Firmenwagenklassiker Fiat 127

Lief gut

Fiat 127, Werbung Foto: Archiv 9 Bilder

Eine Rostbeule macht Weltkarriere. Der Fiat 127 verkaufte sich etwa fünf Millionen Mal und wurde in Brasilien noch bis 1996 gebaut.

Die Fachjury wählte 1971 mit dem Fiat 127 ein Importfahrzeug zum "Auto des Jahres". Zu Recht – der Wagen schickte sich an, für Jahre das meistverkaufte Auto Europas zu werden. Frontantrieb, quer eingebauter Motor und Einzelradaufhängung rundum waren Argumente, die auch in Deutschland zogen. Zumal der Preis von 4.865 Mark netto so manchen über den Gang zur neu gegründeten Fiat-Bank nachdenken ließ. Die 900-Kubik-Motörchen drosselte Fiat in Deutschland zugunsten günstigerer Versicherungsprämien von 47 auf 45 PS.

Konkurrenzlos großes Kofferabteil

Dennoch konnte der Wagen mit 140 km/h sogar einem Ford Escort oder Opel Rekord enteilen. Das Kofferabteil von 365 Litern (bei umgelegter Rückbank sogar 1.070) machten ihn fast konkurrenzlos. Zu Beginn der Ölkrise änderte Fiat die Verdichtung und bot eine 40-PS-Sparversion an, die mit Normalbenzin fuhr. Damit verbrauchte er ein Drittel weniger als ein 1200er Käfer. Ein Fanal für manche Flotten. Sparkassen-Vereine oder Landestotogesellschaften machten den Fiat 127 zum gemeinnützigen Fortbewegungsmittel. Und kaum ein Markenprodukthersteller ließ es sich nehmen, den flotten Flitzer als Hauptgewinn eines Preisausschreibens auszuloben.

In Jugoslawien hieß er Yugo

In Turin zeigte man sich durch die Millionenabsätze derart beflügelt, dass es fortan nichts gab, was es nicht gab: 1978 eine Sport-Version mit 
70 PS, ab 1979 eine Top getaufte Faltdachvariante und 1980 sogar einen Kombi namens Panorama. Selbst Dieselfreunde fanden einen 1,3-Liter-Brummer. Er war der kleinste Selbstzünder seinerzeit. Während sich in Deutschland der Nachfolger Uno (ab 1983) ankündigte, feierte der 127 andernorts fröhliche Urständ. In Jugoslawien wurde er zur Basis des Yugo und fand so trotz katastrophaler Verarbeitung unzählige Liebhaber auf dem Balkan. In Brasilien und Argentinien baute Fiat den 127 sogar bis 1996. Insgesamt dürften global mehr als fünf Millionen Autos vom Band gerollt sein. Überlebt hat so gut wie keiner. Der Rost wütete derart, dass spätestens Drittbesitzer beste Rundumsicht genossen. Mit Blickkontakt zum Asphalt.

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