Pkw-Neuzulassungen

WLTP bremst Verkauf

VW Passat GTE Plug-In Hybrid 2018 Foto: VW

Auch im November hat die Autobranche in Deutschland die WLTP-Umstellung noch nicht verdaut. Vor allem die VW-Marken sowie ein französischer Hersteller sind deutlich im Minus.

Die WLTP-Einführung sorgt weiter für Verwerfungen auf dem deutschen Neuwagenmarkt. Vor allem beim Volkswagen-Konzern zeigen sich die Lieferprobleme auch noch im November in der Neuzulassungsbilanz. Bei der Marke VW etwa steht für den vorletzten Monat des Jahres ein Minus von 15,4 Prozent in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), bei Tochter Audi sind es gar 43 Prozent. Beide Marken sind bei der Zertifizierung ihrer Pkw-Typen besonders im Hintertreffen.

Zum Hintergrund: Ohne den neuen WLTP-Test zur Emissionsermittlung durchlaufen zu haben, sind die einzelnen Motorvarianten eines Pkw-Modells seit September nicht mehr zulassungsfähig. Auf die Straße dürfen die Autos erst, wenn die fehlenden Papiere vorliegen. Das hätte idealerweise zum 1. September der Fall sein sollen, tritt bei vielen Herstellern aber erst um den Jahreswechsel herum ein. Grund sind Engpässe bei den Prüfstandskapazitäten und vielfach wohl auch eine zu optimistische Planung auf Herstellerseite. Dazu kam, dass Ingenieure und Labore vor allem bei VW für die Nachbesserungsversuche im Zuge des Diesel-Skandals benötigt wurden und für WLTP-Tests nicht zur Verfügung standen.

Neben den beiden großen VW-Marken sind auch andere Hersteller mit der Zertifizierung im Rückstand. Oder sie leiden an anderer Stelle unter der Umstellung. Denn die Automobillogistik ist komplex und vernetzt. Ein Beispiel: Wenn einem Modell des Herstellers A das Zertifikat fehlt, läuft das Modell in der Fabrik trotzdem weiter vom Band. Bis die Papiere nachgereicht werden, kann es aber nicht an den Endkunden ausgeliefert werden. Die Hersteller haben daher gigantische Parkplätze gemietet, um die Autos zwischenzulagern, etwa auf dem Gelände des nicht in Betrieb befindlichen Berliner Flughafens BER. Dorthin verbracht werden die Fahrzeuge von Autotransporter-Unternehmen, die sie nach erfolgter Zertifizierung auch wieder abholen und zum Händler beziehungsweise Kunden bringen müssen. Die Zahl der Pkw-Transporter ist jedoch begrenzt, da sie lediglich auf den normalen Transportbedarf abgestimmt ist, nicht auf den Sonderfall WLTP-Umstellung. Wenn Hersteller A nun für die Zwischenlagerung große Transportkapazitäten benötigt, fehlen diese am Ende bei Hersteller B. Der kann die eigentlich fertigen und zertifizierten Fahrzeuge dann nicht zeitnah an den Kunden ausliefern – und verliert für diesen Zeitraum Zulassungsvolumen, ohne dass er selbst Verzögerungen bei der WLTP-Einführung verschuldet hätte.

Die WLTP-Effekte trafen im November neben VW und Audi vor allem die Schwestermarken Porsche (minus 54,6 Prozent) und Seat (minus 18,5 Prozent). Großen Nachholbedarf gibt es offenbar auch bei Renault, wo für den November ein Rückgang von 28 Prozent in der Bilanz steht. Die Probleme bereits zu guten Teilen hinter sich gelassen haben hingegen BMW (plus 11,5 Prozent) und Mercedes (plus 6,0 Prozent), die ihren Aufwärtstrend aus dem Oktober fortführen. Unterm Strich bleibt der Gesamtmarkt aber deutlich hinter dem Vorjahresergebnis zurück: Im November wurden 272.200 Pkw neu zugelassen, knapp 10 Prozent weniger als im – allerdings auch ungewöhnlich starken – November 2017.

In den kommenden Wochen und Monaten wird sich der WLTP-Effekt zunehmend abschwächen. Wenn dann die zwischengeparkten Fahrzeuge schließlich auf der Straße landen, dürfte das auch die Zulassungsstatistik unterm Strich wieder ausgleichen. Für das Gesamtjahr geht der Zentralverband des Deutschen Kfz-Gewerbes aktuell von 3,47 Millionen Pkw-Neuzulassungen aus – das läge auf dem Niveau, mit dem die Branchenvertreter auch zu Jahresbeginn gerechnet hatten.

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