Riskmanagement im Fuhrpark

Stopp dem Unfallrisiko

Domino Foto: Gaj Rudolf

Werden Flotten- und Riskmanagement verzahnt, lassen sich hohe Kosten einsparen. Die Übersicht sagt, welche Unternehmen dabei helfen.

Schaden um Schaden: Fast täglich flatterten dem Fuhrparkleiter einer Großbäckerei Unfallmeldungen seiner Fahrer auf den Tisch. Am Ende hatte das Unternehmen mit 120 Transportern eine vollkommen verhagelte Schadenquote. Doch statt voll auf die Prämienpauke zu hauen, traf sich Thomas O. Winkler, Flottenexperte der Gothaer Versicherung, persönlich mit dem Fuhrparkchef. "Wir haben die Schäden gemeinsam analysiert und festgestellt, dass 60 Prozent beim Rückwärtsfahren passieren", sagt Winkler. Die Schäden waren teuer. Oft wurde nicht nur der Lieferwagen, sondern auch die Rampe beschädigt. Geliefert wurde nämlich vorwiegend ab vier Uhr morgens, wenn’s noch dunkel ist.

Die erste Maßnahme, in ausgesuchten Fahrzeugen eine kräftige Rückleuchte zu installieren, brachte nichts. Auch im Licht konnten die Fahrer die Entfernung zur Rampe nur schätzen. Erst eine Rückfahrkamera brachte den gewünschten Erfolg. "Wir konnten die Be- und Entladeschäden fast auf null reduzieren." Die Investition von 400 Euro pro Fahrzeug lohnte sich, weil die Schäden nachhaltig bekämpft wurden.

"Je nach Einsatzzweck können ganz unterschiedliche Assistance-Systeme sinnvoll sein", sagt Versicherungsexperte Winkler. "Die technische Aufrüstung von Flotten ist eine der vielversprechendsten Optionen fürs Riskmanagement." Daneben ist Mitarbeiterschulung der Königsweg. Die umfassende Klammer für den Erfolg bleibt aber: Alle müssen an einem Strang ziehen. Schadenprävention bei Flotten ist nach Meinung der Experten nur erfolgreich, wenn auf allen Ebenen des Unternehmens ein Gesamtverständnis erzielt wird. In unserer Umfrage verspricht dies, die Zahl der Unfälle und die Schadenhöhe um bis zu ein Drittel zu verringern.

Riskmanagement gibt es aber nicht von der Stange, es muss auf jedes Unternehmen individuell zugeschnitten werden. »Um einen realen Erfolgsmaßstab zu haben, muss immer das Fuhrparkgeschehen berücksichtigt werden, also beispielsweise Einsatzart, Kilometerleistung oder Branche«, sagt Ralph Feldbauer, oberster Riskmanager der Allianz. Zwar macht der größte Kfz-Industrie-Versicherer selbst keine konkreten Angaben zur Senkung der Schäden und des Aufwandes. Feldbauer betont aber, Flottenmanager hätten ein enormes Einsparungspotenzial, weil bei einer aktiven Schadenverhütung auch die Prozesse insgesamt optimiert würden. "Zudem erhöht es die Sicherheit der Mitarbeiter im Unternehmen." Anders gesagt: Wer heute als Flottenchef oder Geschäftsführer kein Riskmanagement nachweisen kann, hat ein Compliance- und Haftungsproblem.

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Die Zeit dafür ist jedenfalls reif. Auf der Bank gibt es für Kapital kaum noch Zinsen. "Mit Riskmanagement erzielt der Unternehmer hingegen durch weniger Schäden eine sehr hohe Rendite. Er senkt die unversicherten Schadennebenkosten und spätestens im nächsten Jahr die Versicherungsprämie", erläutert Klaus Berger, Geschäftsführer der RM Secur Consulting, die als Risikoberater des Versicherungsmaklers Oskar Schunck fungiert.

Erfolgreiches Risikomanagement ist kein Hexenwerk. Man braucht geschulte Fachexperten, Kundenbetreuung auf Niederlassungsebene sowie ein individuelles Vertragswerk. Allianz-Experte Feldbauer hat die Erfahrung gemacht, dass man nur noch wenig Überzeugungsarbeit leisten muss, um mit einer ganzheitlichen Schadenverhütungsarbeit zu starten. Die wenigsten Riskmanager wollen konkrete Erfolgs­quoten wegen der sehr unterschiedlichen Flotten nennen. Allein Bernhard Assekuranzmakler, die Gothaer Versicherung, MRH Trowe und RM Secur sowie TCS machen Angaben, die zwischen 75 Prozent und 96 Prozent schwanken. Das sollte Flottenchefs warnen: Riskmanagement kann also, wenn auch selten, schiefgehen. Fatal ist, erst zu handeln, wenn schon die Kündigung oder die neue, teurere Prämienforderung des Versicherers auf dem Tisch liegt. Systematische Schadenverhütung benötigt Zeit. Hektischer Aktionismus wirkt eher kontraproduktiv. Daher gilt: Selbst wenn die Flotte gut läuft, ist es die richtige Zeit für eine Risikobeurteilung.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
firmenauto 10 2019 Titel
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