Ford Mustang Convertible 5.0 V8 GT im Test

Big Block

Ford Mustang Convertible 2015 Foto: James Lipman 25 Bilder

Nach über 50 Jahren gibt es den Mustang offiziell in Deutschland. Sofern man einen bekommt. FIRMENAUTO gab dem 5.0 V8 die Sporen.

Vor kurzem meldete Autoscout24: Für keinen anderen Neuwagen interessieren sich Nutzer der Online-Plattform so sehr wie für den Ford Mustang. Wen wundert’s? Erst seit zwei Jahren ist diese Legende auf Rädern offiziell in Europa zu bekommen, und die Kunden stehen bei den Ford-Händlern Schlange. Da wollen wir doch wissen: Könnte man solch ein Auto als Firmenwagen empfehlen?

Dazu liefert uns Ford ein stahlblaues Mustang Cabrio, und zwar gleich das richtige mit fünf Liter Hubraum, acht Zylindern und 421 PS. Klingt unvernünftig, ist aber die adäquate Motorisierung für ein Auto, dessen Ruf sich maßgeblich auf einen soliden Big Block unter der langen Motorhaube gründet. Die Alternative wäre ein auf 317 PS aufgeblasener Vierzylinder. Doch den ziehen höchstens spitzgriffelige Controller in Betracht, denen der Sinn für automobile Tradition fehlt.

Der offene Mustang kostet 3.780 Euro mehr

Was uns gleich zum Kapitel Kosten führt. Knapp 32.000 Euro netto verlangt Ford für das Fastback genannte Coupé. Das Cabrio ist 3.780 Euro teurer. Wer auf den Mustang GT mit der Wucht von acht Zylindern setzt, muss nochmals gut 5.000 Euro drauflegen. Zusätzlich gibt’s noch ein paar ausgewählte Extras wie Soundystem, Navi oder Ledersitze, die man am besten in Form des 2.100 Euro teuren Premiumpakets mitbestellt. Unser blauer Convertible kommt so auf etwas über 42.000 Euro. Oder anders gerechnet: Ein Mustang-PS kostet ziemlich genau 100 Euro. Da fährt man bei der Konkurrenz richtig viel teurer. Für das 400 PS starke F-Type Cabrio 3.0 verlangt Jaguar fast 90.000 Euro, ein Audi S5 Cabriolet mit 354 PS kommt auf mindestens 57.000 Euro.

Ford Mustang Convertible 2015 Foto: James Lipman
Ja, der Mustang ist so schnell wie er aussieht.

Ähnlich wie Porsche beim 911 hat es Ford beim Mustang verstanden, das Design im Laufe der Jahre zwar weiterzuentwickeln, ohne es zu verwässern. Der Mustang 2017 duckt sich so tief und breit auf den Asphalt wie bei seiner Einführung 1964, verbindet dabei modernes Design mit Retroelementen. Dazu gehören das galoppierende Pferdchen im Kühlergrill ebenso wie die Motorhaube mit ihren prägnanten Längsfalten oder die dreigeteilten Rückleuchten.

Das elektrische Dach funktioniert nur im Stand

Also nichts wie rein in den Viersitzer und mit einem Handgriff das mehrschichtige Dach entriegeln, das sich im Nu elektrisch angetrieben aufs Heck faltet. Allerdings nur im Stand. Der Blick fällt auf ein klassisches Armaturenbrett: Rundinstrumente, tief sitzender Touchscreen, verchromte Kippschalter, Handbremshebel. Spielereien wie elektronische Parkbremse oder virtuelle Instrumente verkneift sich das Cabrio. Sein Herz schlägt vorne, unter der gewaltigen Motorhaube, laut und mächtig.

Auf Knopfdruck schütteln die acht Töpfe des Big Block kurz den ganzen Vorbau des Wagens, um dann im Leerlauf dumpf vor sich hin zu brabbeln. Allein der Sound dürfte für viele Käufer den Ausschlag geben, den Vierzylinder links liegen zu lassen. Erster Gang rein, Kupplung, gleich in den zweiten und so fort – das Ganze fühlt sich allerdings etwas sperrig an. Wer die Schaltempfehlung im Cockpit beherzigt, kommt kaum hinterher. Die 530 Nm dieses Big-Block-Saugers sind bestes Beispiel dafür, dass Hubraum durch nichts zu ersetzen ist. Theoretisch kannst Du mit dem Mustang zahm im fünften Gang bei weniger als 1.000 Umdrehungen durch die City cruisen, nur um ihm hinterm Ortsschild ohne Zurückschalten die Sporen zu geben.

In der Praxis bleibt der V8 unter den Verbrauchswerten

Dann geht’s nur noch stramm vorwärts. Der Motor schiebt und schiebt, während die Karosserie förmlich auf der Straße klebt. Die Differenzialsperre sorgt für genügend Traktion an der Hinterachse, Brembo-Bremsen für die Verzögerung und das ESP wird zum willkommenen Notanker, nicht nur auf rutschigen Straßen. Zumal man auf keine weiteren Fahrhilfen hoffen darf. Es gibt Parkpiepser hinten und eine Rückfahrkamera, doch weder Spurhalter, Totwinkel-Warner, Abstands-Tempomat noch Notbremsassistent. Der Mustang ist ein Fahrer-Auto, das die ganze Konzentration des Piloten verlangt. Auf der Landstraße oder Autobahn ebenso wie im engen Parkhaus.

Ford Mustang Convertible 2015 Foto: James Lipman
Nettes Gimmick: Im Fahrprogramme Rennstrecke kann man die Vorderachse sperren und im Stand die Reifen qualmen lassen. Aber bitte nicht auf öffentlichen Straßen

Ganz ohne Elektronik geht’s aber doch nicht: So lassen sich die Lenkkraft einstellen und diverse Fahrprogramme vorwählen, bis hin zur Rennstrecken-Simulation. So blockiert der Wagen auf Knopfdruck die Vorderräder. Wer die Sperre aktiviert, kann an der Ampel mit einem Burn-out die Umgebung einnebeln.

In Sachen Komfort dagegen gibt sich der Mustang handzahm. Das Fahrwerk meint es gut mit den Passagieren, die auf weichen, gut geformten und elektrisch verstellbaren Klimasitzen untergebracht sind. Die Aerodynamik passt ebenso: Bei 130 km/h zupft der Wind ordentlich, aber nicht unangenehm am Haupthaar. Viel schneller wollen wir es aus Rücksicht auf das Spritbudget nicht angehen. Bei Autobahntempo 130 bis 150 bleibt der V8 mit gut elf Litern sogar unter der Werksangaben von 13,6 Liter. Mehr geht leicht, weniger dank langem sechsten Gang aber auch.

Der Rest ist schnell erzählt: Ausstattung? Top, abgesehen von den fehlenden Assistenten. Xenon, Klima, Soundsystem – alles drin. Kofferraum? Sehr ordentlich (332 Liter). Verarbeitung? Im sichtbaren Bereich in Ordnung. Aber solch fette Schweißnähte wie im Kofferraum haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Materialien? Viel Luft nach oben. Bedienung? Oh je. Spiegelnder Touchscreen, Mini-Anzeigen, unlogisches Menü. Preis-Leistungsverhältnis? Sensationell. Und dank der hohen Nachfrage dürfte sich auch der Wertverlust in Grenzen halten.

Ford Mustang Convertible 2015 Foto: James Lipman
Klassische Mustang-Heckansicht mit dreigeteilten Rückleuchten.
Technische Daten
Ford Mustang 5.0 Ti-VCT V8
Karosserie
Aufbau Cabrio
Motor/Antrieb
Kraftstoff Super
Preis
Gundpreis ohne MwSt. 40.756 Euro
Ausstattung GT
Abmessungen/Gewichte/Reifen
Außenmaße(Länge x Breite ohne Spiegel x Höhe) 4.784 x 1.916 x 1.394 mm
Kofferraumvolumen 332 l
Leergewicht(vollgetankt inkl. 75 kg Fahrer) 1.830 kg
Zuladung 311 kg
Tankinhalt 61 l
Reifengröße vorne 255/40 R 19Y l
Reifengröße hinten 275/40 R 19Y l
Fahrleistung und Verbrauch
Beschleunigung 0-100 km/h 4.8 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 13,6 l/100 km
firmenauto-Verbrauchsrunde (200 km) 12.80 l/100 km
Testverbrauch 12.80 l/100 km
CO2-AusstoßHerstellerangabe WLTP 306 g/km
Effizienzklasse G
Betriebskosten
20.000 km/60 Monate 40.000 km/36 Monate
Basisdaten
Ausstattungsversion GT GT
Preis ohne MwSt. 40.756 Euro 40.756 Euro
Teuerung während der Nutzungsdauer 6.491 Euro 3.779 Euro
Gebundenes Kapital 32.391 Euro 32.732 Euro
Variable Kosten
Kraftstoff 15,8 ct 15,8 ct
Reifen 3,7 ct 3,7 ct
Wartung und Reparatur 13,9 ct 7,8 ct
Summe variable Kosten/km 33,4 ct 27,3 ct
Gesamtkosten
Gesamtkosten pro km 106,5 ct 70,1 ct
Quellenangabe Betriebskosten
Daten berechnet von Dekra Dekra
Stand 6/2017 6/2017
Versicherung Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
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