Fuhrpark-Versicherung

Jeder Schutz ist individuell

Versicherungs Engel Foto: Denisismagilov

An Fahrzeugflotten verdienen Versicherungen immer noch wenig. Experten prognostizieren daher eine härtere Gangart. Flottenmanager profitieren allerdings von dem harten Wettbewerb. Die Übersicht zeigt, was die Versicherungen Fuhrparkbetreibern bieten.

Das Gute vorweg: Auf negative Schadenverläufe reagieren die Versicherer zwar mit Sanierungen und höheren Selbstbeteiligungen. Weil Assekuranzen dennoch um den Zuschlag bei Flotten buhlen, bleibt es weiterhin leicht, einen Versicherer zu finden. Das ist zumindest die einhellige Meinung von Experten aus der Branche. Vorausgesetzt, es wird "clever und individuell" verhandelt, wie Denis Gommel vom Versicherungsmakler Aon erläutert. Es gebe durchaus Wettbewerb. Dass sich ein Vergleich lohnen kann, zeigt auch die Umfrage von firmenauto unter den rund 20 Flottenversicherern auf dem deutschen Markt. Es werden sehr unterschiedliche Flottenmodelle angeboten. Gleichzeitig sind fast alle Assekuranzen bereit, auch Kleinflotten aufzunehmen. Kurier-, Auslieferungs-, Taxi- und Selbstfahrervermietungsflotten haben dagegen weiterhin einen schweren Stand.

Die Schadenkostenquote für das gesamte Geschäft in Deutschland wird sich von 107 Prozent im Jahr 2017 "nur ganz wenig nach unten bewegen", schätzt Harald Seliger, Chef der gewerblichen Autoversicherung beim R+V-Konzern, zu dem der Lkw-Versicherer Kravag gehört. "Auch in wirtschaftlich guten Jahren gelingt uns die Sanierung von problematischen Flotten nicht richtig", klagt der Manager. Das dürfte vor allem auf das Wirken umsichtiger Versicherungsmakler zurückzuführen sein.

Makler helfen bei der Verhandlung mit Versicherer

Mit ihrer Erfahrung verhelfen sie Flottenkunden, auf Augenhöhe mit Assekuranzen zu verhandeln. Immer öfter decken auch große Leasinggesellschaften im Rahmen ihres Full Service Versicherungen ab. R+V-Mann Seliger hofft zudem, dass das Flottengeschäft zumindest bei den Verwaltungskosten günstiger wird, weil immer mehr Arbeitsschritte digitalisiert werden, etwa die Zulassung. "Nach dem Rahmenvertrag kann der Flottenbetreiber alle wichtigen Änderungen automatisch anstoßen", so der Experte. "Dann können die Kunden selbst sofort handeln und müssen nicht auf den Versicherer warten", erläutert Seliger. Im Kerngeschäft bleibt aber alles beim Alten. Weiterhin wird hart um Rahmenverträge und Versicherungsbeiträge gerungen. Das dürfte auch in der Wechselsaison im Herbst nicht anders sein. Flottenversicherungen können bis zum 30. November gekündigt werden. Die firmenautoUmfrage zeigt, dass Pay-as-you-drive-Tarife, die im Privatgeschäft boomen, im Flottengeschäft noch keine Rolle spielen.

Keine Telematiktarife für Flotten

Statt mit Telematik über den Fahrstil die Versicherungsprämie zu bestimmen, bleibt es im klassischen Flottengeschäft bei der alten Methode: Alleiniger Maßstab der Prämie ist die Schadenquote. In der Regel wird die Schadenquote für die letzten drei Jahre ermittelt, um besondere Schadenfälle zu glätten. "Derzeit wird ab einer mehrjährigen Schadenquote über 75 Prozent saniert", sagt Oliver Rehbeil, Geschäftsführer von MRH Trowe. Cem Ünsal, Kfz-Experte des Versicherungsmaklers Hoesch & Partner, sieht die Schwelle, bei der Versicherer die Geduld verlieren, mit 80 Prozent sogar noch etwas höher.

"Grundsätzlich ist dies aber von der individuellen Ausgangssituation abhängig", betont die Leiterin Mobility Services, Kristin Russow, vom Makler Oskar Schunck. Entscheidend sei etwa die Branche, in der der Flottenbetreiber tätig sei. Und natürlich komme es auch auf die Art der Schadenbelastung an. Für Flottenchefs wird es daher immer wichtiger, systematisch und schnell die Schäden auszuwerten, um besonderen Ursachen rasch auf die Schliche zu kommen.

Unaufmerksame Fahrer treiben die Kosten hoch

So hat beispielsweise die Leasinggesellschaft Lease Plan aktuell 50.000 selbst verschuldete Kfz-Schäden ausgewertet. Hauptschadengrund ist demnach "mangelnde Fahrzeugkontrolle" oder "fehlende Aufmerksamkeit". Eine interessante Erkenntnis geht aus einer Auswertung des Marktbeobachters Dataforce hervor. "Bei Pkw-Flotten liegt über alles betrachtet die Typklasse in der Kfz-Haftpflichtversicherung im Schnitt bei 17,1, im privaten Markt hingegen nur bei 16,0. Flotten haben in der Regel höhere Typklassen", stellt Geschäftsführer Marc Odinius fest. Da die Höhe der Typklasse statistisch das Schadenaufkommen und die Schadenkosten reflektiert, sollten Flottenchefs bei der nächsten Kauforder vorher einen Blick ins Typklassenverzeichnis der Versicherer werfen. Wer günstiger eingestufte Modelle kauft, kann aller Voraussicht nach seine Versicherungs- und Schadenkosten positiv beeinflussen. Demgegenüber plädiert Thomas Winkler, Chief Underwriter Kraftfahrt bei der Gothaer Versicherung, für mehr Schadenverhütung: "Mit einem erfahrenen Kfz-Flotten-Riskmanager an der Seite kann ein Fuhrparkbetreiber mehr Prämien und weitere Kosten einsparen als mit umfassendsten und ausdauerndsten Prämienverhandlungen." Nur der Weg sei leider länger.

Download Übersicht: Die Leistungen der Flottenversicherer (PDF, 0,53 MByte) Kostenlos
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FA 12 2018 Titel
12/2018 16. November 2018 Inhalt zeigen
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