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Neues Klima- und Windkanal-Testzentrum

Ford macht in Köln globales Wetter

Ford ETC Köln 2018 Foto: Ford 6 Bilder

Autohersteller setzen in der Entwicklung neben Testfahrten in extremen Klimazonen auch auf spezielle Klimazonen. Ford will nun mit neuester Technik noch bessere Simulationen schaffen.

Der heißeste und der kälteste Ort Europas liegen beide in Köln. Im nun eröffneten Klima-Windkanal-Testzentrum von Ford lassen sich Polarfrost und Sahara-Hitze Tür an Tür simulieren, um kommende Automodelle unter Extrembedingungen auf ihre Funktionstüchtigkeit zu untersuchen. Mehr als 70 Millionen Euro hat sich der Konzern die nach eigenen Angaben weltweit modernste Anlage ihrer Art kosten lassen.

4.000-Watt-Lichtanlage simuliert Sonneneinstrahlung

Ein globales Auto wie das Kompaktmodell Focus muss überall auf der Welt starten, fahren und auch möglichst lange halten. Die Klimaanlage soll bei 41 Grad genauso funktionieren wie die Heizung bei minus 40 Grad, der Motor auf 5.200 Meter im simulierten Mount-Everest-Basecamp ebenso seine Leistung liefern wie im Tal des Todes, 86 Meter unter Meeresniveau. Und einen Elektronik-Ausfall würde man trotz höherer Luftfeuchtigkeit in Singapur ebenso wenig akzeptieren wie im kontinental-klimatischen Deutschland. All diese Bedingungen lassen sich in Köln simulieren – und auch jede erdenkliche Kombination aus ihnen.

Ford ETC Köln 2018 Foto: Ford

Kernstück des 5.500 Quadratmeter großen Neubaus am Rande des Werks in Köln-Merkenich sind drei Windkanäle, für die allein 600 Tonnen Stahl verbaut wurden – so viel wie für 2.000 Fiesta-Kleinwagen. In der ersten des Röhren-Trios werden Autos auf Hitze- und Kältebeständigkeit untersucht. Eine 4.000-Watt-Lichtanlage simuliert bei Bedarf Sonneneinstrahlung, eine Klimaanlage arktische Kälte. In Windkanal 2 regnet und schneit es bei Bedarf sogar, im dritten Stahlrohr pfeift hinter dicken Stahltüren der Wind mit bis zu 120 km/h, während sich der Luftdruck auf Himalaya-Verhältnisse absenken lässt.

Jeder zweite Ford fährt oberhalb von 1.000 Metern

"Das Klima-Testzentrum setzt einen neuen Standard in der Industrie", erklärt Fords Deutschland-Chef Gunnar Herrmann bei der Eröffnung nicht ohne Stolz. Jede der Komponenten ist auf technisch neuestem Stand, vor allem die Druckkammern im Branchenvergleich ganz weit vorne. Einmalig ist aber nicht zuletzt die Kombination der unterschiedlichen Klimakammern und Windkanäle auf einem Gelände. In der Entwicklung und Anpassung neuer Fahrzeuge auf die globalen Märkte soll sich mit der Technik künftig viel Zeit sparen lassen, erläutert Herrmann. Bis zu zehn Fahrzeuge können hier gleichzeitig bei unterschiedlichsten Bedingungen getestet werden.

Ein typisches Test-Szenario schildert Ford-Entwicklungs-Chef Jörg Beyer: So sei es möglich, die Großglockner-Fahrt eines vollbesetzten Ford Focus mit Anhänger zu simulieren. Und zwar nicht nur bei Minustemperaturen, sondern auch unter Äquator-Bedingungen. Die unterschiedlichen Szenarien sind wichtiger, als es dem normale Mitteleuropäer bewusst ist. Denn das milde Klima hierzulande ist für Fords weltweite Autoflotte eher die Ausnahme. So werden etwa 50 Prozent aller Fahrzeuge der Marke in Regionen oberhalb von 1.000 Metern Höhe gefahren. Zum Vergleich: Die höchstgelegene Stadt Deutschlands ist Oberwiesenthal auf 914 Metern.

Der Einfluss der Umgebungsbedingungen auf ein Auto ist enorm. Hohe Luftfeuchtigkeit hat Auswirkungen auf die Leistung von Klimaanlage sowie Motor und setzt zudem die Elektronik unter Stress. Hitze bringt zusätzlich die Motorkühlung ins Schwitzen, geringer Luftdruck lässt den Motor schwerer atmen. Und extreme Kälte macht nicht nur der Innenraum-Heizung zu schaffen, sondern auch den Luftansaugsystemen und der Scheiben-Enteisung. Dass neue Autos mit diesen Schwierigkeiten zurechtkommen, müssen sie allerdings nicht allein im Testzentrum beweisen, sondern anschließend und zwischendurch auch vor Ort – sei es im schwedischen Arjeplog am Polarkreis oder in den Wüsten Afrikas. Einige Reisen können sie sich jedoch sparen, seit in Köln die neue Wetterfabrik steht.

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