Hybridkarten Tanken und laden mit einer Karte

Fastned 2022 Foto: Fastned

Fahrer von E-Autos oder Plug-in-Hybriden kommen mit Tankkarten nicht weit. Hybridkarten decken auch Stromkosten ab und erleichtern dem Flottenmanagement die Arbeit.

Das Firmen- und Flottenkundengeschäft treibt nach einer Dataforce-Studie den Anteil an elektrifizierten Fahrzeugen auf deutschen Straßen entscheidend voran: Schon 25 Prozent aller Flottenfahrzeuge sind ganz oder teilelektrisch unterwegs, Tendenz steigend. "Wir stellen fest, dass auch viele kleine Unternehmen auf E-Autos umschwenken", sagt Christof Kiesel, Senior Sales Manager E-Mobility bei DKV.

Die Unternehmen schaffen elektrifizierte Firmenfahrzeuge aus Imagegründen, wegen der staatlichen Förderung und natürlich unter Umweltaspekten an. Letztendlich aber treibt vor allem der Wunsch der Fahrer, die Steuervorteile zu nutzen, die Nachfrage nach E-Autos oder Plug-in-Hybriden.

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Doch nun stellt sich für die Unternehmen die Frage: Wie wird der Strom bezahlt und sinnvoll abgerechnet? Noch ist die Abrechnung an den Ladesäulen alles andere als einheitlich. So benötigten E-Auto-Nutzer der ersten Stunde nach Angaben der Firma CCV, Anbieter von elektronischen Bezahllösungen, durchschnittlich 3,37 betreiberspezifische Ladekarten. Zumindest für private ­Nutzer wird hier die neue Ladesäulenverordnung der Bundesregierung Erleichterung bringen. Alle ab Juli 2023 neu aufgestellten Zapfpunkte müssen Kredit- und Debitkarte akzeptieren.

Für Flotten ist dies keine Lösung. "Kreditkarten werden nur vom oberen Management genutzt. Alle anderen Mitarbeiter nutzen in der Regel eine Flottenkarte, auch wegen der umfassenden Auswertungsmöglichkeiten und Sicherheitsfunktionen", weiß Kiesel.

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Dies bestätigt eine Umfrage des Flottendienstleisters Vimcar unter Unternehmen mit bis zu 200 Fahrzeugen. Von den mehr als 500 befragten Firmen gaben rund 400 an, dass sie bevorzugt Tankkarten einsetzen. Dabei sind mehr als 20 Prozent Kunden der DKV Mobility. Die Karten von Aral und Shell sind je bei rund 15 Prozent der Unternehmen im Einsatz. Mit UTA, Total und Esso arbeiten unter 10 Prozent der Befragten.

Auf den Trend zur Elektrifizierung haben sich die meisten Tankkartenanbieter eingestellt. Zum einen haben die meisten Apps aufgelegt. Zum anderen können Außendienstmitarbeiter und Fahrer von Geschäftswagen mit vielen Karten neben Kraftstoff auch Strom bezahlen. Eine Kombination, die für Fahrer von Plug-in-­Hybriden wichtig ist. Mit der Karte von Shell und New Motion etwa kann man an 50.000 öffentlichen Ladepunkten in Deutschland Strom zapfen, die VW-Marke Logpay akzeptieren europaweit 230.000, DKV Card + Charge über 200.000 öffentlich zugängliche Ladestationen. Plug-in-Hybride mit ihrer geringen elektrischen Reichweite sollten häufig geladen werden. Nicht nur im Betrieb, sondern auch zu Hause bei den Fahrern. Die DKV-Karte erfasst auch diese Ladevorgänge und rechnet sie ab.

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Dabei gelten alle Sicherheitsfunktionen, die den Missbrauch einschränken, auch für die Nutzung als Ladekarte. !Im Hintergrund läuft eine künstliche Intelligenz, die verdächtige Aktivitäten registriert. Wenn beispielsweise mehr als einmal am Tag geladen wird, wird der Kunde benachrichtigt", so Kiesel. Ab Mitte 2022 sollen Kunden zudem per App den Kilometerstand auch beim Laden eingeben können. So kann das Flottenmanagement nicht nur den Sprit-, sondern auch den Stromverbrauch des Fahrzeugs nachvollziehen.

Anders als beim Tanken von Benzin oder Diesel rechnen die Ladesäulenbetreiber allerdings häufig intransparent ab. Die Stromkosten hängen nicht nur von Menge und Ladegeschwindigkeit ab. Oft verlangen die Betreiber auch noch Stand- oder Anschlussgebühren. Die Fuhrparkexperten von Vimcar empfehlen daher, Ladetarife genau zu vergleichen und eine Karte zu wählen, die zum jeweiligen Fahrverhalten passt. "Für Vielfahrer sollte man einen Tarif wählen, der preiswertes Schnellladen ermöglicht. Wer vor allem zu Hause oder am Büro lädt, ist mit günstigem, im besten Fall grünem Hausstrom gut bedient", sagt ­Vimcar-Geschäftsführer Andreas Schneider. Und dann gebe es Mitarbeiter, die nur ab und zu unterwegs laden. Hier ­sollten Fuhrparkmanager berücksichtigen, wie lange die Stopps dauern. Können die Autos länger an der Ladesäule stehen, empfehle sich ein Tarif, der preiswertes AC-Laden er­möglicht. Reicht die Zeit beim Kunden nicht, um das Auto langsam zu laden, sei eine Karte mit günstigen DC-Tarifen sinnvoll.

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Letztendlich führt der parallele Einsatz von Tank- und Ladekarten zu einem höheren administrativen Aufwand für den Flottenbetreiber. Hybridkarten sind demgegenüber ­komfortabler für alle. Die Kollegen brauchen keine der ­diversen Karten- oder App-Kombinationen. Der Fuhrparkmanager erhält nur eine Abrechnung und hat dadurch einen besseren Überblick.

Allerdings sollte die Karte für den Einsatzzweck passen. Wer häufig bei Ionity stoppt, braucht dort einen günstigen Tarif, sonst wird es ganz schnell sehr teuer. Die richtige Karte könne man nur finden, wenn man zuverlässige Daten habe, glaubt Schneider.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft