Mobilität der Kommunen Wege aus dem Kollaps

Stadtverkehr 2022 Foto: dirk kittelberger

Auch Stadtverwaltungen elektrifizieren ihre ­Fuhrparks. Das ist gut fürs Klima, aber nicht für die ­Fahrzeugdichte auf den Straßen. Deshalb werden jetzt Alternativen für die Beschäftigten entwickelt.

Der gesetzliche Rahmen erhöht den Druck. Deshalb wollen viele Kommunen in den kommenden Jahren klimaneutral werden. Die Clean Vehicles Directive, die eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umsetzt, schreibt der öffentlichen Hand bis 2025 und 2030 feste Quoten für die Beschaffung neuer Fahrzeuge mit sauberen Antrieben vor. Das Elektromobilitätsgesetz schafft Grundlagen, um Busspuren oder bevorrechtigte Parkplätze an Ladestationen für ­Stromer einzurichten. Häufig aber sind die größten Klima­sünder die Beschäftigten der Stadtverwaltung selbst.

In der Klimabilanz des Bezirksamts Hamburg-Nord schlagen Arbeitswege und Dienstfahrten der Mitarbeitenden nach der Wärmeerzeugung mit den ­meisten CO2-Emissionen zu Buche. Sie machen ein ­knappes Drittel der Emissionen aus. »44,5 Prozent der Kilo­meter werden mit Auto gefahren«, sagt ­Klima­schutzmanagerin Solveig Schröder. "85 Prozent der Dienstwege erledigen die Verwaltungsmitarbeitenden mit dem eigenen Auto", so Schröder. Deshalb müsse die Dienstfahrtenregelung auf den Prüfstand, flankiert von einem ­multimodalenMobilitätskonzept.

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Wie das geht, zeigt die Stadt Aachen. 2017 verpflichtete sie als erste große Stadtverwaltung ihre Beschäftigten, für Dienstwege die 22 Poolfahrzeuge zu nutzen. 21 davon sind Stromer. Die Fahrzeuge stehen an festen Orten im Stadtgebiet. Flexibel per App buchbar, steigt ihre Auslastung. Nach Dienstschluss können die Bürger die Fahrzeuge im Sharing nutzen.

Weil Elektrifizierung zwar die Klimabilanz senkt, aber nicht die Straßen entlastet, können die Verwaltungsbeschäftigten zudem Leih-Pedelecs, E-Scooter oder ÖPNV-Tickets über die App buchen. Rund 10,5 Tonnen CO2-Emissionen wurden im vergangenen Jahr auf den rund 100.000 Dienstfahrten-Kilometern eingespart, rechnet Aachen vor. Die Buchungszahlen der Poolfahrzeuge im öffentlichen Carsharing haben sich im letzten Jahr auf 34 Prozent verdoppelt.

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Beim Bezirksamt Hamburg-Nord kommt ein Drittel der 1.300 Beschäftigten mit dem Auto zur Arbeit. Der geplante Neubau liegt näher an der U-Bahn, mit mehr Radstellplätzen und weniger Parkplätzen. Damit die Beschäftigten anders pendeln, werden Maßnahmen wie Mobilitätsbudget und Carsharing geprüft. Infotage und Fahrrad-Testwochen sollen künftig aufs Rad und in Bus und Bahn locken.

Kommunen Planung 2022 Foto: firmenauto

Das will auch Bonn erreichen, zusammen mit dem Rhein-Sieg-Kreis. Weil eine geplante Großbaustelle an der Stadtautobahn den Berufsverkehr lahmzulegen droht, haben Stadt und Kreis das Programm Jobwärts aufgelegt. Es soll nicht nur die eigenen Beschäftigten, sondern auch Arbeitgeber in der Region an der Mobilitätswende beteiligen. Das Jobwärts-Team erstellt Mobilitätsanalysen in den ­Unternehmen und entwickelt Pläne für alternative Mobilitätsangebote, von Carsharing über Fahrradleasing bis Jobticket. Zehn Euro pro Mitarbeiter zahlen die Arbeitgeber jährlich an das Programm, maximal 5.000 Euro. 40 Arbeitgeber in der Region mit insgesamt 70.000 Mitarbeitenden sind inzwischen dabei, darunter Telekom, Uniklinik und mehrere Kommunalverwaltungen.

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"Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Alternativen zum Auto ist groß, nicht nur innerhalb der Stadtverwaltung", sagt Verkehrsdezernent Matthias Bärwolff der Stadt Erfurt. Deshalb wolle man auch hier andere Akteure ins Boot holen, um Verkehre zu verlagern. Die Chancen dafür stehen gut, sagt Städteforscher Jansen. »50 Prozent der urbanen Wege sind ohnehin kürzer als fünf Kilometer.« Es brauche nur gute Beispiele.

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