Rückrufe der Autohersteller

Besser nicht ignorieren

Mann zieht Auto Foto: AdobeStock

Immer mehr Autos werden wegen Sicherheitsmängeln in die Werkstätten gerufen. Werden Rückrufe ignoriert, kann das teure Folgen haben.

Es hört und hört nicht auf. Erst kürzlich ereilte der Abgasskandal wieder einmal Daimler. Mercedes soll an dem Modell GLK 220 CDI die Stickoxidwerte manipuliert haben. Rund 60.000 solcher Fahrzeuge wurden zwischen 2012 und 2015 gebaut. Das Kraftfahrt-Bundesamt leitete ein formelles Anhörungsverfahren gegen Daimler ein. Branchenkenner vermuten, dass es nicht die letzte Abschalteinrichtung gewesen sein wird, die man findet. Konsequenz: Die Hersteller müssen die Autos auf Anordnung des Kraftfahrt-Bundesamts nachbessern.

Bevor das KBA aber eine für die Hersteller sehr teure Rückrufaktion anordnet, untersuchen die KBA-Ingenieure die verdächtigen Fahrzeuge auf ihre Sicherheit. 2018 waren es 916 Modelle gewesen, von denen 572 in die Werkstätten beordert wurden. Nach Auskunft des KBA wurden im vergangenen Jahr rund 3,5 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen, 600.000 oder gut 20 Prozent mehr als 2017. Damit gab es im letzten Jahr mehr Rückrufe als Neuzulassungen. Ein Trend, der seit Jahren anhält. Entweder werden die Hersteller und Importeure aufgrund von Haftungsfragen vorsichtiger, weil gewaltige Schadenersatzzahlungen drohen. Oder werden womöglich zunehmend Produkte auf den Markt gebracht, die teilweise nicht ausgereift sind?

Das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe hat eine andere Erklärung: "Die Qualität der Kraftfahrzeuge wird nicht zunehmend schlechter. Aber die Autos werden aufgrund der steigenden Anzahl an Assistenzsystemen komplexer", sagt Verbandssprecher Ulrich Köster. Die verschiedenen Steuergeräte, Sensoren und Aktuatoren müssten perfekt zusammenarbeiten, damit alle Fahrfunktionen sicher funktionieren. "Wichtig ist es, diese Systeme auch nach Markteinführung zu betrachten, um Verbesserungen in Form von Software-Updates zu installieren", so Köster. Von solchen Aktionen bekommen die Flottenverantwortlichen meist nichts mit, weil diese Arbeiten bei Service-Intervallen miterledigt werden. Falls die Firmenwagen dafür doch zurückgerufen werden, sind das freiwillige Aktionen, deren Teilnahme den Unternehmen freisteht. Anders ist das bei angeordneten Rückrufen, denn die betreffen sicherheits- oder umweltrelevante Teile im Fahrzeug.

Wie aber laufen Rückrufe ab, und müssen die Halter betroffener Fahrzeuge dem Aufruf in die Werkstätten folgen? Was, wenn sie das nicht tun? "Rückrufaktionen kann nur der Hersteller initiieren und das Kraftfahrt-Bundesamt mischt mit", weiß Rechtsanwalt Gerhard Hillebrand, Verkehrsrechtsexperte im Deutschen Anwaltverein. Als juristische Basis für Rückrufe dient das Produkthaftungsrecht. Es verpflichtet die Fahrzeugbauer, Mängel zu beseitigen. Entweder freiwillig oder angeordnet. "Das geschieht, wenn schwerwiegende Mängel vorliegen und die Verkehrssicherheit gefährdet ist", sagt der Rechtsanwalt. Das Kraftfahrt-Bundesamt verwaltet das zentrale Fahrzeugregister und hat damit die Adressen aller betroffenen Fahrzeughalter. Bei gekauften Flottenfahrzeugen wird also das Unternehmen angeschrieben, bei geleasten Firmenwagen die Leasinggesellschaft, die wiederum den Nutzer informiert.

Die_10_groessten_Rueckrufe Foto: firmenauto/OSV
Die zehn größten Fahrzeugrückrufe aller Zeiten.

Die Kosten für Arbeitszeit und Material trägt während der gesetzlichen Garantiefristen der Hersteller. "Außerhalb macht er es aus Gründen der Kulanz", so Hillebrand. Das ist eine reine Imagefrage. Wurden alle Arbeiten erledigt, allerdings nicht gut, hat der Kunde ein Gewährleistungsrecht. Doch der Kunde muss den Pfusch beweisen. Dass der Mitarbeiter seinen Geschäftswagen in die Werkstatt bringen und wieder abholen muss und den Firmen dadurch Kosten entstehen, ist Pech. Sie haben keinen Anspruch auf finanziellen Ausgleich. Wenigstens haben sie während der Gewährleistungsfrist Anspruch auf einen Ersatzwagen.

Wie umfangreich die Hersteller ihre Kunden informieren, bleibt ihnen überlassen. Mercedes beispielsweise gibt per Post unabhängig von der Kategorisierung des Rückrufs Auskunft über den Sachverhalt, dessen mögliche Auswirkungen und den anstehenden Rückruf. Dabei wird der Halter aufgefordert, die Firmenwagen in einer Vertragswerkstatt reparieren zu lassen.

Bei Servicemaßnahmen der Hersteller kann der Halter selbst entscheiden, ob er an der Aktion teilnimmt. Anders sieht es bei Rückrufen aus, die auf die Beseitigung einer ernsthaften Gefährdung ausgerichtet sind. "Eine ernste Gefahr besteht immer dann, wenn die Gefährdung plötzlich und unerwartet eintritt und unmittelbar zu einem Verletzungsrisiko führt", sagt Stephan Immen, Sprecher des Kraftfahrt-Bundesamtes. "Eine vollständige Beseitigung des Mangels ist das Ziel. Darum ergreift das KBA Gegenmaßnahmen und überwacht solche Rückrufe." Wer dann seine Flottenfahrzeuge nicht in die Werkstatt schickt, wird wiederholt aufgefordert. Geschieht dann immer noch nichts, meldet das KBA die Fahrzeugdaten der örtlichen Zulassungsbehörde. Die mahnt nochmals und droht, die Fahrzeuge stillzulegen.

Rückrufaktionen kosten nicht nur die Hersteller viel Geld, sondern können auch Zulieferer hart treffen. Wenn möglich, holen sich die Hersteller bei Teilelieferanten Geld zurück, wenn die den Mangel zu verantworten haben. Sie wie der Airbaghersteller Takata. Weil dessen Airbags nicht richtig funktionierten, mussten in den letzten Jahren weltweit 50 Millionen Autos teuer nachgebessert werden. Mittlerweile ist bei Takata nichts mehr zu holen. Das japanische Unternehmen ist insolvent.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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