Fahrzeug desinfizieren

Seife gegen Viren

Fahrzeugreinigung Foto: mobilianz.de 5 Bilder

Fuhrparkhygiene: Poolfahrzeuge mit scharfen Desinfektionsmitteln virenfrei halten zu wollen, ist keine gute Idee – und kann teure Folgen haben.

Selten dürften die Innenräume von Dienstwagen sauberer gewesen sein als in diesen bewegten Zeiten. Schließlich sollten vor allem Poolfahrzeuge, die mehrere Mitarbeitern kollektiv nutzen, nach jedem Fahrerwechsel gründlich gereinigt werden. Nur dann haben die Viren keine Chance, zu überleben. Die Branche weiß das natürlich längst und handelt entsprechend, wie eine Umfrage des Fuhrpark-­Softwareanbieters Vimcar zeigt. Demnach haben 82 Prozent der Befragten in ihrem Unternehmen Maßnahmen zur Desinfektion der Fahrzeuge veranlasst. Ob die tatsächlich auch durchgeführt werden, wird allerdings nur von 13 Prozent der Befragten handschriftlich und nur von fünf Prozent digital dokumentiert.

Die Dokumentation ist nur das eine, denn auch bei der gründlichen Reinigung des Innenraums kann man vieles falsch machen. Manche Reinigungsmittel bekommen den Ober­flächen im Fahrzeug gar nicht gut. Desinfektionsmittel etwa mögen ja im Haushalt das Maß der Dinge im Kampf gegen das Virus sein, im Auto ist ihr Einsatz dagegen weniger ­ratsam. "Desinfektionsmittel können empfindliche Materialien beschädigen und Vermattungen, Flecken oder Versprödungen verursachen", sagen die Experten von Sonax, einem Hersteller von Autopflegemitteln.

Ledersitze etwa sind sehr sensibel. Auch sie mögen keine hochprozentigen Desinfektionsmittel, weil das Material sonst austrocknet. Desinfektionsmittel mit hohem Lösungsmittelanteil lösen sogar die Farbe ab.

Was aber tun in Zeiten von Covid-19, da Unternehmen eine ganz besondere Fürsorgepflicht gegenüber der Belegschaft haben? Wie reinigt man einen Fahrzeuginnenraum ohne chemische Keule? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt gegen Sars-CoV-2-Viren im Auto den Einsatz einfacher Handseife oder von Geschirrspülmittel. Die darin enthaltenen Chemikalien sollen das Virus abtöten. Viren sind nämlich von einer schützenden Fettschicht umgeben. Die Tenside der Reinigungsmittel lösen diese Schicht auf und zerstören so den Erreger.

Coulerlock Foto: lederzentrum.de
Das Lederzentrum.de hat sich auf Lederpflege spezialisiert. Der unter der Marke Colourlock angebotene Hygienereiniger kommt fast ohne Alkohol aus. Die Viren durch Tenside abgetötet, ähnlich wie beim Händewaschen mit Seife. Dank des niedrigen pH-Werts soll das Mittel Leder nicht angreifen.

Auf diese Wirkung setzt etwa der Hygiene­reiniger Colourlock, der gegen Viren und Bakterien gleichermaßen helfen soll. Sein Hersteller, das Lederzentrum, verwendet die Rezeptur nach eigenen Angaben bereits seit zehn Jahren erfolgreich im zahnmedi­zinischen Bereich. Im Gegensatz zu Desinfektionsmitteln enthalte der Hygienereiniger nur rund fünf ­Prozent Alkohol – gegen bestimmte Viren, denen man anders nicht zu Leibe rücken kann. »Alle anderen Viren sterben durch die Tenside ab«, erklärt Geschäftsführer Lars Pickhardt. "Das ist wie beim Händewaschen: Seift man lange genug ein, überlebt das kein Virus." Das Mittel sei von einem neutralen Institut chemisch getestet und greife selbst feines Leder nicht an, weil es einen ähnlich niedrigen pH-Wert habe, verspricht Pickhardt, der mittlerweile auch Großflotten zu seinen Kunden zählt. Zudem könne man es auf allen Oberflächen ­verwenden.

Auch André Zaenker vom Fuhrparkdienstleister Mobilianz hat sich Gedanken zur Fahrzeugübergabe gemacht. Er empfiehlt die Säuberung von Firmenwagen in acht Schritten: Nach der Reinigung von Sonnenblenden und Rückspiegel ist das Armaturenbrett dran. Von der Mittelkonsole geht es weiter zum Lenkrad samt den Bedienelementen. Nach Gurtschloss und Gurtschnalle geht es an die Sitzeinstellung. Anschließend sind noch die Türen (innen) sowie Türgriffe und Türholme außen wie auch die Kofferraumöffnung innen und außen ­fällig.

Fahrzeug plus ­Hygieneprotokoll Foto: mobilianz.de
Mobilianz entwickelt Lösungen für sichere Mobilität. Das Paket "Hygiene-einfach-machen" enthält keine Reiniger, sondern leicht verständliche Anleitungen, wie man den Innenraum eines Autos in acht Schritten desinfiziert.

Das unter anderem auf Verkehrssicherheitstrainings spezialisierte Unternehmen bietet ein einfaches, analoges Hygieneset an. Ein Sticker im Auto zeigt an, was alles gereinigt werden muss. Daran können sich die eigenen Kollegen oder die Mitarbeiter eines externen Reinigungsteams orientieren. Am Ende klebt man den Alles-erledigt-Sticker drauf und zeigt dem nächsten Fahrer, dass alles in Ordnung ist. Ein beiliegendes Fahrzeughygieneprotokoll soll im Zweifel die Reinigung gegenüber Behörden dokumentieren.

Höchste Zeit also, die eigenen Prozesse zu überdenken. Schließlich können Flecken oder Materialschäden bei der Rückgabe des Leasingfahrzeugs zum Problem werden. Bereits vor Corona zählte dieser Prozess nicht gerade zu den Highlights des Fuhrparkmanagers. Oft gab es Streit darum, was als gebrauchsüblicher Mangel durchgeht und was nicht.

Gut, wenn sich die Leasingrückgabe an Standards festmachen lässt. Hilfreich ist beispielsweise die "Faire Fahrzeugbewertung" des Verbands der marken­unabhängigen Mobilitäts- und Fuhrparkmanagementgesellschaften (VMF) oder der Dekra-Schadenkatalog "Fair Return" für Pkw. Aber auch dort steht unmissverständlich, dass starke Farbveränderungen, wie sie durch die Verwendung ungeeigneter Reinigungsmittel entstehen können, nicht akzeptiert ­werden.

Solche Lösungen helfen aber nur, wenn man auch an die regelmäßige Desinfektion denkt. Deshalb empfiehlt es sich, Termine zur Reinigung im Fuhrparkmanagementsystem zu hinterlegen und sie bei Poolfahrzeugen zum Standard bei jedem Fah­rerwechsel zu machen. Ausreden und Viren haben bei dieser digitalen Kontrolle dann wirklich keine ­Chancen.

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