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Versicherungen für Flotten

Haben Sie den passenden Schutz?

Experten erwarten steigende Prämien für Firmenflotten. Flottenmanager mit hohen Schadenquoten sollten verhandeln. Welche Versicherung was bietet, zeigt unsere Marktübersicht.

Privat legen sich immer weniger Autofahrer einen Neuwagen zu. Wer vom Arbeitgeber einen Dienst­wagen angeboten bekommt, nimmt ihn in der Regel dankend an. Und wer zur Generation Y zählt, also den New-Mobility-Gedanken ohne eigenes Auto verfolgt, springt auf den Carsharing-Zug auf. Ob Carsharing-Auto oder Dienstwagen, beide gehören Flotten an. So oder so, das Flottengeschäft wächst also, darin sind sich Experten einig. Unisono die Aufträge für Assekuranzen. Im vergangen Jahr stieg die Zahl der Flottenversicherungsverträge um 3,5 Prozent auf 4,8 Millionen, während der gesamte Pkw-Markt nur ein Vertragsplus von 2,1 Prozent verzeichnete. Auch die Prämieneinnahmen von 3,4 Milliarden Euro stiegen mit 3,5 Prozent um einen Prozentpunkt mehr als im Pkw-Gesamtmarkt.

Nicht jeder Fuhrpark ist für die Versicherungen allerdings rentabel. Die HDI Global bemängelt, dass immer noch die Hälfte der Flotten verlustbringend verläuft. So sieht es auch Thomas Winkler von der Gothaer Versicherung: "Unsere Schadenkostenquote ist nach wie vor miserabel." Aktuell liegt die sogenannte Combined Ratio bei 106 Prozent. Damit erreichen viele Anbieter keine schwarzen Zahlen. "Ich gehe davon aus, dass es Flotten mit einer Combined Ratio von 110 bis 120 Prozent gibt", so Harald Seliger von der R+V Allgemeinen Versicherung. Für 2017 prognostiziert Seliger für die Schadenkostenquote höchstens eine Verbesserung um einen Prozentpunkt. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) geht bei der Erneuerungsphase im Herbst von einem Anstieg der Prämien aus.

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Wenn die Mitarbeiter viele Schäden verursachen, steigt die Schadenquote und damit die Prämie.

Terroranschläge erhöhen den Druck

Tatsächlich dürfte es beispielsweise für Autovermieter schwierig werden, ihre Flotten zu versichern. Mit ein Grund sind jüngste Terroranschläge mit Mietwagen, wie beim Attentat auf der Westminster Bridge in London. Wie in der Vergangenheit stehen erneut Kurier- und Pflegedienste auf der schwarzen Liste der meisten Flottenassekuranzen. Tendenziell dürften auch Carsharing-Fahrzeuge mit höheren Prämien eingestuft werden. "Das lässt sich durch höhere jährliche Laufleistung und durch die häufig wechselnden Fahrer erklären", stellt ein Sprecher der HDI Global fest. Doch das kann sich künftig ändern, schließlich bietet sich für Carsharing die Versicherungsmethode Pay-as-you-Drive an. "Wenn Carsharing–Fahrzeuge mit Telematik-Systemen vernetzt sind, kann jeder Fahrer seinen Versicherungsbeitrag selbst erfahren", sagt Sebastian Reddemann von der VHV Versicherung.

Experten fordern Flotten-Tarif

Probleme bereitet den Versicherungen die Tarifierung der Risiken. Im Wesentlichen basiert sie auf den Daten der einzelnen Flotte. "Wir schauen drei bis fünf Jahre in die Vergangenheit und versuchen durch unseren Erfahrungsschatz die richtige Prämie zu ermitteln", sagt Winkler. Doch Fahrer, Fahrzeuge und Einsatzzweck seien einem starken Wechsel unterworfen und Flotten somit nicht statisch.

Als schwierig gestaltet sich für Versicherer zudem der Trend zu sogenannten Selbsttragungs-Modellen. Übernimmt der Kunde durch eine hohe Selbstbeteiligung einen Teil des Risikos, würden ganze Schadenarten, wie Glasschäden, wegfallen und somit in der Kalkulation fehlen. Für Seliger sind Modelle erfolgreich, bei denen Unfälle – ähnlich wie ein Schadenfreiheits-Rabattsystem in der privaten Kfz-Versicherung – über einen Malus und eine Prämienerhöhung direkt an den Mitarbeiter weitergereicht werden.

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Wer hat Schuld an einem Unfall? Ein Gutachten eines unabhängigen sachverständigen kann hier weiterhelfen.

Was die Branche tatsächlich braucht, ist nur schwer gegen Versicherungsmakler und Kunden durchzusetzen. "Pro Jahr müssten wir bei jeder Flotte zwei bis drei Prozent als laufende Kostenerhöhung mitnehmen können", erläutert Seliger. In der Praxis wird eine solche Regelung bisher nicht akzeptiert. Ein Grund: Für das Flottengeschäft gibt es bis heute keinen von der Branche kalkulierten Tarif. Diesen fordert Winkler ausdrücklich: "Wir verhandeln über einen Preis, wissen aber nicht, welche Prämie risikotechnisch die richtige wäre." Mit einem vom GDV auf Basis spezieller Flottenrisikofaktoren kalkulierten Tarif würde das Geschäft für Versicherungen und Vermittler deutlich einfacher.

Regionalversicherer werden aktiver

Bis dahin gilt Verhandlungsgeschick. Flotten mit hohen Schadenquoten sollten – falls der aktuelle Versicherer mehr Prämie verlangt – "über den Markt gehen". Aktuell sind Regionalversicherer in dieser Sparte wieder deutlich aktiver, wie die Teilnahme aller Konzerntöchter der Versicherungskammer Bayern an der Marktumfrage zeigt. Das A und O für eine gute Verhandlungsposition bleibt eine umfassende Schadenanalyse. "Aus Erfahrung wissen wir, dass es nur sehr selten eine übergreifende Kostenanalyse und -bewertung gibt, sodass häufig zu niedrige Selbstbeteiligungen bestehen und Kleinstschäden mit dem Versicherer abgewickelt werden", sagt Ver­siche­rungs­bera­ter Oskar Durstin von der River Consulting. Das sei fast immer unwirtschaftlich.

Nach Erkenntnis von Durstin gibt es noch immer Versicherer, die alle Schadendaten des Kfz-Schutzes in einen Topf werfen. Dabei müsse man zwischen Kfz-Haftpflicht- und Kasko-Schutz ganz genau trennen. Das Risikopotenzial bei der Kaskoversicherung ist zunächst auf den Neu- oder Zeitwert des Fahrzeugs


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Datum

11. August 2016
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