Iveco Daily (2019)

Erste Testfahrt im neuen Modell

Iveco Daily (2019) Foto: Iveco 14 Bilder

Iveco hat sein Transporter-Urgestein Daily auf neue Räder gestellt. Dank moderner Konnektivität und neuer Assistenten schließt er zur Konkurrenz auf.

Gut 40 Jahre hat der Iveco Daily mittlerweile auf dem Buckel. Mit der neuesten Generation ziehen aktuelle Assistenzsysteme in den Benjamin im Iveco-Programm ein. Wie bei Crafter und Sprinter legt Iveco den hierfür notwendigen Grundstein in Form einer elektromechanischen Servolenkung. Statt hydraulischer Unterstützung wirkt hier ein Elektromotor direkt auf die Zahnstangenlenkung. Das hat schon ohne Assistenten für den Betreiber gewisse Vorteile. Beim alten System muss eine Hydraulikpumpe ständig den für die Lenkkraftunterstützung nötigen Druck im System vorhalten, verbraucht also Strom und damit Sprit. Im Falle der elektrischen Lenkung schaltet sich der E-Motor nur dann unterstützend zu, wenn der Fahrer tatsächlich am Rad dreht. Entsprechend verbraucht er also auch nur dann Energie. Im City Mode, aktivierbar am Lenkrad, verstärkt sich die Lenkunterstützung. Beim Parken und Rangieren muss der Fahrer so laut Iveco bis zu 70 Prozent weniger Kraft aufwenden als zuvor.

Gleichzeitig kann der Elektromotor nicht nur die Drehimpulse des Menschen verstärken, sondern auch selbständig das Lenkrad drehen. Dieser Effekt ist auch die Grundlage für intelligente aktive Eingriffe in die Längsführung des Transporters.

Aktiver Spurhalter und Abstandstempomat

Der ProActive Lane Keeping Assist, ein aktiver Spurhalter, hilft dabei, den Daily in der Spur zu halten. Um die richtige Spur überhaupt zu erkennen, behält ein Kamerasystem die Spur und die Begrenzungslinien im Blick. Dabei geht das System proaktiv vor, wartet also nicht, bis der Transporter an der Linie kratzt. Die Prämisse lautet, den Daily möglichst stabil in der Spur zu halten. Das klappt auch bestens. Der Daily pendelt also nicht zwischen den Linien, sondern scheint beinahe mit Autopilot unterwegs. Das geschieht aber wie bei der Konkurrenz nur unterstützend. Wer die Hände vom Lenkrad nimmt, wird einige Sekunden später ermahnt, bevor der Assistent den Dienst quittiert. Auch ein Seitenwindassistent ist an Bord. Der nutzt aber statt der Lenkung die ESP-Sensorik, um das Fahrzeug zu stabilisieren. Quasi in Echtzeit erkennt das Elektronenhirn, dass der Wagen droht aus der Spur zu geraten. Dann bremst ESP die dem Wind zugewandten Räder ab, um einen Gegenimpuls zu erzeugen.

Zusammen mit dem Abstandstempomaten kommt also nicht nur ein Hauch von autonomem Fahren auf. Denn die sogenannte ACC (Adaptive Cruise Control) hat Iveco vorbildlich abgestimmt. Anders als es bei einigen Konkurrenten der Fall ist, verzichtet die Elektronik im Daily auf harsche Bremsmanöver. Das Radar erfasst den Vordermann schon lange bevor die eingestellte Abstandsschwelle erreicht ist. Dadurch ist der Daily viel vorausschauender unterwegs als seine menschlichen Landsleute auf den Autobahnen um Turin. Schließlich arbeitet das beste Assistenzsystem so, dass es der Fahrer möglichst gar nicht bemerkt und es darum auch aktiv nutzt. Die größten Errungenschaften der Sicherheitstechnik sind schließlich reif fürs Abstellgleis, wenn sie vom Fahrer nicht akzeptiert werden, weil sie mehr nerven als nutzen.

Assistenten mit logischer Bedienung

All die angenehmen Assistenzsysteme kann der Fahrer über entsprechende Knöpfe am neuen Multifunktionslenkrad bedienen. Das ist gleichzeitig etwas kleiner im Durchmesser und sportlich asymmetrisch geformt, um besser in der Hand zu liegen. Gleichzeitig lässt es sich in der Höhe verstellen und herausziehen. Das erleichtert es, die optimale Position zu finden. Die Logik der Bedienelemente ist leicht zu erfassen und praktisch selbsterklärend. Eine Taste aktiviert die ACC. Über den Nachbarknopf lässt sich der Sicherheitsabstand in drei Stufen verändern: Per Druck kann der Fahrer einfach durchschalten – 1, 2, 3, 2, 1 und so weiter.

Für die Fahrt auf der Autobahn ist der Fahrer also bestens gerüstet – vorausgesetzt, der Unternehmer bestellt auch all diese hübschen Helferlein. Doch wie sieht es in engen Innenstädten aus? Schließlich ist der Daily zwar das kompakteste Produkt im Iveco-Regal. Dabei bleibt er aber nach wie vor ein mindestens 3,5 und bis zu 7,2 Tonnen schwerer Transporter mit entsprechenden Ausmaßen. Einen elektronischen Flankenschutz, wie ihn beispielsweise der VW Crafter mitbringt, sucht man beim Daily vergebens. Zumindest teilweise kompensiert das aber die City Brake Pro. Dieser Notbremsassistent wirkt im Geschwindigkeitsraum bis fünf Kilometer pro Stunde, also beim Parken und Rangieren. Iveco verspricht, dass dieses System Unfälle im sehr niedrigen Geschwindigkeitsbereich verhindert. Bei mehr Tempo schlägt die Stunde des Notbremssystems AEBS. Auch hier verkündet Iveco vollmundig, die Notbremse verhindere alle Kollisionen bis 50 km/h. Darüber mildert es die Unfallfolgen zumindest ab. Ob das in der Praxis auch genauso funktioniert, ließ sich auf der ersten Testrunde noch nicht überprüfen.

Iveco Daily (2019) Foto: Iveco
Den Daily gibt es unter anderem als Pritschenwagen.

Neben dem Flankenschutz fehlt dem Daily der neuesten Generation auch noch ein Park- oder Anhängerassistent. Zumindest letzterer sei aber in Planung. Wer allerdings beruflich viel mit Anhängern zu jonglieren hat, dürfte das auch ohne Assi ganz gut hinbekommen, zumal die Spiegel im Daily das Umfeld des Transporters gut abdecken.

Daily unterstützt im Stau

Dafür bietet Iveco im Daily ein System an, das man sonst nur aus hochpreisigen Pkw kennt. Der sogenannte Queue Assist soll Fahrer im Stop-and-Go-Verkehr entlasten. Im Verbund mit dem Achtgang-Automatikgetriebe von ZF – im Daily hört es auf den Namen Hi-Matic – fährt der große Italiener fast von selbst wieder an. Das System überwacht das vorausfahrende Fahrzeug und passt die Geschwindigkeit an. Kommt die Queue, also die Autoschlange, zum Stehen, bremst der Assistent den Daily bis zum Stillstand ab. Geht es weiter, genügt ein kurzer Tapp aufs Gaspedal und der Transporter hängt sich erneut selbständig an den Vordermann.

Iveco Daily (2019) Foto: Iveco
Im Cockpit fallen die beiden neuen Displays aus - einmal im Kombiinstrument, einmal als neues Infotainmentsystem.

Wer eher auf rauerem Terrain unterwegs ist, wird sich ebenfalls über zwei neue Assistenten freuen. Die Hill Descent Control übernimmt auf langen Abhängen die Pedalarbeit und hält den Daily sicher in Zaum. Zu viel Geschwindigkeit oder zu viel Druck aufs Bremspedal könnten das Fahrzeug instabil werden lassen. Die Elektronik baut hier vor, ähnlich wie man es beispielsweise aus verschiedenen Pick-up-Modellen kennt. Geht es auf der anderen Seite des Tals wieder bergauf, vorzugsweise mit niedrigem Grip-Niveau, springt Traction Plus zur Seite. Auf rutschigem Untergrund wie Sand, Schlamm oder Schnee verteilt es die Kraft so, dass der Daily die Steigung sicher meistert. Kernstück von Traction Plus ist, ähnlich wie beim Seitenwindsystem, das ESP. Dieses wirkt in diesem Falle wie ein elektronisches Sperrdifferenzial. Es bremst also gezielt das durchdrehende Rad ab und verteilt so die Kraft an das Antriebsrad mit mehr Grip um. Gleichzeitig nimmt es im Fall der Fälle das Motordrehmoment zurück, um keine Kraft in Form von Schlupf zu verlieren. Der Daily ist laut Iveco das einzige Fahrzeug seiner Klasse, das so ein System auch für Hinterradantrieb in petto hat.

LED-Lampen auf Wunsch

Ein weiteres Highlight auf der Hardware-Seite sind die neuen Scheinwerfer des Daily. Während beim Vorgänger viele Kunden angemahnt haben, dass der Transporter nur mit Halogenlampen erhältlich ist, hat Iveco nachgebessert. Dabei haben die Italiener das Thema Xenon einfach übersprungen. Die neuen LED-Scheinwerfer (950 Euro Aufpreis), verbessern die Sicht und gleichzeitig die Hinderniswahrnehmung um 15 Prozent. Gleichzeitig dürfte sich der Fuhrparkmanager freuen: Die LED-Scheinwerfer sind wartungsfrei ausgelegt. Sie sollen also ein komplettes Daily-Leben halten. Gerade im Vergleich zu den teuren Xenon-Brennern hilft das also enorm seitens der Total Cost of Ownership. Blöd wird es nur, wenn es kracht und plötzlich ein teurer LED-Scheinwerfer auf der Reparaturrechnung steht.

Kosten sparen soll auch die neue Frontstoßstange. Statt eines großen Formteils, hat Iveco den Stoßfänger in drei Segmente unterteilt. Wer sich also die rechte Ecke – trotz der City-Notbremse – verbeult, muss auch nur die rechte Ecke austauschen. Die schlägt sich in der Werkstattrechnung entsprechend deutlich günstiger nieder. Laut Iveco entschärft dieses Detail bei 90 Prozent der (Un)Fälle die Situation. Die schicken Alufelgen folgen neben der Liebe der Italiener zu schmuckem Design auch der Kostenphilosophie. Leichtere Felgen lassen dem Unternehmer schlicht mehr Nutzlast übrig.

Etwas schwacher Motor

Zu Beginn der Testfahrt zeigt sich der Daily gleich von seiner besten Seite. Eine Handbremse gibt es nämlich nicht. So passen tatsächlich problemlos drei Menschen auf Fahrersitz und Doppelsitzbank. Stattdessen verriegelt eine elektrische Parkbremse vollautomatisch. Beim losfahren gibt sie die Fuhre zuverlässig frei. Iveco rechnet dazu vor, dass ein Paketfahrer pro Monat fünf Stunden mit der mechanischen Handbremse vergeudet. Gleichzeitig verhindert die elektrisch-automatische Bremse Armbeschwerden durch die wiederholte Bewegung.

Beim Antrieb setzt Iveco weiter auf zwei Grundaggregate. Der 2,3-Liter-Diesel, bei Automatikgetriebe inklusive Start-Stopp-System, leistet 116, 136 oder 156 PS bei 320, 350 oder 380 Nm Drehmoment. Im Test erweist er sich in der stärksten Ausführung allerdings trotz des eigentlich üppigen Drehmoments nicht gerade als der spritzigste Geselle. Vor allem aus dem Drehzahlkeller heraus fehlt es an Mumm. Auch der Verbrauch liegt auf der kurzen Testrunde im Schnitt bei nicht ganz so grünen zehn Liter Diesel. Dazu kommt, dass Iveco beim Schaltgetriebe nachbessern sollte. Während es sich in der Gasse zwischen dem dritten und vierten Ganz butterweich schaltet, fehlt jegliche Finesse beim Wechsel in die nächstrechte oder –linke Gasse. Dabei geht es nicht einmal darum, dass das Getriebe etwas mehr Kraft erfordert. Gefühlt bewegt sich der Schalthebel kaum aus der Mittellage. Doch irgendwo dort verbergen sich schließlich die Gänge eins, zwei, vier und sechs. Das hinterlässt einen ziemlich hakeligen Eindruck und verlangt ein wenig Eingewöhnung.

Iveco Daily (2019) Foto: Markus Bauer
Neue Alufelgen sollen Gewicht sparen.

Ein 3,0-Liter-Motor leistet 160, 180 oder 210 PS bei 380, 430 oder 470 Nm Drehmoment. Dazu kommt eine 3,0-Liter-Erdgasvariante mit 136 PS und 350 Nm. Auch der Stromer bleibt Teil des Programms. Allen Motoren gemein ist die Einstufung nach Euro 6D TEMP. In den Motoren sorgt ein elektronisch gesteuerter Turbolader mit variabler Turbinengeometrie für Druck. Das macht den Turbo nicht nur reaktionsschneller, sondern auch effizienter. Insgesamt ist der neue Daily laut Iveco bis zu zehn Prozent sparsamer als sein Vorgänger. Dabei helfen auch Super Eco-Reifen mit besonders niedrigem Rollwiderstand und eine neue Lichtmaschine mit 220 Ampere. Schließlich behält ein Reifendrucküberwachungssystem die Füllung der Pneus im Blick. In seiner Klasse ist der Daily das einzige Fahrzeug, das dieses System mit Einzel- und Doppelbereifung anbietet. Im selben Maße wie den Kraftstoffverbrauch will Iveco beim neuen Daily auch die Wartungskosten senken. Bis zu zehn Prozent sind auch hier drin. Verantwortlich ist unter anderem eine neue größere Ölwanne für Langstreckeneinsätze. So muss der Daily statt alle 50.000 nur noch alle 60.000 Kilometer zum Ölservice.

"On-Board Living" im Fokus

Neben all der Technik unter dem Blech will Iveco beim Daily auch einen Fokus auf den Arbeitsplatz hinterm Lenkrad legen. In Zeiten der umstrittenen „Polensprinter“ stellen die Italiener dieses Kapitel nicht ganz ideal unter das Schlagwort „On-Board Living“. So werde der Transporter manchmal auch zum Zuhause. Tatsächlich wird es im Daily aber etwas heimeliger. Fahrer können dank des neuen Hi-Connect Infotainmentsystems mit Sieben-Zoll-Display und Sprachsteuerung ihr Handy per Android Auto oder Apple Car Play direkt verbinden und haben so einfachen Zugriff auf die Musikbibliothek. Im Display sind auch die Bilder der Rückfahrkamera und selbstredend die Handynavigation zu sehen. Optional verbaut Iveco ein TomTom-Navi, das speziell auf Nutzfahrzeugbedürfnisse zugeschnitten ist. Das Lenkrad wiederum ist mit handschmeichelndem Leder bezogen und fasst sich gut an. Obendrein ist es so angenehm griffig. Hinter dem Volant zeigt ein hochauflösendes Farbdisplay allerhand Informationen zu Fahrzeug und Co. an.

Neue Konnektivitätslösungen

Neben all den Neuerungen im Fahrzeug selbst, mit denen Iveco den Daily fit für 2020 macht und technologisch zu Crafter und Co. aufschließt, haben die Italiener auch in die Vernetzung investiert. Dazu hat sich Iveco unter anderem mit der Microsoft Plattform Azure zusammengetan. Damit und mit der eingebauten Konnektivitätseinheit steht der Daily in direktem Kontakt mit Ivecos Control Room. Das Fahrzeug liefert in Echtzeit Daten an die Zentrale. Im Umkehrschluss kann der Transporter so kontinuierlich überwacht werden. Dazu gehört laut Iveco auch, proaktiv Diagnosen zu stellen und die Wartungsmaßnahmen vorbeugend zu planen. So will Iveco die Anzahl der Werkstattaufenthalte möglichst auf ein Minimum herunterschrauben und Reparaturen und Wartung zusammenführen. Der Remote Assistance Service ermöglicht zudem, die Software im Daily aus der Ferne fit zu halten. Updates passieren also künftig „durch die Luft“ statt per Kabel in der Werkstatt.

Die Daten sind aber nicht nur für Iveco zugänglich, sondern auch für die Nutzer. Im MyDaily Portal beziehungsweise in der MyDaily App können die Halter ihren Daily überwachen. Über die Anwendung lassen sich Leistung, Kraftstoffverbrauch und Fahrstil analysieren. Dazu sendet der Transporter selbständig regelmäßige Smart Reports und gibt darin Empfehlungen, wie der Fahrer seinen Fahrstil verbessern kann, um Sprit zu sparen. Flottenmanager sollen von der Lösung Verizon Connect profitieren, die für den neuen Daily erhältlich ist. Sie bietet eine verbesserte Navigation und stellt unter anderem die Standorte der Flottenfahrzeuge dar. Wer schon ein eigenes Flottenmanagementsystem betreibt, kann seine neuen Dailys per Web API-Schnittstelle integrieren.

Fazit: Gelungene Neuauflage

Unter dem Strich ist die Mission New Daily also gelungen. Zwar kann der neue die Konkurrenz nicht überholen. Doch das liegt weniger an der Entwicklungsabteilung von Iveco als vielmehr daran, dass die aus dem Pkw bekannten Assistenzsysteme mittlerweile für alle neu vorgestellten Transporterbaureihen adaptiert sind. Eine Elektroversion hatte Iveco ohnehin schon im Programm, die Brennstoffzelle hat sich auch bei den Marktbegleitern noch nicht durchgesetzt. Der nächste Sprung steht also noch aus und dürfte sich vorerst eher in der Kommunikation zeigen. Mercedes-Benz hat mit dem intelligenten MBUX vorgelegt, VW wird im Crafter bald nachziehen. Immerhin bietet Iveco schon ein klein wenig intelligente Assistenz in Form von Siri und Google.

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