Renault Talisman Grandtour 17 Bilder Zoom
Foto: Karl-Heinz Augustin

Kaufberatung Renault Talisman Grandtour

Für jeden Fahrer der passende Kombi

Der Renault Talisman tritt das Erbe des wenig erfolgreichen Laguna an. Der Nachfolger macht vieles besser, glänzt mit reichlich Ausstattung, Sicherheit und wahlweise fünf Motoren. Welcher Gallier der Richtige ist, klärt die Kaufberatung.

Da soll noch einer sagen, Glück könne man nicht kaufen, zumindest in automobiler Form ist das bei Renault möglich. Die positive Fügung des Schicksals hört auf den Namen Talisman und ist in der Mittelklasse angesiedelt. Vielleicht bringt er den Franzosen ja mehr Glück als sein Vorgänger Laguna, der hierzulande nur wenige Abnehmer fand.

Aber damit stehen die Mannen von Renault nicht alleine da, das Problem kennen alle Automobil-Importeure. Kleinwagen und Kompaktwagen laufen richtig gut, schaut man in die höheren Fahrzeugklassen, wird die Luft merklich dünner. Hier haben die Deutschen das Sagen und heimsen die höchsten Verkaufszahlen ein.

Aber vielleicht wird das ja mit dem Talisman ganz anders, dessen Frontpartie übrigens aus seitlicher Betrachtung, bis auf die geschwungenen LED-Tagfahrlichter, stark an einen deutschen Wettbewerber aus dem hohen Norden erinnert: den VW Passat. Zufall? Wie auch immer. Verglichen mit dem Wolfsburger spielt der Franzose preislich in einer anderen Liga. Er startet als Kombi Grandtour dCi 110 ab 24.328 Euro. Der VW Passat Variant geht als 120 PS starker TDI erst für 25.924 Euro über den Ladentisch.

Okay, der VW hat 10 PS mehr Leistung und für die Preisdifferenz transportiert der Kofferraum auch noch üppige 650 bis 1.780 Liter durch die Gegend. Das Gepäckabteil des Renault schluckt mit 572 bis 1.681 Litern den ein oder anderen Koffer weniger. Das macht die umfangreiche Serienausstattung beim Talisman Grandtour aber wieder wett und spart locker ein paar Tausender.

Fünf Jahre Garantie bietet kein anderer europäischer Hersteller

Sie möchten Beispiele? Bitte sehr. Es beginnt mit dem schlüssellosen Zugangssystem Keycard Handsfree. Der Renault erkennt seinen Besitzer noch vor dem Erreichen des Fahrzeugs, zur Begrüßung erstrahlt die Außenbeleuchtung, die Seitenspiegel klappen aus und weisen mit ihrer Umfeldbeleuchtung den Weg. Gleichzeitig erwacht innen der Multimedia-Bildschirm zum Leben. Stimmt, das gibt’s ebenso bei VW, wenn auch zum Teil nur als Extra. Wo der Wolfsburger definitiv passen muss, ist die Neu­wagen­garan­tie des Renault über fünf Jahre (bis 100.000 km). Das gilt aber nicht nur für VW, sondern alle anderen europäischen Hersteller auch.

Widmen wir uns dem Innenraum. Der ist im Renault großzügig geschnitten und passt sehr großen wie kleinen Kollegen gleichermaßen. Der Fahrer ist zufrieden, da er hinter dem weit verstellbaren Lenkrad eine optimale Sitzposition vorfindet. Langbeinigen Gästen bieten die Fondsitze eine angemessene Oberschenkelauflage. Immer an Bord ist Multisense. Über das sogenannte Multisense-Programm lassen sich fünf verschiedene Fahrmodi wählen. Die jeweiligen Abstufungen Eco, Neutral, Komfort, Sport oder Individuell haben eine eigene Charakteristik. Je nachdem was gerade eingestellt wurde, verändert sich nicht nur die Ambiente-Beleuchtung samt digitalem Kombiinstrument und Monitor in Rot, Blau, Grün, Sepia oder Purpur, geändert wird auch das Ansprechverhalten des Motors, der Lenkung bis hin zum Motorsound. Darüber hinaus besteht in der letzten Stufe die Möglichkeit, die vordefinierten Parameter zu personalisieren. Wer beispielsweise sparsam unterwegs sein will, aber eine sportliche Lenkung möchte, wählt im Programm Individuell die einzelnen Funktionen hinzu oder auch ab – ganz nach dem eigenen Geschmack

Topdiesel mit Doppelkupplung

Zwei Benziner mit 150 und 200 PS sowie drei Diesel sind für den Talisman im Angebot. Als standesgemäßer Antrieb für einen Dienstwagen stehen die wirtschaftlichen Selbstzünder natürlich im Mittelpunkt. Der Einstiegs-dCi mit 110 PS schöpft seine Kraft aus 1,5-Liter Hubraum, die beiden kräftigeren Ölbrenner mit 130 und 160 PS verfügen jeweils über einen 1,6-Liter-Motor. Und als weiteren Unterschied gibt es den Topdiesel ausschließlich in Verbindung mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe.

Selbstverständlich werfen kosten­getrie­bene Flottenmanager ihren Blick direkt auf den kleinsten dCi-Diesel, der mit einem kombinierten Werksverbrauch von nur 3,7 Litern glänzt. Dennoch empfehlen wir den mittleren Antrieb mit 130 PS, da er den besten Kompromiss aus Ökonomie und Fahrspaß bildet. Und mit im Schnitt 4,2 Litern liegt er nur einen halben Liter höher als der dCi 110. Der Antrieb arbeitet flüsterleise und zeigt sich früh einsatzbereit. Er beschleunigt den Talisman Grandtour in 10,8 Sekunden auf Tempo 100, verfügt über genug Kraft­reserven und läuft bei Bedarf bis zu 200 km/h schnell.

Die Trinksitten hielten sich auf unserer Verbrauchsrunde mit durchschnittlich 5,2 Litern mehr als nur im Rahmen. Auch das Sechsganggetriebe erfreut mit einfachster Handhabung, der Schalt­hebel flutscht präzise durch die Gassen. Wer es statt schalten lieber walten lässt, für den steht ein kommodes Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe für 1.645 ­Euro in der Preisliste. Apropos Preis­liste. Der Außendienstler kann zwischen drei Ausstattungsstufen wählen: Life, ­Intens und Initiale Paris. Verständlich, wer auf die Highlights des Topmodells Initiale Paris blickt, würde den sofort sein Eigen nennen. Nappaleder, eine Rückfahrkamera nebst weiteren Fahr­assis­ten­ten sind hier genauso selbstverständlich wie  das adaptive Fahrwerk, die Allradlenkung 4Control oder ein Head-up-Display.

Das Basismodell bringt schon viel mit

Die muss es aber nicht unbedingt sein, da die Grundversion Life (25.756 Euro beim 130-PS-Diesel) bereits dermaßen üppig ausstaffiert ist, dass nur noch wenige Wünsche offenbleiben. Massagesitz für den Fahrer? Hat er. Eine Zweizonen-Klimaautomatik mit Luftgütesensor samt gereinigter Außenluft gibt es genauso wie ein Soundsystem mit acht Lautsprechern oder die Einparkhilfe hinten. Selbst das Online-Multimediasystem R-Link2 inklusive Europa-Navigation und DAB-Radioempfang ist schon serienmäßig verbaut.

Ein Wermutstropfen gilt allerdings der Menüführung am Siebenzoll-Touchscreen, denn die erweist sich als verschachtelt. Abhilfe schafft auch nicht der mit einigen Schaltern garnierte Dreh-Drücksteller auf der Mittelkonsole. Mal eben einen neuen Radiosender einstellen und anschließend zur Navigation zurückkehren, dazu braucht es unnötig viele Schritte. Es fehlen schlichtweg Schnellwahl-Funktionen unter anderem zum direkten Navi-Aufruf

Eingeschränkte Extras beim Life

Ein weiteres Handicap: Obwohl die Life-Version sehr ordentlich ausgestattet ist, sind einige wünschenswerte Extras für das Basismodell selbst gegen Aufpreis nicht erhältlich. Dazu zählen in puncto Sicherheit unter anderem der Not­brems­assis­tent, der Abstandswarner oder etwa der Totwinkelwarner.

Wer auf diese Features nicht verzichten mag, muss 2.437 Euro für die Intens-Ausstattung drauflegen. Allerdings sind diese Dinge auch hier nicht Serie, sondern aufpreispflichtig. Immerhin kann der Talisman Life mit einem Sicherheitstrennnetz geordert werden. Kostenpunkt: 244 Euro. Auch die lobenswerten Voll-LED-Scheinwerfer, die für eine gute Straßenausleuchtung sorgen, gehören für 924 Euro dazu. Und gegen fröstelnde Wintertage hilft die wärmende Lenkradheizung (294 Euro) inklusive einer Scheinwerferreinigungsanlage.

Teuer im Unterhalt

Geht es um die Betriebskosten, schlägt sich der geringe Kraftstoffverbrauch des 130 PS starken Franzosen positiv nieder. Die Werte für die Wartung und den Verschleiß lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor, dafür aber die Restwertprognose. Bei 36 monatiger Nutzungsdauer und einer jährlichen Kilometerleistung von 40.000 km teilt sich der Franzose die rote Laterne mit dem Opel Insignia Sports Tourer. Liegt die Haltedauer bei 60 Monaten und jährlichen 20.000 Kilometern, steht der Talisman im Vergleich zu den klassischen Firmenwagen vom Schlage eines Ford Mondeo Turnier oder VW Passat Variant am schlechtesten da.

Auch die höheren Versicherungseinstufungen beim Talisman Grandtour treiben die Betriebskosten nach oben. Im Vergleich zu seiner deutschen Konkurrenz ist er das Schlusslicht.

Plus

Sehr umfangreiche Serienausstattung, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, fünf Jahre Neuwagengarantie, kultivierter und ausgewogener 130-PS-Diesel, solide Verarbeitung mit ansprechenden Innenraum-Materialien, geringe Kraftstoffkosten

Minus

Komfort-Extras und wichtige Fahrerassistenten für das Basismodell nicht lieferbar, schlechte Restwertprognose und höhere Unterhaltskosten

Datum

21. November 2016
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