Interview Stefan Weckbach (Porsche)

"Der Taycan wird ein echter Porsche"

Stefan Weckbach, Leiter Porsche Taycan Foto: Porsche

Innovativer Elektroantrieb und Porsche-Tugenden – passt das zusammen? Unbedingt, sagt Stefan Weckbach, der die Baureihe Porsche Taycan leitet. Der erste Elektro-Porsche soll eine neue Ära einläuten und den Werten der Sportwagenmarke treu bleiben.

Herr Weckbach, Elektroautos sind bislang alles andere als ein Verkaufsschlager. Kommt der Taycan zu früh?

Die Zeit ist reif. Seit 2010 gibt es Porsche-Modelle als Hybridvarianten, Plug-in-Hybride sind seit 2013 auf dem Markt. Somit sind wir im Premiumsegment der erste Hersteller, der Plug-in-Modelle angeboten hat. Inzwischen ist eine zweite Generation von Plug-in-Hybriden unterwegs, die bis zu 50 Kilometern rein elektrisch fahren kann. Nun machen wir mit dem Taycan den nächsten logischen Schritt und bringen ein reines Elektrofahrzeug an den Start, das unsere Ansprüche ohne Kompromisse erfüllen wird.

Wie sieht die Elektrifizierungsstrategie von Porsche aus?

Sie ist Teil unserer dreisäuligen Produktstrategie. Die erste Säule sind die puristischen Sportwagen mit Verbrennungsmotor, die zweite bilden die Hybridfahrzeuge, und die dritte Säule weist mit vollelektrischen Fahrzeugen in die Zukunft. Mit diesem Dreiklang decken wir das gesamte Marktspektrum ab und können alle Kundenwünsche erfüllen.

Bei Vielfahrern war der Diesel gesetzt. Wie machen Sie denen die Plug-in-Hybride als Alternative schmackhaft?

Bei unseren Hybridmodellen Panamera und Cayenne kombinieren wir das Beste aus beiden Welten: auf der einen Seite rein elektrisches Fahren bis zu 50 Kilometern weit, auf der anderen Seite die Boost-Funktion des E-Motors, gepaart mit effizienten Verbrennungsmotoren für die Dynamik. Selbst das Topmodell beim Panamera ist ein Hybrid mit einer Systemleistung von 680 PS. Damit sind wir in Europa sehr erfolgreich unterwegs. Der Hybrid-Anteil liegt hier bei über 60 %.

Wann sehen wir einen Elektrosportwagen im Format eines Macan oder Panamera?

Wir starten zunächst Ende 2019 mit dem Taycan, einer relativ kompakten viertürigen Sportlimousine. Beschlossen wurde zudem die Serienfertigung der Konzeptstudie Mission E Cross Turismo. Der richtet sich an Kunden, die für ihre Aktivitäten entsprechende Ansprüche an das Raumangebot stellen. Uns war zu Beginn wichtig, mit unserem elektrischen Erstaufschlag keine bereits von uns besetzten Segmente zu bedienen, sondern unser Produktportfolio zu erweitern. Darüber hinaus ist noch nichts entschieden.

Ist es denn möglich, dem Taycan die klassischen Porsche-Tugenden mitzugeben?

Es war von Anfang an klar, dass auch ein elektrisch angetriebener Porsche in seinem Segment das sportlichste Fahrzeug sein muss. Er wird auch auf den ersten Blick als Porsche zu erkennen sein, denn wir haben die Design-DNA von Porsche auf unsere kommenden Elektrofahrzeuge übertragen. Sie können sicher sein: Der Taycan wird in jeder Hinsicht dem Anspruch von Porsche gerecht, von der Auswahl der Materialien bis hin zur Qualität des Gesamtfahrzeugs.

Werden mit dem Taycan neue Tugenden hinzukommen?

Der Taycan fährt sich wie ein Porsche, sieht aus wie einer und fühlt sich so an – nur dass er eben einen anderen Antrieb hat. Auch ein Elektrosportwagen kann puristisch und hoch emotional sein. Für uns ist das kein Widerspruch. Die Unterbodenbatterie beispielsweise gibt dem Wagen einen extrem niedrigen Schwerpunkt, er liegt sogar niedriger als beim 911. In Kombination mit einer optimalen Gewichtsverteilung ist der Taycan also schon vom Grundkonzept her sehr sportlich angelegt.

Stefan Wackbach Misson E Foto: Porsche
Bisher verlieren Elektrosportler nach wiederholter starker Beschleunigung an Antriebsdynamik …

Aber nicht der Taycan. Bei ihm sorgen wir mit zwei Maßnahmen für gleichbleibende Performance in allen Fahrsituationen. Zum einen haben wir uns bei der Wahl der Traktionsmotoren für permanenterregte Synchronmaschinen entschieden, die eine hohe Dauerleistung ermöglichen und dadurch eine reproduzierbare Leistung sicherstellen. Das heißt, dass sie nicht nur einmal, sondern mehrmals hintereinander stark beschleunigen können. Dasselbe gilt für das Fahren mit konstant hoher Geschwindigkeit. Zum anderen haben wir ein intelligentes Kühlsystem entwickelt, das möglichen Leistungsverlusten wegen zu starker Hitzeentwicklung vorbeugt, indem es Kühlleistung immer genau an jene Komponenten liefert, die sie gerade brauchen.

Ein alltagstaugliches Elektroauto muss genügend Reichweite bieten, braucht also relativ schwere Batterien. Das wiederum geht zulasten der Performance. Wie haben Sie diesen Widerspruch gelöst?

Eine zentrale Frage bei der Entwicklung war: Wo liegt die optimale Balance zwischen Reichweite und Performance? Theoretisch müsste man ja nur eine entsprechend große Batterie ins Fahrzeug packen, schon hat man viel Reichweite. Doch das wäre nicht typisch Porsche, allein schon wegen des zu hohen Gewichts. Zum einen verwenden wir sehr leichte E-Motoren. Außerdem schaffen wir 500 Kilometer Reichweite über die hohe Leistungsdichte und den hohen Wirkungsgrad des elektrischen Antriebs. Der bewirkt einen niedrigen Stromverbrauch, sodass wir kleinere und leichtere Batterien einsetzen können. Außerdem haben wir sehr intensiv an der Aerodynamik gefeilt und im Windkanal um jedes cw-Tausendstel gekämpft. Dadurch ist es uns gelungen, den Luftwiderstand auf einen möglichst niedrigen Wert zu drücken.

Mit der 800-Volt-Architektur für Antrieb und Batterie geht Porsche einen eigenen Weg. Was sind die Gründe dafür?

Ich bin mir nicht sicher, ob wir einen eigenen Weg gehen. Ich würde eher sagen, dass wir die Ersten sind, die den für unsere Anforderungen richtigen Weg gehen. Ein elektrisch angetriebener Porsche muss nicht nur schnell fahren, man muss ihn auch schnell laden können. Mit der 800-Volt-Technologie lässt sich in gut 15 Minuten Strom für rund 400 Kilometer Reichweite nachladen, es dauert also im Vergleich zu den heute üblichen Systemen nur etwa halb so lange. Wegen der höheren Spannung können wir außerdem das elektrische System mit kleineren Kabeldurchschnitten und einem effizienteren Package leichter und kompakter gestalten. Auch das verstehen wir unter Intelligent Performance.

Sind mit der höheren Spannung zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich?

Nein, bei einem 800-Volt-System gibt es, verglichen mit der 400-Volt-Spannung, die schon seit Langem für Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge verwendet wird, keinen Unterschied in puncto Sicherheit.

Werden die Käufer ausreichend Lademöglichkeiten vorfinden?

Porsche baut mit anderen Automobilherstellern ein Schnellladesystem für Elektrofahrzeuge entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen auf. Bis 2020 soll ein Netz aus rund 400 Ladestationen verfügbar sein. Zugleich sorgen wir mit einem Hochvolt-Booster dafür, dass der Taycan auch an 400-Volt-Stationen geladen werden kann. Die Lademöglichkeit unseres Sport­wagens wird also abwärtskompatibel sein.

Was begeistert Sie persönlich an diesem Auto am meisten?

Wir erproben die Prototypen jetzt schon eine ganze Weile und haben sehr, sehr viele Kilometer mit ihnen zurückgelegt. Schon die ersten Fahrzeuge wiesen in einer extrem frühen Phase die Porsche-typischen Fahreigenschaften auf. Sie ließen sich so sportlich fahren und reagierten so direkt, dass wir uns auf Anhieb wie zu Hause gefühlt haben. Und seither ist ja noch viel passiert.

Wann werden wir den Taycan auf der Straße sehen?

Porsche wird ihn Ende 2019 vorstellen. Und so viel kann ich jetzt schon verraten: Er wird nicht einfach nur ein Elektrofahrzeug sein. Er wird ein Porsche sein.

Fahrbericht Porsche Panamera GTS
Gekonnt sportlich
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FA 12 2018 Titel
12/2018 16. November 2018 Inhalt zeigen
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