Historie 25 Jahre Fiat Punto

Arrivederci für den beliebten Firmenwagen

Fiat Punto 1993 Werbeplakat. Foto: Fiat 15 Bilder

Vor allem in seinen Anfangsjahren war der kleine Fiat auch in Deutschland ein beliebter Geschäftswagen. Jetzt stellt ihn Fiat ein.

Der Punto kam als der Turiner Konzern in der Krise steckte, aber er brachte alles mit, was italophile Fans an kleinen Fiat fasziniert: Praktisch, preiswert und verführerisch proportioniert platzierte sich die piccola macchina auf Platz eins der europäischen Verkaufscharts. Jetzt aber heißt es Arrivederci für den erfolgsverwöhnten Cityflitzer. Keine große Geburtstagsparty für ein Vierteljahrhundert Fiat Punto und auch keine bella futura für den genialen Kleinwagen, mit dem Fiat ab 1993 den Glanz alter Zeiten erneuern konnte. Stattdessen verabschiedet sich der Cityflitzer mit dem Gefühl für schöne Formen in diesem Sommer still und leise, um der stetig wachsenden Fiat-500-Familie mehr Raum zu geben. Mit dem Punto geht ein in drei Generationen gebauter globaler Bestseller in den Ruhestand, der zuerst Fiat aus einer existenziellen Krise befreite, um dann als technischer Genspender für Lancia Y und Alfa Mito auch den feinen Tochtermarken der Turiner Konzernmutter Auftrieb zu geben. Als rustikaler City-Crossover-Pionier punktete der Punto dagegen unter der Marke Innocenti. Vor allem aber ließ der Punto Produktionsrekorde bei Fiat purzeln - und folgte damit dem Vorbild seines direkten Vorgängers aus den 1980er Jahren, dem Fiat Uno.

Wie dieses zeitweise meistverkaufte Auto Europas setzte sich auch der Fiat Punto auf die Pole Position in der Zulassungsstatistik. Und wie der Uno verdankte der erste Punto seine unvergänglich klaren Formen dem Stardesigner Giorgetto Giugiaro, der seiner Kreativität mehr als zuvor freien Lauf lassen durfte. So gab es für fast jeden Kunden eine passende Punto-Karosserie und für die Tifosi überdies eine beispiellos breite Kollektion fantasievoller Concept Cars. Dagegen überraschte der im Fiat Centro Stile entstandene "Nuova Punto" 1999 durch unterschiedliche Formensprachen für Drei- und Fünftürer. Die "Grande Punto" genannte dritte Generation des erfolgreichen Kleinwagens wiederum entwarf 2005 einmal mehr Altmeister Giugiaro, der damit den Weltgeschmack traf. Denn dieser Italiener schrieb sogar in Südamerika, Nordafrika und Indien Geschichte als lokal gebautes Volksauto.

Der Punto brachte Fiat wieder nach vorne

Bis es soweit war, musste sich der Punto aber erst einmal als Krisenmanager bewähren. Anfang der 1990er Jahre sank die Jahresproduktion des Fiat-Konzerns um 400.000 Einheiten auf 1,1 Millionen Autos, die Finanzen sahen unerfreulich aus und das Modellprogramm bedurfte einer kostspieligen Kernsanierung. Fast 20 vollkommen neue Modelle in nur fünf Jahren wollten die Italiener lancieren und der Fiat Punto war die entscheidende Vorhut bei den Volumenfahrzeugen, die Lust auf Lifestyle machen sollten. Anders als der klassisch-kantig gestaltete Vorgänger Fiat Uno preschte der neue Punto deshalb in modisch-rundlichen Formen vor, die dem Trend des Biodesigns folgten. Vom frischen Qualitätsanspruch bei Fiat kündeten kleine Karosseriespaltmaße nach dem Vorbild von Volkswagen und eine gegenüber dem Uno um 60 Prozent verwindungssteifere Karosserie. Die Fachpresse jubelte ob der "klapper- und knisterfreien absoluten Ruhe" im Interieur des preiswerten Fiat selbst auf Rüttelpisten und belohnte den Punto mit dem damals wichtigsten Medienpreis "Auto des Jahres 1995". Fiat wiederum hatte nicht nur viel Geld investiert, damit der Punto in puncto Qualität eine Führungsrolle übernahm, der Punto präsentierte sich auch rasch in einer verblüffenden Variantenvielfalt.

Nicht nur drei- und fünftürige Steilhecklimousinen umfasste das Punto-Portfolio, ein viersitziges Vollcabriolet ohne den sonst aus Stabilitätsgründen notwendigen feststehenden Überrollbügel verführte zum Sonnenbad. Dieser fröhliche Luftikus wurde von Medien als "konkurrenzlos günstiges" Kultauto gefeiert. Dagegen ließ der in 7,9 Sekunden auf Tempo sprintende, muskulöse Punto GT anderen kleinen Heißblütern wie Peugeot 205 GTI oder Ford Fiesta XR 2i keine Chance. Italo-Fans, die Luxus im Miniaturformat favorisierten, konnten sich bald auch für den neuen Lancia Y entscheiden, in dem ebenfalls viel Punto-Technik steckte. Und dann gab es noch die Spielwiese der schönen Träume: Fast ein Dutzend Concept Cars bauten auf dem Punto auf, darunter Coupés, Barchetta, Pick-ups, Shooting-Brakes und Crossover mit drei Achsen. Fast alle namhaften italienischen Designstudios gaben ihre Visite ab und eine Carrozzeria wurde sogar Produktionsstandort für den Punto in seiner offensten Form. Dieses kleinste viersitzige Vollcabrio der Welt mit elektrischem Verdeck lief bei Bertone vom Band.

Drei Generationen wurden gebaut

Forza Verkaufszahlen lautete das überlebenswichtige Credo für Fiat zur Jahrtausendwende und der kompakte Punto packte die Mission erfolgreich an. Eine Bestsellerrolle, die er sogar noch besser ausfüllte als seine legendären Vorgänger Fiat 127 und Uno. Der in drei Generationen gebaute Punto setzte sich gleich nach Marktstart an die Spitze der italienischen Verkaufscharts, deklassierte kurz darauf die europäische Kleinwagenkonkurrenz und knackte schon 2005 die Sechs-Millionen-Einheiten-Messlatte. Hinzu kamen die in Asien, Afrika und Südamerika gebauten Punto sowie Punto-Derivate wie der Innocenti Mille. Offenbar konnte Fiat Kleinwagen immer noch besser als die meisten anderen. Was die Turiner in den Jahren 1999 und 2005 mit gleich zwei neuerlichen Punktlandungen unter Beweis stellten. Zuerst startete im Juli 1999 der Nuova Punto (Typ 188) passgenau zum 100. Geburtstag von Fiat und das als ungleiches Kleinwagen-Zwillingspaar, je nach drei- oder fünftüriger Variante. Der betont dynamisch gezeichnete Dreitürer verfolgte nun ausgesprochen sportliche Ambitionen und sammelte als 220 PS starker Abarth Rallye Motorsportlorbeeren. Ein von den Medien als „piccola bomba“ bejubelter Heißsporn, der Lust machte auf den 2005 lancierten Punto dritter Generation (Typ 199), denn der Abarth-Skorpion stach jetzt sogar mit Allradantrieb.

Leichte Verwirrung bewirkte Fiat allein bei der Namensgebung seiner kleinen Stückzahlen-Giganten, die ihre Plattform in dritter Generation sogar mit dem Opel Corsa D teilten und 2008 dem Alfa Mito als technisches Rückgrat dienten. Während der bis 2009 gebaute, knackig-kurze 3,80 Meter messende Typ 188 schlicht Punto hieß, mutierte der 2005 eingeführte und um 23 Zentimeter gestreckte Typ 199 zum Grande Punto. Daraus wurde dann mit dem ersten Facelift 2009 der Punto Evo, nur um mit der nächsten Modellpflege von 2012 die schlichte Bezeichnung Punto zu revitalisieren. So blieb es bis zum Ende dieses 13 Jahre gebauten Longsellers, der nur einmal wirklich negative Schlagzeilen machte. Ein desaströses Euro NCAP-Ergebnis Ende 2017 ließ vergessen, dass der Typ 199 alias Grande Punto bei seiner Premiere im Jahr 2005 noch mit einer 5-Sterne-Auszeichnung Maßstäbe setzte. Antriebsseitig ließ sich der Alterungsprozess des Punto weit besser aufhalten.

Spargenie: Punto mit Erdgasantrieb

Mit effizienten Erdgasmotoren, drehmomentstarken Dieselmotoren, nachgeschärften Abarth-Leistungsträgern und Downsizing-Zweizylindern verfügte der Fiat auf dem Höhepunkt seiner Karriere über eines der breitesten Aggregat-Angebote der kleinen Klasse. Auch die deutschen Platzhirsche konnten dem Punto in dieser Hinsicht nicht wirklich davonfahren. Mit dem stylisch gezeichneten Punto war es gesellschaftlich wieder schick geworden, einen kleinen Fiat zu fahren: Die entscheidende Vorarbeit für die Fiat-500-Familie, das italienische Kultauto des 21. Jahrhunderts.

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