Fuhrparkversicherung

Neutrale Makler haben Übersicht

Positives vermitteln Foto: Thorsten Malinowski

Hebt der Flottenversicherer die Prämien, kommt man nur schwer aus dem Vertrag. Es sei denn, die Policen wurden über einen Makler abgeschlossen.

Unsere Umfrage unter großen Versicherungsmaklern zeigt: Viele Firmenflotten werden noch immer vom klassischen Versicherungsvertreter betreut. Das ist nicht ungefährlich. Denn verlangt ein Versicherer mehr Prämie oder kündigt, haben die Unternehmen keine wirkliche Alternative. Doch das könnte schnell passieren. Denn mit einer Ausnahme beurteilten alle befragten Versicherungsmakler die Entwicklung des Flottenversicherungsmarktes mit "tendenziell leicht hart". Was das heißt? Die Versicherer werden wohl 2020 an der Preisschraube drehen. Das sehen selbst Großmakler wie Aon und Marsh so.

Steigt die Schadensquote sollte man sich auch nach einem neuen Versicherer umsehen

Die Assekuranzen können aus ihren Rückstellungen für Schäden kaum noch Zinsgewinne generieren. Also muss das technische Geschäft unbedingt ohne Verluste laufen. Daher sind sich die befragten Makler auch weitgehend einig, dass man bei unfallträchtigen Fuhrparks mit hoher Schadenquote neben Ursachenforschung nicht nur das Gespräch mit dem aktuellen Versicherer suchen sollte, sondern parallel die Fühler nach einem neuen Anbieter ausstrecken muss. Genau dies können aber Einfirmenvertreter nicht machen.

Die Schätzungen der Makler, wie viele Flotten noch von Versicherungsvertretern betreut werden, liegen weit auseinander. Jan Buchter, Geschäftsführer von New Projects, etwa geht davon aus, dass bei großen Flotten ab rund 80 Fahrzeugen der Vertreteranteil weniger als zehn Prozent beträgt. Winfried Nibus von der Aktiv Assekuranz aus München schätzt den Anteil dort auf 15 Prozent. Während Thorsten Kuhr, Chef der Bernhard Assekuranzmakler, sogar glaubt, dass ein Viertel der großen Fuhrparks noch immer klassisch betreut wird, liegt nach Meinung von Karol Wudkowski, Leiter Kraftfahrt Deutschland bei Marsh, dieser Anteil sogar bei der Hälfte aller Fuhrparks. Er geht zudem davon aus, dass etwa 70 Prozent der Kleinflotten mit rund zehn Fahrzeugen noch direkt mit dem Vertreter des Versicherers zusammenarbeiten. Hier schwanken die Schätzungen der anderen Experten zwischen 15 und 65 Prozent.

Der Unterschied zwischen unabhängigen Versicherungsmaklern und gebundenen Vermittlern

Den höheren Wert hält Oliver Rehbeil, Flotten­experte bei der MRH-Trowe-Gruppe, für durchaus realistisch. "Der Grund ist einfach", so Rehbeil. "Wir haben noch immer deutlich mehr gebundene Vermittler als unabhängige Versicherungsmakler am Markt. Der Unterschied ist vielen Unternehmen leider immer noch nicht bewusst." Zudem kennt jeder Versicherungsmakler nur das eigene Neugeschäft. Einen vollen Überblick über die Aufteilung des Flottenmarktes nach Vertriebswegen gibt es nicht, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Anfrage bestätigt.

Fakt bleibt: Wer noch beim Einfirmenvertreter ist, kann nicht auf einen Berater bauen, der die Flotte über den gesamten Markt ausschreibt. Das kann zum Problem werden, beispielsweise wenn die Fahrer auf einmal mehr oder teurere Unfälle bauen. Fuhrparkmanager sollten die Fachexpertise, das Netzwerk und den Marktzugang eines Versicherungsmaklers oder Versicherungsberaters nutzen, um bestmögliche Leistungen für ihre Flotte zu erhalten.

Denn die Schadenquote ist maßgeblich dafür, ob der Versicherer stillhält oder die Konditionen verschlechtert. Fallen beispielsweise pro Jahr 50.000 Euro an ­Schäden an und bezahlt das Unternehmen eine Netto-Versicherungsprämie von 70.000 Euro, errechnet sich daraus eine Schadenquote von rund 71 Prozent. Aktuell dürfte ein solcher Flottenbetreiber damit wohl die Kündigung erhalten. Überwiegend nennen nämlich die Makler in diesem Jahr 70 ­Prozent als die Schmerzgrenze für ­Flottenversicherer.

Makler mit einem hohen Flottenbestand sind hilfreich

Das führt dazu, dass unfallträchtige Mietwagen- und Taxiflotten, Pflegedienste, Auslieferungsdienste sowie Entsorgungs- und Gefahrguttransporte nur ganz schwer bezahlbaren Versicherungsschutz finden. Makler mit einem hohen Flottenbestand können aber einen gewissen Druck auf die Versicherer ausüben. Das kann sehr hilfreich sein. Georg Blaeser verspricht etwa: "Wir haben die Möglichkeit, attraktive Angebot zu erstellen, ohne dass ein Schadenverlauf vorgelegt werden muss." So könnten mittlerweile auch ­Flotten mit schlechter Schadenverlaufs-Historie bezahlbar versichert werden.

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Der Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Blaeser & ­Kempermann betreibt im Internet zudem den Flotten-Check, der eine erste Einschätzung der Versicherungskosten für Fuhrparkchefs möglich macht. Datenanalyse und Auswertung sind heute leicht wie nie. "Längst ist die Schadenquotenbetrachtung in Echtzeit möglich", sagt AON-Presse­sprecher Parwiz ­Behboud. Dies ermögliche ein proaktives Risikomanagement. "Dem Fahrer muss es einfach gemacht werden, den Schaden schnell von der Unfallstelle aus zu melden, um einen Kosten- und Prozesseinfluss auf die weitere Abwicklung zu erhalten", erläutert Experte Rehbeil. Schaden- und Riskmanagement aus einer Hand sind nach ­Meinung der Experten Erfolgs­garanten. Diese Hand sollte aber ein unabhängiger Versicherungsexperte reichen – und nicht Assekuranzen oder sonstige fuhrparknahe Unternehmen.

Überblick: Berater und Verkäufer

Einfirmenvertreter
Rund 150.000 Versicherungsvertreter gab es im Juli 2019 laut dem offiziellen Register beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Diese Einfirmenvertreter oder Mehrfachagenten verkaufen nur die Produkte einer oder einiger weniger Versicherungen. Sie erhalten bei Abschluss eines Vertrages und für die laufende Pflege des Kunden eine Provision von den ­Versicherungsgesellschaften.

Makler
Versicherungsmakler sind unabhängig und sollten aus dem gesamten Markt die besten Angebote auswählen. Auch die rund 46.500 Makler erhalten ihr Geld (Courtage) in der Regel von Versicherungen. Eine Honorarvereinbarung ist im gewerblichen Geschäft möglich – aber unüblich.

Berater
Nur Versicherungsberater, die für ihre Dienstleistung ein Honorar verlangen, werden allein vom Kunden bezahlt. Entscheidend für die Beratungsqualität ist natürlich die fachliche Qualifikation. Die Zahl der speziellen Berater ist mit 337 noch sehr überschaubar.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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