Section Control als Pilot gestartet

Fahrer unter Beobachtung

Jenoptik AG Section Control Foto: Jenoptik AG

Seit 14. Januar 2019 misst eine Pilotanlage die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einem etwa 2,2 Kilometer langen Teilstück der B 6 bei Hannover.

Wer auf der Bundesstraße 6 in der Region Hannover zwischen den Ortschaften Gleidingen und Laatzen in Fahrtrichtung Hannover unterwegs ist, steht seit vergangener Woche auf etwa 2,2 Kilometer unter Beobachtung, was seine Geschwindigkeit angeht. Denn hier startete am 14. Januar 2019 die erste deutsche Section Control (Anlage zur Verkehrsüberwachung durch Abschnittskontrolle).Vorgesehen zunächst als Pilotprojekt in Deutschland, begrenzt auf 18 Monate. Andere europäische Länder, wie Österreich, die Schweiz, Italien, England und Schottland haben laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat (DVR) solche Anlagen bereits erfolgreich in Betrieb. Den betreffenden Streckenabschnitt, auf dem eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern erlaubt ist und der keinen Standstreifen hat, passieren werktags mehr als 15.000 Fahrzeuge.

Anlage soll Verkehrssicherheit erhöhen

Auch unterschiedliche Fahrzeugtypen, wie Lkw oder Fahrzeuge mit Anhänger erfasst die Anlage, um die erlaubte Höchstgeschwindigkeit mit der gemessenen Durchschnittsgeschwindigkeit dort abzugleichen. Betreiber der Anlage ist die Polizei Hannover, die Region Hannover die zuständige Bußgeldbehörde. Eine wissenschaftliche Evaluation über das Verhalten der verkehrsteilnehmenden Personen erstellt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Dr. Johannes Kupper, von der PTB hat festgestellt: „Bereits während der Installation und Konformitätsbewertung war festzustellen, dass die Abschnittskontrolle den Verkehrsfluss harmonisiert und die Verkehrssicherheit erhöht.“ Interessant ist das Pilotprojekt auch in Sachen Datenschutz, aber weil dieser Streckenabschnitt bei Hannover als Unfallhäufungsstrecke gilt, hat die Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen (LfD) zugestimmt.

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So funktioniert die Section Control

Im Prinzip ist die Funktionsweise recht simpel: Der Ein- und Ausfahrtsquerschnitt definiert jeweils Beginn und Ende des Messfeldes. Dort erfasst die Anlage jeweils eine Fotoaufnahme vom Fahrzeugheck samt Zeitstempel, wodurch sich dann die Durchschnittsgeschwindigkeit errechnen lässt. Ist diese zu hoch, nimmt die Anlage hinter dem Ausfahrtsquerschnitt ein Frontfoto auf, um den Fahrer zu identifizieren. Wegen der strengen Regeln zum Datenschutz, extrahiert die Anlage das amtliche Kennzeichen automatisch und ist so anonymisiert. Wichtig ist auch, dass die Anlage nur zur Feststellung einer Geschwindigkeitsüberschreitung genutzt wird, und die erhobenen Daten zu keinen anderen Zwecken genutzt werden. Gibt es keine Geschwindigkeitsüberschreitung, sind die Daten sofort und spurenlos zu löschen.

Der lange Weg zur Section Control

Bereits im Jahr 2009 hat sich der 47. Deutsche Verkehrsgerichtstag (VGT) mehrheitlich für einen Modellversuch in einem Bundesland ausgesprochen. 2010 hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat einen Vorstandsbeschluss „Abschnittsbezogene Geschwindigkeitsüberwachung (Section Control) gefasst, informierte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und ist auf die Bundesländer zugegangen. Erst 2014 kam dann das Land Niedersachsen zu dem Ergebnis, den an der B 6 gelegenen Streckenabschnitt als Pilotstrecke auszuweisen. Weil noch keine Herstellerfirma, die Abschnittskontrollen anbietet, von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) zum Betrieb in Deutschland zugelassen war, erfolgte durch die Polizei Niedersachsen ein bundesweites Vergabeverfahren. Im Frühjahr 2015 erhielt die Firma Jenoptik Robot den Zuschlag, stellte die Anlage im Sommer 2016 fertig und beantragte dann die Konformitätsbewertung, bei dem PTB und das Mess- und Eichwesen Niedersachsen prüften, ob die Section Control alle festgelegten Anforderungen erfüllt.

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Vorteile der Section Control

Das Innenministerium Niedersachsen sieht als Vorteil der Abschnittskontrolle gegenüber punktuellen Kontrollen, dass die Fahrer im gesamten überwachten Streckenabschnitt die vorgeschriebene Geschwindigkeit einhalten. Außerdem würde ein kurzzeitiges und gefährliches Abbremsen an einer herkömmlichen Anlage entfallen, wodurch der Verkehrsfluss erhöht werde und gleichzeitig soll die gerechtere Messung mehr Akzeptanz bei den Verkehrsteilnehmern finden.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) begrüßt die modellhafte Inbetriebnahme der Anlage. „Unangepasste Geschwindigkeit gehört zu den Hauptunfallursachen in Deutschland und kostet viele Menschen das Leben“, sagt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des DVR. Und: „Die Section Control erhöht die Verkehrssicherheit, wie die Erfahrungen unserer europäischen Nachbarn zeigen.“

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