berlins Asphalt.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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