Porsche Cayenne E-Hybrid 2018 14 Bilder Zoom
Foto: Porsche

Porsche Cayenne E-Hybrid (2018)

Saubere Leistung

Mehr Power, mehr Fahrspaß, so die Devise für den neuen Porsche mit Steckdosenanschluss. Trotzdem vernachlässigt das wuchtige Chef-SUV seine Spartugenden nicht.

Auf richtig saubere Dieselmotoren verzichtet Porsche weiterhin bei seinem größten SUV. Ob und wann es doch wieder einen Selbstzünder im Cayenne geben wird, lässt die Sportschmiede offen. Nicht so schlimm: Solvente Firmenchefs mit grünem Gewissen können ja zum E-Hybrid greifen. Der Plug-in Hybride ist politisch korrekt und eine standesgemäße Alternative. Mögliche Fahrverbote jucken seinen Besitzer wenig.

Mehr Power als der Cayenne S und trotzdem günstiger

Das wuchtige Öko-Mobil mit einer Gesamtsystemleistung von 462 PS startet für 75.481 Euro (alle Preise netto) und sortiert sich preislich genau zwischen dem Basis-Cayenne mit 340 PS sowie dem 440 PS starken Cayenne S ein. Rein elektrisch rollt der Cayenne E-Hybrid nun 44 statt wie im Vorgänger nur 36 Kilometer weit. Hierzu stieg die Kapazität der Lithium-Ionen Akkus von 10.8 auf 14.1 Kilowattstunden – ohne mit 138 Kilo schwerer geworden zu sein.

Technisch fast ein Panamera E-Hybrid

Nicht nur der Energiegehalt des Batteriepacks im Heck wurde erhöht, auch unter der Haube gibt es nun mehr Dampf. Während die Leistung des V6-Benziners nur um gemäßigte sieben PS auf 340 PS stieg, hat der Elektromotor mit 136 PS jetzt stolze 43 Prozent mehr Leistung. Die hohe Systemleistung und imposante 700 Newtonmeter Drehmoment sorgen beim Allrad-SUV für mehr als überlegene Fahrleistungen. Selbst ein Hauch vom legendären Porsche 918 Spyder fährt im Cayenne E-Hybrid immer mit. Gemeint ist die Boost-Taste am Lenkrad. Damit kann der Fahrer 20 Sekunden lang noch mehr Druck für schnellere Überholmanöver abrufen. Bei Vollgas passiert die Tachonadel des gut 2.3 Tonnen schweren SUV die Tempo-100-Marke. Erst bei 253 km/h ist Schluss mit der brachialen Beschleunigung. Seine Achtgang-Automatik sorgt einerseits für komfortable Schaltvorgänge und ist bei Bedarf mit schnellen Schaltzeiten immer hellwach.
 

Zoom Porsche Cayenne E-Hybrid 2018 Foto: Porsche
Sieht schon im Stand schnell aus: Porsche Cayenne E-Hybrid.


Klingt alles so ziemlich nach Panamera E-Hybrid. Wer aber denkt, die Porsche-Ingenieure haben in den Konzernbaukasten gegriffen und einfach die gleiche Technik in den Cayenne eingepflanzt, der irrt. Statt des Biturbos kommt im SUV-Dickschiff nur ein einziger Lader zum Einsatz. Ebenso wurde das Verdichtungsverhältnis verändert. Da zudem die Kolben-Pleuel eine andere Länge aufweisen, ergibt sich zwischen den beiden Dreiliter-V6 ein Hubraumunterschied von 100 Kubikzentimetern. Dennoch haben beide die gleiche Systemleistung und das gleiche Drehmoment.

Der Cayenne ist nicht zum Sparen verdammt

Porsche spricht beim Cayenne E-Hybrid von einer neuen Performance-orientierten Hybridstrategie. Es geht also nicht hauptsächlich ums Sprit sparen. Klar, die Marke baut schließlich Sportwagen. Doch ein wenig politische Correctness braucht man auch in Zuffenhausen, und außerdem drohen gehörige Strafzahlungen, wenn man den von der EU auferlegten Flottenverbrauch nicht schafft. Also begnügt sich der Sportler im SUV-Dress mit 3.2 Litern Super und 20,6 Kilowattstunden Strom. Soweit die Theorie.
 
Das wollten wir natürlich genauer wissen. Der Fahrer kann jederzeit den Fahrmodus vom E-Betrieb bis hin bis zu Sport Plus manuell beeinflussen. Wir lassen aber vom kleinen Drehregler rechts am Lenkrad zunächst die Finger, um mit dem Plug-in Hybriden erst einmal rein elektrisch loszulegen. Auch der rechte Fuß streichelt das Fahrpedal nur, damit der Verbrenner so lange wie möglich ruht.
 
Trotzdem meldet sich V6 nicht erst nach den versprochenen 44 Kilometern zu Wort, sondern schon nach vertretbaren 32 Kilometern. Das gewohnte Wechselspiel der beiden Antriebe beginnt. Im Schiebebetrieb oder mit aufgeladenem Energiepuffer beispielsweise legt der Benziner eine Pause ein. Dann segelt der Cayenne sehr lange und auch sehr weit. Selbstverständlich rekuperiert der E-Hybrid in seinem Mischbetrieb viel Energie, um möglichst oft wieder in den E-Modus zurück zu gelangen.

Vorausschauender Sparassistent

Wer so unterwegs ist, kommt im Schnitt mit knapp sieben Litern aus. Damit ist der E-Hybrid kein Sparwunder, gemessen an seiner Fahrzeuggröße geht das aber immer noch in Ordnung. Wer den Wert weiter drücken will, schaltet das von Porsches entwickelte Assistenzsystem Innodrive ein. Ähnlich wie bei den Effizienzassistenten von VW oder Audi ermitteln Radar- und Video-Sensoren zusammen mit den Navidaten die aktuelle Verkehrslage. Steigungen, Gefälle oder etwa Kreisverkehre fließen ebenso mit ein und berechnen den optimalen Fahrmodus. Innodrive weiß also, ob nach der Kurve ein Ortsschild steht, erkennt Tempolimits meist vor dem Fahrer und stellt den Antriebsstrang nebst Tiptronic S auf die vorhanden Gegebenheiten ein. Das System schaltet vollautomatisch in den Segelmodus, steuert die Schubabschaltung und bremst das Auto auch ab, wenn sein Fahrer zu schnell unterwegs sein sollte.

Zoom Porsche Cayenne E-Hybrid 2018 Hybridmodus Bildschirm Foto: Porsche
Auf dem Bildschirm sieht der Fahrer, was die Antriebstechnik gerade treibt.

Erster Porsche mit Head-Up-Display

Die ausgewogen federnde elektronische Fahrwerksreglung gehört beim Cayenne E-Hybrid immer zur Serienausstattung. Extras gibt es, Porsche-typisch, natürlich wieder reichlich. Massagesitze etwa oder die für ein solches Auto unverzichtbare Anhängerkupplung. Selbst als Plug-in Hybride kann der SUV bis zu 3.5 Tonnen schwere Hänger ziehen. Außerdem gibt es neuerdings es auch ein Head-Up-Display. Selbst das ferngesteuerte Einparken in enge Parklücken per Smartphone ist nun im Programm.

Zoom Porsche Cayenne E-Hybrid 2018 Automatik Foto: Porsche
Ganz klar, dass man im Cayenne nicht von Hand schaltet.

Pfiffige Elektronik überwacht den Akku

Zum Abschluss gaben wir dem Cayenne ordentlich die Sporen, was der Bordcomputer mit 9.9 Liter Super quittierte. Darüber hinaus hatte sich der Cayenne aus seinen Akkus 19 kWh Strom gesaugt. Wir haben es übrigens nicht geschafft, das Speicher-Depot vollkommen zu entleeren, da eine clevere Bordelektronik stets über die Lithium-Ionen mit ihren acht Zellmodulen wacht und für Nachschub sorgt. So lässt sich der Strom auch noch locker für eine emissionsfreie Tour durch die City bunkern.

Optional mit integriertem Schnell-Lader

Um den Alltagsverbrauch nach unten zu drücken, sollte der Porsche natürlich möglichst häufig an die Steckdose. Das externe Aufladen benötigt genauso lang wie ein harter Arbeitstag: fast acht Stunden. Bei einem mit 32 Ampere abgesichertem 230 Volt-Anschluss dauert es hingegen nur die Hälfte. Wesentlich schneller geht’s aber mit dem optionalen 7.2-kW-Onboard-Lader, der die Wartezeit auf nur 2.33 Stunden verkürzt. Selbstverständlich kann der Chef den aktuellen Ladezustand auch über seine Smartphone-App kontrollieren, um seinen schnellen Öko-Porsche möglichst bald wieder von der Leine zu lassen. Ob er nach Ablauf seines Leasingvertrags anschließend in einen noch stärkeren Cayenne Turbo S E-Hybrid mit V8 und einer Leistung von 550 PS wechseln darf, dazu sagen die Zuffenhausener genauso viel wie zum Dieselthema: nämlich gar nichts. Warten wir es einfach mal ab.

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Datum

16. Mai 2018
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