Renault Alaskan (2018)

Japanisch-Französischer Pick-Up im Test

Foto: Renault

Der Renault Alaskan ist der dritte im Bunde der Nissan-Navara-Klone. Anders als Mercedes halten sich die Franzosen nah am Original, wie unser Test zeigt.

Rein optisch will sich der neue Renault Alaskan im schicken Lifestyle-Segment positionieren. Das gelingt ihm dank wuchtiger Chromfront und serienmäßigen 18-Zoll-Rädern auch auf Anhieb. Im Innenraum trägt zumindest die wertigere Ausstattungslinie Intens edles Echtleder. Die Sitze fallen komfortabel aus. Im Fond fehlt es zwar ein wenig an der Kopffreiheit, doch selbst mit 1,87 Metern und direktem Kontakt zum Dachhimmel sitzt es sich auf der wohlgeformten Rückbank erstaunlich bequem. Einzig die steile Sitzlehne könnte auf langen Strecken zum Problem werden. Etwas gedämpft werden die Luxus-Ambitionen vom zwar üppig bestückten, aber haptisch nicht sonderlich hochwertigen Multifunktionslenkrad. Auch der glitzerschwarze Rahmen um das Sieben-Zoll-Display wirkt etwas aus der Zeit gefallen.

Foto: Renault
Im Innern unterscheidet sich der Alaskan vom Plattformspender Navara hauptsächlich durch sein Lenkrad.

Praktischer Innenraum

Im Innenraum wartet der Alaskan mit vielen praktischen Ablagen auf. Flaschen, Becher, Kleinigkeiten wie der Schlüsselbund und das zum Laden in die USB-Buchse eingesteckte Smartphone finden locker Platz. Allerdings ist das Navi-Display ungeschickt platziert. Der Bildschirm ist einige Grad nach hinten gekippt und spiegelt so schon bei geringer Sonneneinstrahlung extrem. Dazu kommt, dass das Multimediasystem an sich nicht gerade der allerletzte Schrei ist. Zwar ist der Alaskan ein neues Auto, sein Technikspender Nissan Navara hat aber schon einige Lenze auf dem Buckel.

Foto: Renault

Offroad ist Paradedisziplin

Vom Navara stammt auch die komplette Fahrzeugarchitektur, was allein schon die Seitenlinie des französischen Pick-ups verrät. Leider überzeugt diese Basis aber nicht in allen Disziplinen. Am wohlsten fühlt sich der Alaskan abseits der Straße. Hier kutschiert er seine Insassen dank Schraubenfedern ringsum durchaus komfortabel über Stock und Stein und kämpft sich wacker durchs Gelände – dank Allrad und Geländeuntersetzung. Bergab hält ihn die Elektronik der Bergabfahrhilfe  zuverlässig im Zaum und lässt den Wagen sachte gen Tal tuckern. Die 360-Grad-Kamera, Serie beim Intens, verschafft dem Fahrer den nötigen Überblick an kniffligen Stellen. Unbezahlbar ist die Kamera aber auch beim Einparken. Denn auf der Straße, eingezwängt in das europäische Maßkonzept, erweist sich der Renault als ziemlicher Brocken. Grundsätzlich fühlt sich der Alaskan ein ganzes Stück größer an, als er tatsächlich ist. Die gebirgige Motorhaube schränkt die Sicht ein. Zudem ist er mit einem Wendekreis von 12,3 Metern nicht gerade handlich. Viel Raum braucht der Fahrer auch beim Schalten. Die Schaltwege des manuellen Getriebes sind unheimlich lang, worunter nicht zuletzt die Präzision leidet.  

Foto: Renault

Defizite auf der Straße

Ebenso vage verhält sich der Alaskan auf der Straße. Zwar trägt er 255 Millimeter breite Schlappen, hat aber scheinbar zu weiche Stoßdämpfer in die Wiege gelegt bekommen. Ein Pick-up muss gewiss kein Sportwagen sein. Der Renault zirkelt aber selbst dafür etwas zu schwammig um Kurven. Im Gegenzug reicht er Bodenwellen ungefiltert an die Insassen weiter und wirkt selbst bei ebener Fahrbahn etwas stuckerig. Ebenso nonchalant schnappt das ESP zu. Zwar dosiert es die Traktion abseits der Straße sachte, in ambitioniert gefahrenen Kurven wirft es aber vehement den Anker und lässt den Motor auch Sekunden später noch kein Gas annehmen.

Kräftiger Motor spricht langsam an

Die Gedenksekunde ist der Fahrer allerdings eh schon gewohnt. Diese genehmigt sich der Motor nämlich nach jedem Halt. Beim Anfahren braucht der Motor etwas Zeit, bis er Leistung entwickelt. Einmal in Fahrt schiebt das Nissan-Aggregat mit seinen 190 Pferden den gut zwei Tonnen schweren Renault aber ordentlich voran bis knapp an die 200 km/h-Marke. Nimmt man ihm das Gas dann wieder weg, quittiert er dies mit einer kernigen Mischung aus Brüllen und Schnauben.

Erhöhter Verbrauch

Der Pferdestall unter der Haube entwickelt allerdings – nicht nur bei schneller Autobahnfahrt – einen gehörigen Durst. Mit einem Testverbrauch von gut elf Litern Diesel ist er vom Normverbrauch etwa so weit entfernt wie Paris von Tokio. Ein Hardtop könnte diesen Wert sicher ein ganzes Stück verbessern. Pick-ups sind nun mal keine Aerodynamik-Wunder. Immerhin macht das Tanken Spaß. Mit einem hörbaren Röcheln kündigt sich an, dass das Fass nun voll ist. Wer dann noch zwei oder drei Mal die Zapfpistole klacken lässt, bekommt den Tank randvoll. Dabei schwappt glücklicherweise kein Diesel raus. 

Intens-Linie empfehlenswert

Erfreulich kurz fällt die Aufpreisliste aus. Der Kunde wählt zwischen den Ausstattungsvarianten Zen und Intens. Dabei braucht es die Zen-Linie streng genommen gar nicht. Der Preisunterschied zu Intens beträgt lediglich 1.110 Euro netto. Allein die LED-Scheinwerfer, Serie bei Intens, schlagen mit 1.000 Euro zu Buche. Wer dann noch die äußerst empfehlenswerte 360-Grad-Kamera wählt, käme ohne Intens teurer, zumal er damit ja auch Vollleder, Soundsystem und einen höhenverstellbaren Fahrersitz bekommt. Am Ende müsste der Kunde dann lediglich noch für Farbe, Differenzialsperre und Schiebedach extra bezahlen.

Fazit

Unter dem Strich zeigt sich der Renault also als schicke Alternative zum Technologiespender Navara. Allerdings fühlt er sich abseits der Straße deutlich wohler als auf Asphalt. Das führt auch dazu, dass man dem Pick-up ad hoc weniger zutraut, als er tatsächlich auf dem Kasten hat. Denn eigentlich beherrscht er das was ein 4x4-Pick-up können soll ganz gut: Traktion, schwere Lasten ziehen, große Ladefläche und sogar noch ein wenig Blingbling obendrauf.  

Technische Daten
Renault Double Cab 4x4 dCi 190
Motor und Kraftübertragung
Zylinderzahl / Motorbauart 4-Zylinder Reihenmotor
Hubraum 2298 cm³
Leistung 190 PS (140 kW) bei 3750 U/min.
max. Drehmoment 450 Nm bei 1500 U/min.
Antriebsart Allrad
Getriebe 6-Gang manuell
Schadstoffeinstufung Euro 6b
CO2-Ausstoß 167 g/km
Kraftstoff Diesel
Preis
Nettopreis 37.820,- €
Abmessungen und Gewichte
Radstand 3150 mm
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5399 × 1850 × 1810 mm
Leergewicht gemessen 2103 kg
Zuladung 932 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 3035 kg
Karosserie
Typ Pick-up
Testwagenbereifung
Reifen (vorne/hinten) 255/60 R 18 / 255/60 R 18
Verbrauch
Verbrauch 6.30 l/100 km
Betriebskosten
15.000 km/96 Monate 30.000 km/60 Monate
Basisdaten
Preis ohne Mehrwertsteuer 37.820,- € 37.820,- €
Betriebsnotwendiges Kapital 25.633,- € 27.455,- €
Teuerung Fahrzeugpreis 10.089,- € 6.024,- €
Feste Kosten (€/Jahr)
Kapitalverzinsung 2.153 2.306
Abschreibung 2.153 2.306
Kfz-Steuer 189 189
Haftpflichtversicherung 1.201 1.201
Kaskoversicherung 894 894
Unterstellung/Garage 564 564
Summe feste Kosten (€/Jahr) 9.383 10.710
Summe feste Kosten (ct/km) 62,5 35,7
Variable Kosten (ct/km)
Kraftstoff 9,1 9,1
Reifen 2,6 2,6
Wartung/Reparatur/Pflege 22,4 11,8
Summe variable Kosten 34,2 23,6
Gesamtkosten
Gesamtkosten (ct/km) 96,7 59,3
Quellenangabe Betriebskosten
Quellenangabe Dekra Dekra
Zeitpunkt der Datenberechnung 4/2018 4/2018
Versicherungshinweis Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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