Interview Sixt-Leasing-Chef Rizzolli

Im Online-Business sind wir Vorreiter

Foto: Sixt Leasing

Sixt Leasing setzt auf digitale Abläufe. Zuerst im Geschäft mit privaten Autokäufern und nun verstärkt mit Flottenkunden. Geschäftsführer Dott. Rudolf Rizzolli erklärt, was die
Digitalisierung für die Fuhrparkbetreiber bedeutet und welche Strategie Sixt Leasing fährt.

Herr Rizzolli, wenn man die Ergebnisse des Jahres 2016 anschaut, scheint Sixt Leasing mächtig in Fahrt zu sein.

Das stimmt. Spannend ist vor allem, was dieses und nächstes Jahr passieren wird. Seit 2012 wachsen wir sehr stark, jedes Jahr war ein neues Rekordjahr. Nicht nur in Bezug auf die Vertragszahlen, sondern auch im Ertrag.

Welchen Stellenwert nehmen die Online-Verträge ein?

Wir haben heute knapp 114.000 Verträge im Portfolio. Davon entfallen ungefähr 75.000 auf das Leasing und davon wiederum fast 27.500 auf das Online-Retail-Geschäft, also auf die Privat- und Gewerbekunden. Noch ist das Flottengeschäft wichtiger, aber das Online-Geschäft mit Privatkunden und Gewerbetreibenden wächst deutlich schneller.

Im Moment wirbt Sixt Leasing damit, als einzige Gesellschaft einen Leasingvertrag komplett digital anzubieten, vom Abschluss ohne Papierkram bis hin zur digitalen Unterschrift. Fließen hier die Erfahrungen aus dem Flotten- ins Privatkundengeschäft ein?

Vieles, was man bereits aus dem Flottengeschäft kennt, kommt sukzessive auch Privatkunden zugute. Früher haben die sich ein Fahrzeug gekauft, maximal noch eine Leasingrate dazu bestellt. Um den Rest mussten sie sich selbst kümmern. Dass man privaten Kunden heute Full-Service-Pakete anbietet, ist noch neu. Jetzt können sie nicht nur Winterreifen ab Werk bestellen, sondern auch alle dazu passenden Dienstleistungen. Auch die Versicherungen oder Wartungsleistungen    – und zwar alles in einem komplett digitalen Prozess. Im Grunde ist der private Kunde nicht anders als der Flottenkunde: Er möchte eine planbare monatliche Rate. Und wenn er am Ende sein Auto zurückgibt, will er schon vorher wissen, was ihn das kosten wird.

Also eine planbare Mobilität?

Wir nennen das "Flatrate für die Straße". Wir konfigurieren ein Auto vor und bieten es zu einer monatlichen Rate an, die alles beinhaltet: das Auto, Überführung, Zulassung, Versicherung, Steuer, GEZ und so weiter. Für Beulen oder Kratzer bei der Rückgabe gibt es einen klaren Schadenskatalog wie beim Flottenkunden.

Das wären dann klassische Kilometerverträge.

Genau. Wir bieten keine Restwertverträge an, weder in der Flotte, noch für private Kunden. Uns geht es darum, den Kunden planbare, sichere Raten anzubieten. Wobei wir für private Kunden zusätzlich die Sixt Vario-Finanzierung aufgelegt haben mit der Möglichkeit, das Auto am Ende der Laufzeit zu einem bereits bei Vertragsabschluss festgelegten Preis zu kaufen. Das kann man für Flotten natürlich nicht anbieten, schon wegen des geldwerten Vorteils.

Was bedeutet Digitalisierung fürs Flottenmanagement?

Es bedeutet, dass wir uns über Schnittstellen bis hinein in die SAP-Systeme der Finanz- und Personalabteilungen und die angeschlossenen Kostenstellen vernetzen. Der Fahrer bleibt im Intranet seines Unternehmens und konfiguriert dort sein Fahrzeug. Wir kennen seine Personalnummer und wissen, welcher Car Policy er zugeordnet ist. Wir wissen, welchen Vorgesetzten er hat und wer den Leasingvertrag freigeben muss. Wir können automatisch Selbstanteile berechnen und die Rechnung der passenden Kostenstelle zuordnen oder auch den geldwerten Vorteil berechnen und abrechnen.

Über wie viele Verträge reden wir hier?

Wir managen rund 40.000 Fahrzeuge. Dabei beraten wir die Kunden, welche Fahrzeuge in ihren Fuhrpark passen, übernehmen die Ausschreibung und begleiten die Autos bis zur Rücknahme.

Welche Vorteile haben digitale Abläufe für den Kunden?

Normalerweise schaffen Sie Prozess­sicherheit über Standardisierung. Doch damit werden Sie den Anforderungen des Kunden nicht gerecht. Digitalisierung bedeutet für uns, dass wir eine modulare, Workflow-basierte Software entwickelt haben. Obwohl standardisierte Prozesse hinterlegt sind, bildet sie die individuellen Prozesse eines Kunden ab. Samt automatischen Checkpoints, Wiedervorlagen, Erinnerungen oder automatisierten E-Mails. Wenn früher ein Mitarbeiter ein Auto online konfigurieren wollte, was ja schon lange möglich ist, folgte ein reger Mail-Verkehr. Welcher Mitarbeiter ist es? Wer ist sein Vorgesetzter? Wer darf die Bestellung freigeben? Auf welche Kostenstelle? Heute ist das sehr viel effizienter geregelt.

Trotzdem muss man die Prozesse kon-trollieren.

Natürlich. Das läuft als automatisierter Prozess. Wir fragen jeden Monat ab, ob sich der Mitarbeiter noch auf seiner Kostenstelle befindet oder ob die Kosten woanders hin gebucht werden müssen. Das geht nicht manuell. Manche Unternehmen verlangen einen Freigabeprozess vor der Bestellung und eine Freigabe, bevor der Mitarbeiter das Auto konfigurieren darf. Andere wünschen zusätzlich eine E-Mail an die Personalabteilung oder den Geschäftsführer. Jeder Kunde hat andere Anforderungen und wünscht individuelle Lösungen. Völlig zu Recht.

Ab welcher Fuhrparkgröße springen Ihre Kunden darauf an? Ein Mittelständler hat unter Umständen ganz andere Strukturen.

Das stimmt. Aber mit einer Sache hat jedes Unternehmen täglich zu tun: Schadenmanagement und Schadensabwicklung der Firmenwagen. Unser Vorteil ist, dass wir unabhängig von Herstellern sind. Wir müssen nicht von der Markenwerkstatt reparieren lassen, sondern nutzen auch freie Betriebe. Immer so, dass der Fuhrpark Kosten spart und seine Schadenquote nicht explodiert.

Das ist aber nichts Neues. Wo sind dort die digitalen Schnittstellen?

Digitalisierung im Schadenmanagement heißt auch wieder Transparenz für den Kunden: Der Flottenmanager weiß immer, was gerade mit seinem Fahrzeug geschieht, wie lange es repariert wird et cetera. Und der Fahrer kann über eine App online seine Schadensmeldung ausfüllen, samt Handy-Fotos. Er wird per SMS informiert, welchen Ersatzwagen er bekommt oder wann sein Auto fertig ist. Aber um auf Ihre erste Frage zu antworten: Richtig spannend wird das ab 80 Fahrzeugen.

Aber irgendwann sind ja mal alle Prozesse digitalisiert …

Schön wäre es. Wir treiben diese Entwicklung voran und werden eine Plattform einführen, welche die Schadenprozesse transparent darstellt.

Wo sehen Sie noch Wachstums- oder Innovationspotenziale? Könnte sich Sixt zum Mobilitätsdienstleister entwickeln?

Es wird sicher Mobilitätslösungen geben, die weit über das Auto hinausgehen. Die Frage ist, wie viel Prozent des klassischen Marktes sie ersetzen. Nehmen wir die viel zitierten Mobilitätspauschalen. Die sind für manche Unternehmen eine ideale Lösung. Dort wollen die Mitarbeiter keinen Firmenwagen mehr, sondern im Rahmen ihrer Pauschalen frei wählen, ob sie mit Mietwagen, Transferservice, Carsharing, Bahn, oder Flugzeug von A nach B reisen. Für Vielreisende haben wir bereits ergänzende Angebote wie Sixt unlimited. Damit steht Ihnen unbegrenzt ein Mietwagen in mehreren Ländern in Europa zur Verfügung. Für viele andere Unternehmen jedoch werden der klassische Dienstwagen und das klassische Dienstfahrzeug das Mittel der Wahl sein und bleiben.

Und welche Zukunft hat der Diesel? Hatte Sixt Probleme in der Vermarktung oder bei den Restwerten?

Nach heutigem Stand nicht, weder beim Volumen noch im Ertrag. Wir haben auch die vom Abgasskandal betroffenen Fahrzeuge ganz normal verkauft. Eine seriöse Prognose, ob das in ein paar Jahren auch so sein wird, will ich nicht abgeben, doch wären wir in der Lage, angemessen darauf zu reagieren.

Das werden Ihre Kunden gerne hören, denn dann dürften die Leasingraten nicht teurer werden?

Ein klares Nein dazu

Foto: Sixt Leasing
Dott. Rudolf Rizzolli, CEO von Sixt Leasing SE

Kurz-Vita - Dott. Rudolf Rizzolli

Der Betriebswirt Dott. Rudolf Rizzolli verfügt über langjährige Erfahrungen in der Mobilitätsbranche. Von 2008 bis 2012 war er als Sprecher der Geschäftsleitung der Hülpert-Gruppe, einer der größten Autohandelsgruppen in Deutschland, tätig. Von 1998 bis 2007 betreute er bei der Boston Consulting Group in Deutschland und in Indien eine Vielzahl von Projekten bei Unternehmen unterschiedlicher Größe. Seit Juni 2012 ist er Vorstandsvorsitzender der Sixt Leasing SE und damit verantwortlich für die strategische Entwicklung des gesamten Unternehmens, den Vertrieb und das Marketing, das operative Geschäft, den Einkauf, IT und Personal.

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