Riskmanagement im Fuhrpark

Dem Schaden auf der Spur

Foto: ETM

Riskmanagement ist Flottenmanagement. Je weniger Schäden, desto wirtschaftlicher. Bei den Dienstleistern haben Fuhrparkchefs die Qual der Wahl. 15 Anbieter in der Übersicht.

"Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt": Frei nach diesem Motto aus Goethes "Erlkönig" kann in VW-Dienstwagen die Oberfläche des Smartphones geblockt werden. Schnell während der Fahrt eine Kurznachricht tippen oder nur lesen ist dann nicht mehr möglich. Verantwortlich dafür ist der sogenannte Safe Drive Pod, ein knopfgroßer Sender im Wagen. Ein gutes Beispiel für eine effektive Risk­management-Maßnahme, denn das Verbot der Handy­nutzung während der Fahrt wird tagtäglich missachtet – auch von Dienstwagenfahrern.

Telefonieren ist mit dem Angebot der VW-Financial-Services-Tochter Carmobility dennoch über die Freisprecheinrichtung möglich. Auch Navigations-Apps sind nutzbar, können aber während der Fahrt nicht bedient werden. Zudem garantiert die inte­grierte SOS-Funktion, dass im Notfall ein Anruf an die Rettungsleitstelle abgesendet wird. Zwar arbeitet Safe Drive Pod ohne GPS und zeichnet dementsprechend keine Fahrten auf, doch der Fuhrpark­manager kann über ein Internetportal einsehen, ob alle registrierten Safe Drive Pods in der Flotte auch "brav" genutzt werden. "Das System ist auch aus Gesamtkostensicht interessant", sagt Matteo Carlesso, Geschäftsführer von Carmobility. Denn jeder Unfall treibe die Schadenquote der Flotte nach oben.

Fast jeder Dienstleister arbeitet mit eigener Software

"Riskmanagement funktioniert grundsätzlich nur, wenn es von der Belegschaft akzeptiert und gelebt wird", sagt Matthias Küchemann, Leiter Motor Underwriting beim Versicherer HDI Global. Einzelmaßnahmen könnten daher kontraproduktiv sein. Küchemann: "Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Der Kunde bekommt die gesamte Bandbreite des Riskmanagements aus einer Hand."

Das umfangreiche Angebot seitens der Dienstleister hat einen guten Grund: Die Einblicke ins Riskmanagement der Kunden geben weitreichende Aufschlüsse. Fast alle an der Umfrage von firmenauto teilnehmenden Riskmanagement-Anbieter verwenden eine selbst entwickelte Software. Allein der Versicherungsmakler Marsh nutzt das Tool der Innovation Group, die für viele Versicherer als Dienstleister tätig ist. Der Leasinganbieter ­Athlon möchte hingegen nicht verraten, woher seine Schaden­software stammt.

Auch für Flottenmanager sind die individuellen Softwaretools höchst interessant. Zwar werden in allen Fällen Schadendaten ausgewertet, doch die Art und Weise sowie die Präsentation der Ergebnisse sind höchst unterschiedlich. Bevor man sich für einen Anbieter entscheidet, empfiehlt es sich daher, möglichst viele Tools zu testen, um das für die eigene Flotte geeignetste auszumachen. Interessant ist zudem, dass allein bei den Versicherern, nämlich der Gothaer, der VHV und der Zurich, die Analyse­software noch nicht webbasiert ist und der Flottenbetreiber somit keinen Onlinezugriff hat.

Firmenwagen-Extras Foto: VW
Assistenzsysteme helfen Unfälle zu vermeiden

Hier zeigen sich die alte und die neue Welt: Während es früher üblich war, dass das Riskmanagement von Experten "betrieben" wurde, gilt heute ein aktives "Mitmachen". Immerhin haben bereits Allianz und HDI Global die Zeichen der Zeit erkannt. "Professionelle Schadenprävention ist einer der besten Investitionsansätze, um Kosten zu reduzieren und gleichzeitig die Sicherheit zu erhöhen", sagt Ralph Feldbauer, Leiter des Riskmanagements Flotten bei der Allianz-­Versicherung.

Und den Einstieg machen die Anbieter den Flottenchefs leicht. So sind die Erstberatung und die Softwarenutzung meist kostenfrei. Erst wenn es in die technische Umsetzung durch Schulungen des Managements, der Belegschaft oder der Fahrer geht, sind Maßnahmen in aller Regel mit Investitionen verbunden.

Versicherungsmakler und Assekuranzen sind in Sachen Schadenverhütung den reinen Riskmanagement-Unternehmen aber immer noch voraus; für sie ist sie Teil ihres Geschäftsmodells. Je weniger Schäden eine Flotte hat, desto besser ist die Verhandlungsposition für Makler, während sich eine solche Entwicklung bei Versicherern direkt als finanzieller Erfolg niederschlägt. Daher ist es nicht verwun­derlich, dass Riskmanagement von einigen ­Anbietern auch unterhalb der Schwelle von 50 Fahrzeugen offeriert wird.

Technik muss den Fahrer begleiten, nicht bevormunden

Teilweise bewerten die Unternehmen die Unterstützung bei der Schadenabwicklung schon als Riskmanagement. Was nicht grundlegend falsch ist. Schließlich verringert eine effektive und kostengünstige Schadenabwicklung Fixkosten, da die Fahrzeuge viel schneller wieder einsatzfähig sind. Echtes Riskmanagement setzt aber nach der Analyse einen kostenträchtigen Prozess in Gang. Das gilt für Schulungen ebenso wie für die Investition in sinnvolle Sicherheitstechnik – etwa den Safe Drive Pod von Volkswagen.

Ob Handyblocker, Freisprechanlage oder Abstandstempomat: Die Technik muss den Fahrer harmonisch begleiten und darf nicht als Zwang empfunden werden. "Effektives Schadenmanagement senkt die Unfallquote um bis zu 15 Prozent und die Kosten um bis zu 30 Prozent", sagt Thomas Krüger, Geschäftsführer der E-Flotte. Und wer als Flottenmanager den leider oft längeren Weg zur Schadenverhütung einschlägt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit belohnt. So geht der regionale Versicherungsmakler Aktiv Assekuranz immerhin von einer über 50-prozentigen Erfolgsquote aus. Während Aon Risk Solutions 75 Prozent der Maß­nahmen erfolgreich umsetzen will, verspricht die Gothaer ­Versicherung sogar eine 80-prozentige Quote. Gleichzeitig stellt der internationale Makler Marsh aber ernüchtert fest, dass viele Flottenbetreiber nicht einmal eine professionelle jährliche Bewertung auf Basis von Einzelschadenauswertungen durchführen. Doch nur so ließe sich das bestmögliche Verhältnis von Risikotransfer, sprich: Versicherung und Eigentragung, herausarbeiten. "Ein Beispiel ist hier die Ermittlung des risiko­gerechten Selbstbehalts in der ­Kaskoversicherung", sagt Marsh-Expertin Michaela Brungs. Ohne Analyse wären Risikomanagementmaßnahmen nicht zielgerichtet umzusetzen.

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11/2018 19. Oktober 2018 Inhalt zeigen
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