Firmenwagen-Klassiker Renault Espace

TGV für die Straße

Opel Kadett E Foto: Opel 6 Bilder

Autos, die jeder kennt. Fahrzeuge der Kindheit, erstes eigenes Auto, unvergessener Dienstwagen: Renault Espace.

Frankreich besitzt die Gabe, den Rest der Welt hin und wieder mit echten Krachern zu düpieren. Die MS France, die Caravelle oder der TGV − bahnbrechende Projekte ihrer Zeit für Wasser, Luft und Schiene. 1984 kam die ­Revolution für die Straße: der Renault Espace.

Ursprünglich war das Auto als Nachfolger des Talbot-Matra Rancho gedacht und damit im Grunde zum Scheitern verurteilt. Nicht weil das Konzept schlecht war, sondern Matra notorisch klamm. Der technische Leiter von Matra, Philippe Guédon, schnappte seine Unterlagen und zeigte sie 1982 dem damaligen Re­nault Chef Bernard Hanon. Der erkannte das Potenzial und gab grünes Licht für eine Serienfertigung durch Matra mit Technik von Renault.

Dank der Idee von Produktionschef Jacques Cheinisse erhielt das Auto noch Sitze für sieben Leute. Oder für drei. Oder zwei. Oder fünf. Bis auf die Vordersitze waren alle Sessel ruckzuck ausgebaut. Fahrer und Beifahrersitz ließen sich drehen. Die Fachwelt war verwirrt.

Der Espace stellt die Autowelt auf den Kopf

Bei "auto motor und sport" lief der erste Test noch unter der Rubrik "Kleinbusse". Erstaunt bescheinigten die Tester dem Espace, dass er sich "wie ein normales Auto durch Kurven dirigieren lässt". Sogar limousinenhaft, dank einzeln aufgehängter Vorderräder und der Verbundlenkerhinterachse. Aus normalen Autos wie dem Renault 25 stammten auch die Motoren, darunter ein knackiger Zwei-Liter-Benziner mit 110 PS.

Alles andere als normal war die Karosseriekonstruktion. Ein galvanisiertes Stahlgerippe als Tragestruktur wurde mit Kunststoffpaneelen verkleidet. Das war dann doch des Guten zu viel. Im ersten Verkaufsmonat gingen exakt neun Bestellungen ein. Die staatlichen Firmeneigner im Élysée-Palast wurden ungeduldig, die eingemotteten Guillotinen im Keller schon mal freigeräumt. Renault Chef Hanon aber hielt allen Nasenrümpfern den Spiegel vor: "Zu diesem Auto kommt man, wenn man alle automobilen Eitelkeiten beiseite lässt." Das Volk besann sich, noch im ersten Jahr orderten 6.000 Käufer ihren Espace. Die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf. Stückzahl bis heute: mehr als 1,2 Millionen.

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