Firmenwagenklassiker BMW Isetta

Überraschungsei

BMW Isetta Foto: Archiv 4 Bilder

Als der Kfz-Führerschein noch etwas Besonderes war, kam die Isetta von BMW auf dem Markt. Prominentester Isetta-Besitzer und Fan war ab 1957 Elvis ­Presley. Neben dem König des Hüftschwungs gab es noch 161.629 weitere Käufer.

Falls Sie noch ein Bonmot suchen fürs nächste Benzingespräch unter Kollegen: Welches Auto war bei Post, Lufthansa oder Polizei genauso unterwegs wie in der ­Pri­vatwirtschaft, etwa für das ­Verlagshaus Henri Nannen? Verneinen Sie die üblichen ­Verdächtigen wie Kadett oder Käfer. Die Antwort lautet BMW Isetta, das Überraschungsei aus italienischem Stall.

Überraschungsei für 2.300 DM

Erfinder dieses Autos war eigentlich der Mailänder Kühlschrank- und Mopedhersteller ISO. BMW bot das Gefährt ab 1955 zu Kampfpreisen von knapp 2.300 Mark an, was etwa dem Gegenwert des Motorrades R 25/3 aus gleichem Hause entsprach. Aus diesem Zweirad stammte auch der auf zwölf PS gedrosselte 250er Einzylinder-Viertakter. Weitere Zutaten: Bing-Vergaser, Einscheiben-Trockenkupplung von Sachs, Zwölf-Volt-Anlage, elektrischer Anlasser, 85 km/h. Noch Fragen? Ja: Wie konnte eine solche Konstruktion mit Fronteinstieg 161.630 Käufer finden?

Es waren halt andere Zeiten. Solche, in denen ein "echter" Führerschein noch alles andere als selbstverständlich war. Die Isetta aber ließ sich mit der ­kleinen Klasse 4 (bis 250 ccm) steuern. Somit durfte plötzlich mancher Lehrling, Jungmitarbeiter oder Kriegsversehrte hinters Steuer eines dienstlich genutzten Autos. Und war damit in angesagter Gesellschaft. Prominentester Isetta-Besitzer und Fan war ab 1957 Elvis ­Presley, der König des Hüftschwungs.

Freude haben, Kosten sparen, BMW Isetta fahren

Apropos Hula-Hoop: Eine Isetta zu fahren war durch­aus schweißtreibend, vermittelte sie doch das Gefühl, in einem Flummi zu reisen. Der Radstand von nur anderthalb ­Metern trug wesentlich zum Spitznamen Schlaglochsuchgerät bei. Doch konnte niemand einem Auto ernsthaft böse sein, dessen Farben Kornblumenblau oder Resedagrün hießen. Und für den man mit dem Slogan "Freude haben, Kosten sparen, BMW Isetta fahren" warb. So blieb die kleine Knutschkugel bis 1962 im Programm. Am Schluss war sie ausgerechnet jenem Auto unterlegen, dessen Dingolfinger Hersteller später im BMW-Konzern aufging: dem Goggomobil.

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