Dienstwagenklassiker Opel Kadett D

An vorderster Front

Opel Kadett D Foto: Archiv 4 Bilder

Der Opel Kadett D gilt als ziemlich langweilig. Dabei war seine Farbgebung für heutige Maßstäbe eher schräg: Metallic-beige-brauner Lack und ockerfarbene Sitzbezüge. Klingt doch interessant, oder?

Ein verregneter Halma-Nachmittag ist spannender als der D-Kadett, werden Sie sagen. Trotzdem gehört dieses Auto in diese Rubrik wie kaum ein anderes. Erinnern Sie sich an 1979? Die islamische Revolution im Iran ließ die Ölpreise in die Höhe schnellen. Bei Opel – bislang mit Modellen à la Admiral oder Diplomat nicht gerade als Hüter der Spritspartechnik bekannt – begann die Ära des Frontantriebs. Nach 80 Jahren wohlgemerkt.

Wartungsarme Technik

Beim IAA-Debüt in Frankfurt zeigte sich die Presse angetan von der wartungsarmen Technik. Eine Besonderheit ist der hydraulische Ventilspielausgleich der Kadett-Motoren. Er machte eine Kontrolle eben jenes Spiels überflüssig. Auch großes Rechnen erübrigte sich: Die Basisversion mit 1,2-Liter-Motor und 53 PS gab es zum Nettopreis von 9.720 Mark.

Traum aller Diakonieschwestern

Gewöhnungsbedürftige Kombinationen aus metallic-beige-braunem Lack und ockerfarbenen Sitzbezügen (solche, an denen man mit frisch geschnittenen Fingernägeln so gerne hängen blieb) riefen bald die Spötter auf den Plan. Der spätere Titel "Auto der Vernunft" (1983) manifestierte endgültig den Ruf als Diakonieschwestern-Ferrari. Dabei hatte der D-Kadett vor allem als Kombi Fuhrparkreferenzen zu bieten: zum Beispiel bei der Mutter aller Flotten, dem ADAC, oder bei der hessischen Polizei.

Drehmoment einer elektrischen Zahnbürste

1981 war der Kadett der meistverkaufte Benziner Deutschlands, ehe 1982 ein 1,6-Liter-Diesel kam. Es war der erste Selbstzünder seit Bestehen der Kadett-Baureihe und endlich ein Auto, das gegen den Golf Diesel antreten konnte. Dank deftiger Rauchentwicklung im wahrsten Wortsinn übrigens und auch nur mit 54 PS. Selbst wenn das Drehmoment von 96 Nm bei 2.400/min dem einer elektrischen Zahnbürste glich: Der Verbrauch von 6,7 Litern war eine Klasse für sich. Das galt auch für die 2,1 Millionen verkaufter Exemplare während der nur fünfjährigen Bauzeit. So viele Diakonieschwestern waren nie im Leben im Dienst. Also geben Sie es endlich zu: Sie haben auch mal einen gefahren.

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