Konzepte gegen den Stau

Smarte Städte

Foto: Jacek Bilski

Städte müssen handeln, um den Verkehrskollaps zu verhindern. Aber wie? Autoverbot, intelligente Vernetzung oder kostenloser ÖPNV für alle? Wir zeigen fünf Städte, die mit intelligenten Konzepten andere Wege gehen.

Bis 2050 werden laut Schätzung der Vereinten Nationen zwei Drittel aller Menschen weltweit in Städten leben. Experten schätzen, dass dann in Deutschland fast 85 Prozent in Ballungszentren wohnen werden gegenüber 77 Prozent aktuell. Zahlen, die deutlich machen: Große Städte müssen smarte Lösungen finden, damit ihre Bewohner mobil bleiben, ohne dass der totale Verkehrskollaps droht. Weltweit tüfteln Experten deshalb an urbanen Mobilitätslösungen der Zukunft. Wir zeigen exemplarisch Beispiele von fünf Städten, die jetzt schon neue Wege gehen. Ein Blick auf Houten, Santander, Tallinn, Berlin und La Paz.

Houten (NL): Autos? Verboten!

Foto: Adobe/Vladimir Zhoga
Houten (Niederlande)

Houten, südlich von Utrecht, bewies Konsequenz: Die Innenstadt gehört Zweirädern. Für Holland- und Lastenräder sowie Pedelecs führen vom Zentrum aus sternförmig Wege in die umliegenden Wohnsiedlungen. Der Ort ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Doch schon in den 1970ern fiel die klare Entscheidung für diese zweiradfreundliche Infrastruktur: Wollen die rund 50.000 Einwohner per Auto von einer Wohnsiedlung in eine andere fahren, führt der einzige Weg dorthin über eine Umgehungs­straße rund um den Stadtkern. Also müssen Autofahrer erst raus auf den Ring, um dann wieder Richtung Ziel abzubiegen. Neben Radwegen gibt es zudem Fahrradstraßen, die sich Radler und Autofahrer teilen. Doch Zweiräder haben Vorrang. Wer radelt, ist also schneller am Ziel.

Santander (E): Daten, Daten, Daten!

Foto: Javier Garcia Seijas
Santander (Spanien)

Zur Smartcity wollen viele Städte werden. Santander, Hauptstadt von Kantabrien mit knapp 200.000 Einwohnern, ist es längst. Schon 2010 begannen die Verantwortlichen damit, die Hafenstadt zu vernetzen. 20.000 Sensoren in Straßen, Bussen, Parks, Laternen und sogar Mülltonnen generieren täglich über 150.000 Daten. Das Ziel der Datensammlung: mehr Effizienz in allen Bereichen. Straßenlaternen leuchten nur, wenn jemand in der Nähe ist. Müllcontainer melden automatisch, wenn sie geleert werden müssen. Feuchtigkeitssensoren im Boden steuern die Rasensprenger in Parks. Und Autofahrer sehen an einer LED-Anzeigetafel, ob es in einer bestimmten Straße freie Parkplätze gibt. Weniger Verkehr, weniger Unfälle und weniger Emissionen sollen damit auf der Habenseite der Santanderinos stehen. Mittlerweile wurden aber auch kritische Stimmen laut. Demnach wurde versäumt, Bewohner und Beschäftigte bei dem Projekt mitzunehmen.

La Paz (BOL): Per Seilbahn durch die City

Foto: Adobe/Matyas Rehak
La Paz (Bolivien)/Deutschland

Die Idee klingt verlockend: Wenn es auf den Straßen zu eng wird, hebt man einfach ab und nutzt den Luftraum. In der bolivianischen Stadt La Paz, die auf 3.600 Metern liegt, ist man die Höhe bereits gewöhnt. Dort führt seit 2014 ein Seilbahnnetz mit mehreren Linien auf gut 33 Kilometern über die Stadt. Täglich steigen etwa 300.000 Menschen ein. Kritiker meinen zwar, dass Seilbahnen den Verkehr an stark frequentierten Strecken durchaus entlasteten, aber keine echte Alternative zu U-, S- oder Stadtbahn seien. Trotzdem beobachten Experten stau­geplagter Städte das bolivianische Modell genau. Vielleicht könnte es auch hierzulande Teil einer zukunftsfähigen Mobilitätslösung sein. In Stuttgart etwa ist eine Seilbahn im Gespräch, die ab 2027 ein geplantes Wohnquartier an der Autobahn anbinden soll. Und in München läuft eine Machbarkeitsstudie zu einer Seilbahn, die über den Frankfurter Ring führen könnte.

Luxemburg: Kostenlos um- und einsteigen

Luxembourg. Bus on Bus stop near High Authority of the European Coal and Steel Community. Traffic In street Foto: Ryhor Bruyeu
Luxembourg/ Tallinn (Estland)

Bitte einsteigen: Luxemburg hat den kostenlosen ÖPNV eingeführt. Seit März 2020 können nicht nur Einwohner, sondern auch Touristen und Grenzgänger alle Verkehrsmittel kostenfrei nutzen. Damit steht Luxemburg allerdings nicht allein da. In Estlands Hauptstadt Tallinn fahren Kinder unter sieben Jahren und Passagiere mit Kindern unter drei kostenlos. Und natürlich alle registrierten Einwohner. Schon 2013 startete die baltische Hauptstadt mit diesem Vorstoß, der in anderen Städten durchaus versucht, aber selten durchgehalten wurde.

Berlin: Fußgänger first

Foto: Adobe/ Gabriele
Berlin (Deutschland)

Berlin geht zu Fuß: Ende Januar beschloss Berlin ein Gesetz zum Schutz von Fußgängern. Es räumt ÖPNV und Radverkehr Vorrang vor dem Auto ein. Geplant sind zudem verbindliche Vorgaben für den Fußverkehr: mehr Spielstraßen, Begegnungszonen und Bänke, sicherere Schulwege, längere Grünphasen und damit mehr Lebensqualität. Außerdem hat die Hauptstadt beschlossen, das Projekt Flaniermeile Friedrichstraße bis Ende Oktober 2021 zu verlängern. Damit bleibt die Friedrichstraße auf einem Teilabschnitt wie schon seit August 2020 weiterhin autofrei.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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