Ineos Grenadier

Keine Kompromisse

Ineos Genadier 2022 Foto: Chris Riefenberg 8 Bilder

Der neue Ineos Grenadier ist kompromisslos für harte Offroad-Einsätze entwickelt. Mechanische Sperren und wenig Elektronik sollen ihn weiter bringen als Mercedes G-Klasse oder Land Rover Defender.

Manchmal braucht es nur Menschen, die für eine Sache brennen, und den direkten Draht zum richtigen Ansprechpartner. Dann kann ein Projekt, für das andere jahrelang brauchen, ganz schnell umgesetzt werden. Der Draht führte von Jim Ratcliffe, Milliardär und CEO des britischen Petrochemie-Unternehmens Ineos, zu seinem Technik- und Ingenieurschef Dirk Heilmann. Beide verbindet eine heiße Liebe zu Geländewagen.

Heilmann saß gerade beim Bier im Londoner Pub Grenadier, als Ratcliffe anrief und vorschlug, für Ineos einen extrem geländigen Offroader zu entwickeln. Keinen weichgespülten SUV, sondern einen Geländewagen vom Schlag des alten Defender, ohne viel Elektronik, dafür mit vielen mechanischen Sperren. Einen, mit dem man das Ende der Welt erkunden und zum Reparieren auch mal einen Hammer verwenden kann. Kurzum: ein Auto, wie es ihn in Zeiten elektronisch gesteuerter Fahrmaschinen nicht mehr gibt. Der Name war schnell gefunden: Grenadier, nach dem Pub in London.

Nun ist das mit der Auto-Entwicklung so eine Sache. Man braucht viel Enthusiasmus und noch viel mehr viel Kapital. Von beidem haben Ratcliffe und Ineos – geschätzter Jahresumsatz: 60 Milliarden US-Dollar– genug, weshalb das Chemieunternehmen 2016 einfach eine eigene Automobilsparte gründete. Mit strammem Fahrplan: In nur fünf Jahren sollte ein Hardcore-Offroader entstehen, der die Lücke schließt, die Ur-Defender und die vorige Mercedes G-Klasse nach ihrer Einstellung hinterließen. Vorgabe: kompromisslose Technik, einfaches Design, 3,5 Tonnen Anhängelast sowie die Erfüllung aller Sicherheitsnormen.

Ineos Genadier 2022 Foto: Chris Riefenberg
Der Grenadier bietet auf der Straße weniger Fahrkomfort als gängige Offroader, aber er fährt sicher und die Prototypen haben alle Ausweich- und Crashtests bestanden.

Fürs technische Know-how wendete sich Ineos an Magna Steyr in Graz. Dorthin, wo Kletterlegenden wie Haflinger, Pinzgauer, Steyr 12M18 oder Mercedes G-Klasse entwickelt und gebaut wurden. Da der Grenadier nur der Beginn einer ganzen Modellfamilie werden soll, kauften die Briten kurzerhand Daimler das Smart-Werk in Hambach ab. Dort soll der Grenadier ab 2022 vom Band rollen. Und auch Klaus Hartmann, langjähriger Produktmanager der Mercedes G-Klasse, wurde gleich abgeworben.

In den fünf Jahren nach dem Telefonat ist viel passiert: Ein Leiterrahmen wurde komplett neu entworfen, auf dem die 4,93 Meter lange Karosserie ruht, Fahrzeugkomponenten weltweit eingekauft. Beim Antrieb wurde man bei BMW fündig: Kultivierte, drehmomentstarke Benziner und -Diesel mit sechs Zylindern, samt der passenden Achtgangautomatik von ZF. 249 beziehungsweise 285 PS sollen die für den schweren Offroad-Einsatz etwas leistungsreduzierten Sechszylinder an die vier permanent angetriebenen Räder schicken.

Ineos Genadier 2022 Foto: Chris Riefenberg
Auf der Hausstrecke von Magna, dem legendären Schöckl, werden die Prototypen hart rangenommen.

Im Vergleich zu aktuellen stylischen SUV und Geländewagen wirkt der Grenadier etwas handgeschnitzt. Alles Absicht, erklärt Heilmann. "Das Auto soll aussehen, als sei kein Designer drangewesen", lacht er. "Diese Auto ist ein Arbeitsgerät. Wir machen keinen Kompromiss, wenn es um die Funktionalität geht." Statt eines schicken Chromgrills bekommt der Wagen einen einfachen, leicht austausch- und reparierbaren Kühlergrill. Die Elektronik wurde aufs Nötigste reduziert. Alle Teile seien für harte Einsätze ausgelegt. Metallstangen an der Dachkante etwa erlauben die Montage von Zelten oder Planen, dienen aber auch als Griffe, wenn man hochklettert und das Dach belädt. Und die Kunststoffleisten an den Türen lassen sich auf Wunsch gegen massive Halterungen für Äxte oder anderes Werkzeug austauschen.

Nachdem alle Crashtests erfolgreich verlaufen sind, schwärmen jetzt die letzten der 130 Prototypen von Graz aus in die Welt, zu finalen Hitze- und Kältetests. Dabei liegt die wahre Herausforderung vor den Toren der Stadt. Dort jagt das Erprobungsteam die Prototypen im 2000-Kilometer-Dauerlauf über die Magna-Teststrecke auf den berühmt berüchtigten Schöckl. Sechs Kilometer lang ist die hammerharte Strecke hoch auf den Grazer Hausberg, bis zu 60 Prozent steile Passagen über Stock und Stein, dazu Passagen, die man schon zu Fuß nur mit Schwierigkeiten bewältigt. Eine Tortur für Fahrer und Auto, bei der die drei Differenziale und die beiden Sperren aufs Äußerste gefordert werden.

Ineos Genadier 2022 Foto: Chris Riefenberg
Mechanische Sperren und Differenziale statt elektronische Fahrhilfen sollen ihn robuster machen als viele aktuelle Geländewagen.

Und auch auf der Straße wird pausenlos getestet. Ausweichtests bei Tempo 90 meistert der Grenadier ohne auszubrechen, wenngleich sich die Karosserie in schnellen Kurven deutlich neigt. Trotzdem wirkte er bei unseren ersten Testfahrten ausgesprochen stabil und sicher.

Bis Ende des Jahres soll die Produktion in Hambach stehen, wo Ineos gerade noch im Auftrag für Daimler die letzten Smart baut, bevor die in China vom Band laufen. Anfang 2022 startet die Serienproduktion. Geplant sind zwei Modelle mit kurzem und langem Radstand, und auch eine Pritsche ist angedacht. Im Frühsommer sollen die ersten Kunden ihre Autos übernehmen. Vorbestellungen? "Reichlich", sagt Verkaufsleiter Hartmann. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in entlegene Regionen bringen müssen, beispielsweise um Windräder zu warten. Expeditionen, Bergwerke, Windparks, Waldwirtschaft, es gebe genügend Einsatzgebiete für den Grenadier. Überall dort, wo andere Geländewagen aufgeben.

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