Alles über Flotte 2020
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Fuhrparkmanagement

Travel und Fleet wachsen zusammen

Das Fuhrparkmanagement steht vor Veränderungen: Digitalisierung, Mobilitätswandel und Konsolidierung von Fleet und Travel. Wie Flottenabteilungen in Zukunft arbeiten.

Merck ist das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt. Heute arbeiten 50.000 Mit­arbeiter an biopharmazeutischen Therapien zur Behandlung von Krebs und produzieren Flüssigkristalle für Smartphones. Das Traditionsunternehmen ist äußerst innovativ, auch in der internen Organisation. Schon vor neun Jahren hat das Unternehmen mit Zentrale in Darmstadt Fleet und Travel zusammengelegt. »Synergien sind zwar da, doch die sind noch gering«, sagt Christoph Carnier, Head of Procurement Category Travel, Fleet & Events. Der Manager ist zudem Mitglied im Präsidium des Verbands Deutsches Reisemanagement. 780 Flottenfahrzeuge hat Merck in Deutschland. »Durch den Zusammenschluss entstehen Synergien, durch die anstelle von Mietwagen auf Poolfahrzeuge zurückge­griffen wird.« So ist der Fuhrpark besser ausgelastet.

Flexibler reisen mit virtuellen Kreditkarten

Eine Veränderung stellt Carnier bei den Merck-Mitarbeitern im Nutzungsverhalten von Fahrzeugen fest: "Mobilität be­inhaltet nicht nur das Auto, sondern auch Bahn und Fahrrad." Noch verbinden Fahrer ein Auto mit Unabhängigkeit, doch die Verschiebung werde weiter zunehmen. "Aus Kosten- und Zeitgründen macht das Auto in Städten zunehmend weniger Sinn." Ständige Staus und zähe Parkplatzsuche vermiesen die Freude auf vier Rädern. Davon profitieren die Alternativen. Mobilitäts-Apps, wie die der Daimler-Tochter Moovel, bündeln die Angebote unterschiedlicher Mobilitätsdienstleister und bieten die Möglichkeit, verschiedene Verkehrs­mittel im Hinblick auf Fahrtdauer und Kosten miteinander zu vergleichen und zu kombinieren. Moovel beinhaltet Carsharing-Angebote Car2go von Daimler und Flinkster der Bahn sowie Mytaxi, Mietfahrräder und die Deutsche Bahn. Das kann man zwar alles kombinieren, doch sind die Inhalte auf die Lösungen von Daimler und der Bahn beschränkt. "Das viel größere Problem aber ist, dass die Angebote nur in Ballungszentren und nicht in der Fläche abgedeckt werden", sagt Carnier. Auf dem Land ist Mobilität noch wichtiger als in Städten, wo es viel mehr Möglichkeiten im öffentlichen Verkehrsnetz gibt.

Eine Alternative zu Moovel sind für Merck virtuelle Kreditkarten, die von dem Unternehmen mit einem festen Budget fürs Fahren und Reisen geladen werden sollen. Der Mitarbeiter kann die Dienste dann mit dem Smartphone freischalten. Über solche Angebote führt Merck Gespräche mit Anbietern. Zur mobilen Flexibilität der Mitarbeiter gehört für Carnier nicht nur die Wahl des Verkehrsmittels, sondern auch dessen Art: heute mit dem Elektroauto zur Arbeit, in zwei Wochen mit dem Kleinbus in den Urlaub und in drei Monaten mit dem Partner im Cabrio ins Wochenende. "Solche Wahlmöglichkeiten gibt es zwar schon, doch sind die mit doppelten Kosten verbunden." Abhilfe schaffe die Digitalisierung, also die Abbildung und Vernetzung aller Mobilitätsprozesse. "Die Lösungen werden künftig flexibler, einfacher, vernetzt und schließlich transparent sein", mutmaßt Carnier. Dann sind auch Änderungen leichter durchzuführen, etwa wenn Stau ist.

Überschneidungen von Fleet- und Travelabteilungen

Viele Unternehmen sehen einen hohen Verwandtschaftsgrad von Travel und Fleet. "Die Nutzung von Synergien beobachten wir sehr genau", sagt René Zymni, Vice President Strategic Accounts & The Practice Network von BCD Travel in Bremen. BCD hilft Unternehmen, das Potenzial ihrer Reisekosten voll auszuschöpfen. Die mögliche Bandbreite einer Zusammenlegung von Travel und Fleet reiche von einer organisatorischen Zusammenführung beider Bereiche über die Harmonisierung der Fuhrpark- und Reisericht­linie bis hin zur Nutzung einzelner Prozessüberschneidungen, zum Beispiel in Bezug auf Genehmigungen. "Travel- und Fleet-Manager sind gefordert, eine auf die Zukunft gerichtete Prozesslandschaft zu gestalten, in der sich heutige und künftige Services integrieren lassen." Das ist Mobilitätsmanagement mit Weitsicht.

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Heute Familienauto, morgen Cabrio - Mitarbeiter stellen heute mehr Anforderungen an einen Firmenwagen als früher. Dem muss das Flottenmanagement gerecht werden

Dass Fuhrpark- und Travelmanagement zusammenwachsen, davon geht auch Vinzenz Pflanz aus, als Chief Sales Officer bei Sixt Leasing SE für den Vertrieb zuständig. "Es sind zwar heute noch unterschiedliche Abteilungen, deren übergeordnete Leitung liegt aber häufig schon in einer Hand." Sixt Leasing SE mit Sitz in Pullach ist international im Flottenmanagement und -leasing für Privat- und Geschäftskunden tätig. Pflanz prognostiziert eine Elektrifizierung und Entbündelung von Mobilitätslösungen in Abhängigkeit von der Reife des jeweiligen Marktes. Mit Elektrifi­zie­rung meint er die Digitalisierung des Fuhrpark- und Reisemanagements. "Ich gehe davon aus, dass diese Bereiche in zehn bis 15 Jahren vollständig elek­tro­nisch und vernetzt sind." Dies beinhalte im Fleetbereich die vollständig papierlose Abwicklung des gesamten Dienstwagenprozesses bei vollständiger Kos­tentransparenz. Dazwischen werde es unterschiedliche Lösungsstufen geben.

Entbündelung der Wertschöpfungs­ketten

Beim anderen Punkt geht es um die Entbündelung der Wertschöpfungs­ketten, indem beispielsweise aus den Leasingverträgen die Reifen ausgenommen und einem Spezialisten, etwa Euro­master, übergeben werden. "Elektrifizierung und Entbündelung sind zwar unter­schied­liche Prozesse, doch begünstigt Elek­tri­fizierung die Entbündelung." Es sei die Aufgabe von Fuhrparkmanagern, Wertschöpfungsketten zu trennen und die Margen somit transparent zu machen.

Pflanz stellt fest, dass das Fuhrpark­management momentan im Markt auf ­großes Interesse trifft. Einerseits wachsen die Anbieter stark, andererseits kaufen sich bislang branchenfremde Unternehmen in den Markt ein. "Faci­li­ty­management- oder Reiseunternehmen übernehmen Fuhr­park­manage­ment­­gesell­schaf­ten oder auch technische Anbieter wie Tom  Tom, weil sie sich davon einen zusätzlichen Absatzkanal erhoffen." So hat Mitte vergangenen Jahres Daimler das Auto-Leasing-Geschäft der niederländischen Rabobank gekauft. Die Sparte mit dem Namen Athlon hat rund 250.000 Fahrzeuge in elf europäischen Ländern im Bestand.

Daimler ist ein gutes Beispiel dafür, dass das Auto künftig nur noch ein Baustein in der Mobilität neben ande­ren, häufig Dienstleistungen, ist. Und da­durch, dass Travel und Fleet eins werden, wächst zusammen, was organisatorisch zusammengehört.

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Datum

1. Mai 2017
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